Forscher: Einzelaktionen wie Fiebermessen stoppen Pandemie nicht

Forscher der Donau-Uni Krems kamen zu dem Schluss, dass Maßnahmen wie Fiebermessen an Grenzübergängen 80 bis 100 Prozent aller infizierten Personen übersehen würden.

Archivfoto: Gesundheitscheck inklusive Fiebermessen am Brenner Anfang März.
© EXPA/ JOHANN GRODER

Krems, Wien – Einmalige Screeningmaßnahmen, wie das Messen der Körpertemperatur oder Fragen nach Symptomen, sind ungeeignet, um eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern. So würden beim einmaligen Fiebermessen etwa an Grenzübergängen 80 bis 100 Prozent aller infizierten Personen übersehen werden. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Donau-Uni Krems nach Zusammenfassung vorliegender Forschungsergebnisse.

Das internationale Team mit Beteiligung von Wissenschaftern vom Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation in Krems, der Tiroler UMIT Privatuniversität und Partner aus den USA hat einerseits Studien zu Screening-Strategien von Personen ohne Krankheitssymptomen und andererseits Arbeiten zu Quarantänemaßnahmen zusammengetragen. Im Rahmen des unabhängigen Wissenschafter-Netzwerks "Cochrane" wurden die Erkenntnisse aus dem Literaturstudium nun veröffentlicht.

Screenings zur Verminderung der Verbreitung nicht geeignet

In Bezug auf die Screening-Strategien zeigte sich in mathematischen Modellen, dass Überprüfungen des Covid-19-Status von Gesundheitspersonal in Krankenhäusern einmal pro Woche die Ausbreitung auf Patienten und das Personal selbst reduzieren können, heißt es in einer Aussendung der Donau-Uni. Beobachtungsstudien mit Tausenden Teilnehmern hätten hingegen gezeigt, dass Screenings auf Basis von Nachfragen nach Symptomen, Fiebermessen, dem Dokumentieren von Reisen oder dem Erfragen von Kontakten mit möglicherweise Erkrankten zur effektiven Verminderung der Verbreitung nicht geeignet sind.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung von Gesundheitspersonal, um Körpertemperatur zu messen, kein sinnvoller Einsatz von Ressourcen ist, um SARS-CoV-2 Infektionen zu vermeiden. Es wäre sinnvoller dieses Personal für Contact Tracing oder die raschere Durchführung von PCR-Screening-Tests bei Personen, die mit SARS-CoV-2 Infizierten Kontakt hatten, einzusetzen", sagte der Kremser Ko-Autor des Überblicks, Gerald Gartlehner.

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In die Erweiterung einer einschlägigen Überblicksstudie vom April nahmen die Forscher 22 neue Untersuchungen zu Quarantänemaßnahmen auf. Die meisten davon waren mathematische Modellierungen, wenige sind Beobachtungsstudien. Die Modellierungen kommen zu der Schätzungen, dass durch Quarantäne von Personen mit vorangegangenen Kontakten mit Infizierten oder Verdachtsfällen zwischen 44 bis 96 Prozent der Infektionen sowie 31 bis 76 Prozent der Todesfälle vermieden werden können.

Trotzdem habe die momentane Datenlage "nicht die Aussagekraft, die wir uns wünschen würden", so die Leiterin des Zentrums Cochrane Österreich und Erstautorin dieser Arbeit, Barbara Nussbaumer-Streit. Zusammengenommen würden die Ergebnisse "konsistent auf einen günstigen Effekt von Quarantäne, vor allem im Verbund mit anderen Maßnahmen," hinweisen. Nicht gesichert sagen können man jedoch, "welche Kombination von Maßnahmen die beste Wirkung erzielt", so die Wissenschafterin. (APA)


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