Expertenrat-Mitglieder fordern gratis Corona-Tests durch Hausärzte

Angesichts langer Wartezeiten bei der Hotline 1450 fordern Mitglieder des Expertenrats des Gesundheitsministers, dass es auch Hausärzten erlaubt sein sollte, gratis Corona-Tests anzubieten. Ärztekammer und Ministerium stehen dem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber.

Symbolfoto.
© Oliver Berg

Wien – Bei der Hotline 1450 dauert es mitunter zwei bis drei Tage, bis ein Corona-Test bei einem Verdachtsfall durchgeführt wird. Angesichts dieser langen Wartezeit forderten Mitglieder des Expertenrats des Gesundheitsministers im "Ö1 Morgenjournal", dass es auch Hausärzten erlaubt sein sollte, gratis Corona-Tests anzubieten. Ärztekammer und Ministerium stehen dem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber.

Um festzustellen, ob jemand Covid-19 oder etwa einen grippalen Infekt hat, muss es möglich sein, "dass Hausärzte Corona-Abstriche selbst machen oder vermitteln", sagte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Mitglied des Expertenrats des Gesundheitsministers. "Das ist ein Mittel, das wir unbedingt brauchen. Man kann nicht ein Fieberkind zwei Tage lang zu Hause konservieren und sagen, na ja, warten wir einmal auf einen Test. Gilt genauso für Erwachsene", so Rabady gegenüber "Ö1". Im Normalfall wisse man innerhalb von 24 Stunden Bescheid.

📽️ Video | Gratis-Coronatests beim Hausarzt gefordert

Rabady bietet diese Tests im Rahmen eines Forschungsprojektes in ihrer Praxis schon an – dies wäre aber auch in Hunderten Hausarztpraxen aufgrund der seit Jahrzehnten eingespielten Kontakte zu Labors möglich. Weitere Ansteckungen könnten durch eigene Warteräume, extra Ordinationszeiten für Verdachtsfälle sowie Mund-Nasen-Schutz bei den Untersuchungen von Verdachtsfällen verhindert werden.

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Durch die Unterstützung der Hausärzte könnte man vor allem in Großstädten wie Wien Druck aus der angespannten Corona-Situation herausnehmen. Die öffentliche Schiene, also 1450, könnte sich Rabady zufolge dann auf Contact-Tracing und Screening konzentrieren.

Besuch in der Ordination nur nach Anmeldung

Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, stand dem Vorschlag im Gespräch mit der APA "grundsätzlich positiv gegenüber". "Man muss nur darauf achten, dass das Personal und andere Patienten nicht in die Gefahr einer Ansteckung gebracht werden", so Szekeres. Patienten dürften etwa auf keinen Fall unangemeldet eine Ordination aufsuchen. Ob ein Arzt Corona-Tests durchführen will, liegt aber letztlich in dessen Ermessen. "Wir können niemanden dazu zwingen", sagte der Präsident.

Auch aus dem Gesundheitsministerium heißt es laut "Morgenjournal", dass man den Vorschlag unterstütze. Es gebe Gespräche mit der Gesundheitskasse ÖGK, die Kosten solle der Bund übernehmen. Die beschlossene Aufstockung der Mittel für Schutzausrüstung sei eine Voraussetzung. (APA)


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