Erstaunlicher Slowene Pogacar jüngster Tour-Sieger der modernen Ära

Die Stärke des ab morgen 22-jährigen Slowenen bei der verspätet ausgetragenen Corona-Edition der Frankreich-Rundfahrt sorgte für Erstaunen, aber auch einige Zweifel.

Tadej Pogacar übernahm am vorletzten Tag der Tour das Gelbe Trikot und trug es mit einem Lächeln nach Paris.
© KENZO TRIBOUILLARD

Paris - Tadej Pogacar geht als jüngster Sieger der modernen Radsport-Ära in die Annalen der Tour de France ein. Die Stärke des ab Montag 22-jährigen Slowenen bei der verspätet ausgetragenen Corona-Edition der Frankreich-Rundfahrt sorgte für Erstaunen, aber auch einige Zweifel. Schließlich wurden bereits viele ursprüngliche Helden der Tour früher oder später als Dopingsünder entlarvt.

Bisher hat sich jedoch weder Pogacar, noch sein von ihm am vorletzten Tag mit einer Machtdemonstration im Bergzeitfahren noch vom Thron gestürzter Landsmann Primoz Roglic diesbezüglich etwas zuschulden kommen lassen. Dass Pogacar, der im dominanten Jumbo-Team von mehreren herausragenden Edelhelfern unterstützte Roglic und andere im Lauf der Tour zahlreiche Aufstiegsrekorde unterboten, sollte aber zumindest kritische Fragen an mancher Sonderleistung aufwerfen. So rieben sich in den vergangenen drei Wochen nicht nur Kommentatoren öfters ungläubig die Augen, selbst gestandene Tourprofis staunten über das enorme Tempo mancher Konkurrenten.

Seine Leistungen seien ausschließlich "das Ergebnis harter Arbeit", betonte Pogacar und Roglic ergänzte auf das Doping-Thema angesprochen: "Von meiner Seite aus könnt ihr mir vertrauen. Ich habe nichts zu verstecken."

Die jüngsten Sieger der Tour de France

Der Slowene Tadej Pogacar ist mit 21 Jahren und 365 Tagen der zweitjüngste Sieger der Tour de France. Vor ihm war in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Frankreich-Rundfahrt nur der Franzose Henri Cornet bei der zweiten Auflage im Jahr 1904 noch jünger. Allerdings bekam Cornet erst nach der Disqualifikation der besten vier Fahrer wegen diverser Betrügereien nachträglich den Sieg zugesprochen.

Die jüngsten Sieger der Tour de France:

  • 19 Jahre, 355 Tage: Henri Cornet (Frankreich 1904)
  • 21 Jahre, 365 Tage: Tadej Pogacar (Slowenien 2020)
  • 22 Jahre, 187 Tage: Francois Faber (Luxemburg 1909)
  • 22 Jahre, 196 Tage: Egan Bernal (Kolumbien 2019)
  • 22 Jahre, 280 Tage: Octave Lapize (Frankreich 1910)
  • 22 Jahre, 288 Tage: Felice Gimondi (Italien 1965)
  • 22 Jahre, 291 Tage: Philippe Thys (Belgien 1913)
  • 22 Jahre, 346 Tage: Laurent Fignon (Frankreich 1983)
  • 22 Jahre, 352 Tage: Romain Maes (Belgien 1935)

Teile ihres mit ehemaligen oder derzeitigen Betreuern besetzten Umfelds sind durchaus fragwürdig. In Pogacars Emirates-Rennstall sind beispielsweise mit Mauro Gianetti und Matxin Joxean Fernandez zwei einschlägig Vorbelastete als Teamchefs tätig. Damit ist das Team aber nicht alleine, auch in anderen haben nach wie vor überführte oder zumindest an Dopingfällen beteiligte Ex-Profis oder Manager das Sagen.

Im Bezug auf Pogacar könnte das vom nachträglich überführten Langzeit-Tourdominator Lance Armstrong ausgesprochene Sonderlob für dessen Vorstellung im Zeitfahren am Samstag als Warnung dienen. "Das war eine der besten Leistungen, die wir je im Radsport gesehen haben. Absolut unglaublicher Sieg von Pogacar", schrieb Armstrong auf Twitter.

Dem interessierten Beobachter bleibt ohnehin einmal mehr nur die Hoffnung, dass im gesamten Tourfeld sozusagen ausnahmsweise alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Fest steht vorerst aber nur, dass Pogacar in der Endabrechnung der Stärkste war. Nach drei Etappensiegen - wie bei der Vuelta 2019 - sicherte er sich als erster Fahrer der 107-jährigen Tourgeschichte gleichzeitig das Gelbe Trikot des Gesamtbesten, das Bergtrikot und das Weiße des stärksten Jungprofis.

Schlussetappe stellte Sieg nicht mehr infrage

Der Slowene Tadej Pogacar hat am Sonntag zum ersten Mal die Tour de France gewonnen. Die Führung des Rad-Profis vom Team UAE wurde auf der Schlussetappe auf die Pariser Champs-Elysees traditionell nicht mehr infrage gestellt. Der noch bis Montag 21-Jährige siegte als Debütant vor seinem Landsmann Primoz Roglic und ist der jüngste Tour-de-France-Sieger seit dem Franzosen Henri Cornet im Jahr 1904.

Der Sieg auf der letzten Etappe ging an den Iren Sam Bennett. Dritter in der Gesamtwertung wurde der Australier Richie Porte.

Radstars verneigten sich vor Pogacar: "Geburt eines großen Champions"

Für den Tour-De-France-Sieger Tadej Pogacar hat es großes Lob von Radsport-Legenden gegeben. "Ich habe vor dem Fernseher geschrien, so wie ich 1989 auf den Champs Elysses bei meinem Sieg geschrien habe. Das ist die Geburt eines großen, großen Champions", sagte der US-Amerikaner Greg Lemond dem französischen Tour-Organ "L'Equipe".

Auch der fünffache Champion Eddy Merckx äußerte sich. "Ich wusste schon nach der Vuelta, dass er ein Großer ist. So eine Nummer macht man nicht, wenn man kein Talent hat", sagte der Belgier. Lance Armstrong, inzwischen in Radsport-Kreisen geächtet und wegen seiner Doping-Vergangenheit lebenslang gesperrt, sprach von einer "Leistung für die Ewigkeit". Vielleicht sei es die Beste jemals gewesen.


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