Pfons, Matrei, Mühlbachl: Wipptaler stimmten für Gemeindefusion

In allen drei betroffenen Gemeinden stimmten die Bürger mehrheitlich für die Zusammenlegung von Matrei, Mühlbachl und Pfons. Die Wipptaler könnten ein Vorbild für andere Fusionskandidaten in Tirol sein.

Die drei Gemeinden Matrei, Mühlbachl, Pfons sollen Ende 2021 zusammengelegt werden.
© TVB Wipptal

Von Denise Daum

Matrei – Sie strahlten um die Wette, die drei Bürgermeister Paul Hauser (Matrei am Brenner), Alfons Rastner (Mühlbachl) und Alexander Woertz (Pfons). Zur Freude über die Zustimmung der Bevölkerung zur Gemeindefusion kam die Erleichterung. „Die Anspannung von zwei Jahren fällt heute ab“, sagten die drei unisono am Sonntagnachmittag bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der Volksbefragung.

Seit jeher sind die drei Wipptaler Gemeinden eng miteinander verbunden und gelten in Tirol als Musterbeispiel für Gemeindekooperation. Seit zwei Jahren bereiten sie die Fusion vor. Wobei stets betont wurde, diese Entscheidung nicht über die Köpfe der Bürger hinweg treffen zu wollen.

Bei der gestrigen Volksbefragung zeigte sich dann, dass die Bevölkerung hinter diesem Vorhaben steht. Wobei die Zustimmung unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Besonders eindeutig ist das Ergebnis in Matrei: 95,79 Prozent stimmten hier für die Fusion, die Wahlbeteiligung lag bei 53,77 Prozent. In Mühlbachl sagten 77,17 Prozent Ja, bei einer verhältnismäßig schwachen Wahlbeteiligung von 47,73 Prozent. In Pfons votierten 60,92 Prozent für die Fusion, immerhin 62 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Die drei Bürgermeister verkündeten das Ergebnis gemeinsam.
© Daum

Für Mühlbachls Bürgermeister Alfons Rastner ist das Ergebnis die Bestätigung, „dass wir am richtigen Weg sind“. Er geht davon aus, dass die drei Wipptaler Gemeinden nun von vielen beobachtet werden und Vorbildwirkung haben. „Ich bin der Meinung, dass Fusionen in mehreren Tiroler Gemeinden sinnvoll sind. Wir zeigen, wie es geht“, so Rastner.

Matreis Bürgermeister Paul Hauser hat schon im Vorfeld mit einem klaren Ja aus seiner Gemeinde gerechnet. „Die Matreier sehen das pragmatisch. Sie sagen, wir gehören ja ohnehin schon alle zusammen.“

Die Ergebnisse im Detail

Pfons

JA: 385 Stimmen, 60,92 Prozent

NEIN: 247 Stimmen, 39,08 Prozent

Wahlbeteiligung: 62 Prozent

Mühlbachl

JA: 436 Stimmen, 77,17 Prozent

NEIN: 129 Stimmen, 22,83 Prozent

Wahlbeteiligung: 47,73 Prozent

Matrei am Brenner

JA: 387 Stimmen, 95,79 Prozent

NEIN: 17 Stimmen, 4,21 Prozent

Wahlbeteiligung: 53,77 Prozent

In Pfons war die Wahlbeteiligung am höchsten, dafür die Zustimmung mit knapp 61 Prozent am niedrigsten. „Die große Herausforderung ist nun, alle einzubinden und mitzunehmen – auch die Kritiker“, sagt der Pfoner Bürgermeister Alexander Woertz. Auch er stand der Fusion zunächst kritisch gegenüber. „Ich habe mich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und kann nun aus voller Überzeugung sagen, dass eine Zusammenlegung ein sinnvoller Schritt ist“, so Woertz.

Ein Schritt, den das Land Tirol selbstredend unterstützt – auch finanziell. 1,2 Millionen Euro wurden den drei Gemeinden für die Fusion vom Land Tirol in Aussicht gestellt. „Wobei wir da vielleicht noch mal nachverhandeln sollten, angesichts der breiten Zustimmung in der Bevölkerung“, sagt Woertz.

Der für Gemeinden zuständige Landesrat Johannes Tratter (ÖVP) schmunzelt ob dieser Aussage. Er bleibt diplomatisch und verspricht jedenfalls, das Vorhaben sehr gut begleiten zu wollen. „Ideell als auch finanziell. Mit 1,2 Millionen Euro können die Gemeinden mindestens rechnen“, sagt Tratter. Im Fall auch mit mehr, immerhin ist davon auszugehen, dass es sich bei dieser Fusion um ein „Referenzprojekt“ für andere Tiroler Gemeinden handelt.

Doch zunächst sind die Gemeinderäte am Zug – sie müssen die Fusion formal beschließen. Das soll noch im Herbst passieren. Vollzogen wird die Zusammenlegung dann zum Jahreswechsel 2021/22. Alle drei Gemeinden werden aufgelöst. Für die Übergangszeit bis zur Gemeinderatswahl im Februar 2022 wird für die neue Gemeinde, die voraussichtlich Matrei am Brenner heißt, ein Verwalter eingesetzt.

LH Günther Platter betont einmal mehr, „dass wir gegen Zwangsfusionen sind, sondern auf Kooperation und Freiwilligkeit setzen. Wenn ein solches Vorhaben Erfolg haben soll, dann muss es von den Menschen mitgetragen werden.“ Das Ergebnis der Volksbefragung sei der Erfolg der drei Bürgermeister und ihrer offenen Informationspolitik, so Platter.

Das Ergebnis wurde im Gemeindehaus in Pfons von allen drei Bürgermeistern gemeinsam verkündet. Demnach sprach sich in allen drei Gemeinden eine Mehrheit für die Gemeindefusion aus – wenn das Ergebnis auch unterschiedlich deutlich ausfiel. So stimmten in Matrei am Brenner 95,79% für die Zusammenlegung, in Pfons hingegen nur 60,92 Prozent.


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