Bundesheer kauft 18 Hubschrauber des italienischen Herstellers Leonardo

Das Bundesheer kauft um rund 300 Millionen Euro 18 AW169M des italienischen Herstellers Leonardo. Die ersten Helikopter sollen Mitte 2022 in Österreich landen. Sie sollen vom Personen- und Materialtransport bis zu Löscharbeiten dienen.

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde die Entscheidung für die neuen Bundesheer-Hubschrauber bekannt gegeben. Es handelt sich dabei um das Modell AW169M des italienischen Herstellers Leonardo.
© APA/ITALIENISCHES VERTEIDIGUNGSMINISTERIUM

Von Wolfgang Sablatnig

Wien – In zwei Jahren soll es so weit sein: Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) erwartet Mitte 2022 die Landung des ersten AW169M-Hubschraubers für das Bundesheer. Zwei Jahre später sollen alle 18 Stück geliefert sein. Ende 2026 soll die volle Einsatzfähigkeit erreicht sein.

Die Ministerin verkündete gestern offiziell den 300 Millionen Euro schweren Zuschlag für den italienischen Leonardo-Konzern. Sie setzt damit einen vorläufigen Schlussstrich unter das Projekt „Leichter Mehrzweckhubschrauber“, das seit ihrem freiheitlichen Vorvorgänger Mario Kunasek lief.

📽️ Video | Heer kauft neue Hubschrauber

Zur Auswahl standen am Ende drei Maschinen, neben dem AW169M der amerikanische Bell 429 und der H-145M des Airbus-Konzerns. Der Generalstab hatte sich bereits Ende Mai auf den italienischen Hubschrauber festgelegt. Seither wurden alle Optionen noch einmal geprüft, heißt es in Tanners Ministerium. Bell und Airbus nutzten die Zeit auch, um noch einmal für ihre Produkte zu werben. Das wichtigste Argument der Konkurrenz: Der AW169M sei größer, als es die Planungen vorgesehen haben. Er sei damit auch teurer.

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Tatsächlich ist der AW169M größer als die 50 Jahre alten Alouette III, die er ersetzen soll. Wie bei der Alouette III wird das Gros in Aigen im steirischen Ennstal stationiert. Sechs Stück kommen als Schulmaschinen nach Langenlebarn (Niederösterreich). Tanner betonte außerdem, dass auch Stützpunkte in Tirol, Vorarlberg und Kärnten genutzt werden sollen. Neben militärischen Aufgaben sollen die neuen Helikopter auch für Hilfs- und Berge­flüge eingesetzt werden.

Es ist kein Zufall, dass der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) gestern sehr schnell damit war, Tanners Entscheidung zu begrüßen. Dem Vernehmen nach stand der Hubschrauber-Deal im Sommer aus budgetären Gründen auf der Kippe. Es sei Schützenhöfer gewesen, der dies nicht hinnehmen wollte. Tanner nannte Schützenhöfer, der „seinen“ Heli-Stützpunkt rettete, gestern den „politischen Vater dieses Erfolgs“.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) unterstrich die Bedeutung der Heeres-Helikopter für den Katastrophenschutz. So könn­e der AW169M dreimal so viel Löschwasser transportieren wie die Alouette.

Das Modell AW169M des italienischen Herstellers Leonardo kann auch bewaffnet werden. Der Heli ist auch bei Nacht und schlechten Witterungsbedingungen flugtauglich.
© APA/Italienisches Verteidigungsministerium

Vertragspartner des Bundesheeres wird im Rahmen eines „Government to Government“-Geschäfts die italienische Regierung. Geplant ist, mit der italienischen Armee bei der Ausbildung der Piloten und der Wartung der Maschinen zu kooperieren.

Die Alouette III sollen 2023 abgestellt werden. Mit dem aktuellen Angebot würde es das Heer schaffen, einen fließenden Übergang zum AW169M sicherzustellen. Beim H-145M wäre dies nicht gewährleistet gewesen, hieß es gestern. Und beim Bell 429, der bei der US-Armee nicht genutzt wird, wäre keine militärische Zusammenarbeit bei Ausbildung und Logistik möglich gewesen.

Leonardo AW169M, technische Daten.
© APA

Die Opposition begrüßt, dass der Zuschlag erfolgt ist. SPÖ und NEOS fordern aber Aufklärung über die Gründe für den Zuschlag an das größt­e und teuerste Produkt.

Der AW169M kann auch bewaffnet werden und ist auch bei Nacht und schlechten Witterungsbedingungen flugtauglich. Außerdem sei das Modell speziell für Einsätze ibeschafft werden, zudem sah man keine Kooperationsmöglichkeit bei der Logistik.

📽️ Video | Pressekonferenz "Entscheidung über die Bundesheer-Hubschrauber"


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