Welche Regeln gelten jetzt für den Sport? Begeisterung groß, Unsicherheit auch

Der Tiroler Sport-Herbst steht bevor, in die Vorfreude mischt sich die Unsicherheit der knapp 2000 Vereine. Die Umsetzung der jüngsten Maßnahmenverschärfung wirft Fragen auf, Licht muss ins Verordnungsdunkel.

Laufen mit Maske – so weit reicht das Maßnahmenpaket für den Sport dann doch nicht.
© imago

Von Florian Madl

Innsbruck – „Licht im Verordnungsdunkel“ forderte zuletzt Sport-Austria-Präsident Hans Niessl. Und tatsächlich tun sich viele Amateursportvereine mit der Umsetzung der Corona-Maßnahmen schwer, weil ihnen der Regierungstext zu viele Fragen aufwirft. Einigen davon ging die TT auf den Grund:

1️⃣ Ist Sportler gleich Sportler? Nein, wenn es um den Status geht. Für Leistungssportler/Profis gelten situationsbedingt andere Bestimmungen, etwa was verpflichtende Tests oder die Zugänglichkeit der Sportstätten (rote Zone) anbelangt.

2️⃣ Ist Sport gleich Sport? Ja. Seit 1. Juli dürfen alle Sportarten indoor wie outdoor ausgeübt werden. Wenn es „bei sportartspezifischer Ausübung zu Körperkontakt kommt“ (Mannschafts- und Kampfsportart), gelten Präventionsmaßnahmen.

3️⃣ Wo finden sich neueste Informationen? Grundsätzlich auf der Website des jeweiligen (Landes-)Fachverbands, allerdings auch auf der des Sportministeriums (www.bmkoes.gv.at). Eine zuletzt verstärkte Hotline versucht allfällige Fragen zu klären.

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4️⃣ Gibt es Einschränkungen im privat ausgeübten Mannschaftssport? Grundsätzlich nicht.

5️⃣ Gilt der Sport als Gefahrenherd in Sachen Infektion? Auf Nachfrage beim Sportministerium ergab sich durch Wettkampf- oder Trainingsbetrieb an sich noch keine Clusterbildung. Allerdings bleiben Fahrgemeinschaften und größere Zusammentreffen im Anschluss an den Sport bedenklich.

Kommentar: Einfach an die Regeln halten

Von Florian Madl

Die Sorge der Vereinsverantwortlichen ist groß, was die Fortsetzung ihres Sportbetriebs anbelangt. Der Wunsch nach körperlicher Betätigung im Gruppenverbund, die Ertüchtigung und die damit verbundene Stabilisierung des Immunsystems hängen jedoch maßgeblich an der Entwicklung der Infektions­zahlen. Als magische Grenze gilt österreichweit hinter vorgehaltener Hand die Marke von 1000 Neuinfektionen/Tag – ab dann könnte es für die Vereine eng werden.

Für die Aufrechterhaltung des Betriebs spricht, dass in der Sportausübung bislang kein Cluster festgestellt werden konnte. Das liegt nicht zuletzt an den Präventionskonzepten, die von Fußballern, Turnern, Schwimmern, Tennisspielern und anderen Branchenkollegen im Gegensatz zur Nachtclub-Szene eingehalten werden. Vielerorts werden dort Maßnahmen im Sinne des Wochenend-Vergnügens mit Füßen getreten. Genau das darf im Sport, dem Kitt der Gesellschaft, dem Motor des sozialen Zusammenlebens, nicht passieren. Viele Rezepte liegen auf der Hand: Fahrgemeinschaften etwa sind tunlichst zu vermeiden, wenn der nötige Platz fehlt. Und die vielzitierte dritte Halbzeit, das ungezwungene Beisammensein nach Training oder Wettkampf, kann nur unter vernünftigen Voraussetzungen stattfinden.

Der Trainings- oder Wettkampfbetrieb wechselt bald jahreszeitenbedingt in die Halle, die beengte Infrastruktur zwingt zu einem engen organisatorischen Konzept. Wenn sich die Sportvereine wie bisher ihrer Verantwortung bewusst sind, tragen sie damit auch weiterhin zum Aufrechterhalten des Betriebs bei. Eine Garantie für die Fortsetzung gibt es nicht, zu viele Einflussfaktoren spielen da mit. Aber zumindest einen Versuch ist es wert, sich einen Lockdown wie jenen im Frühjahr zu ersparen.

6️⃣ Wie sieht es mit dem Kantinenbetrieb aus? Eine Frage, die nicht zuletzt Josef Geisler, Jurist und Präsident des Tiroler Fußballverbands, beschäftigte: „Mir fehlt die Definition für eine Besuchergruppe.“ Der Zillertaler verweist auf die ausgegebene Höchstzahl von zehn Personen – pro Gruppe. Darf jetzt also nur EINE Gruppe die Kantine säumen? Geislers Interpretation: „Wenn die Kantine groß genug ist und die Abstandsregel eingehalten werden kann, sollten auch mehr möglich sein.“

7️⃣ Wer ist für Zuschauerkonzepte zuständig? Als „örtlich zuständige Behörde“ gilt nach Meinung von TFV-Präsident Josef Geisler das Gesundheitsamt der Bezirkshauptmannschaft.

8️⃣ Wie lange müssen Teilnehmerlisten aufgehoben werden? Bis 28 Tage nach der Veranstaltung.

9️⃣ Wie viele Personen dürfen sich in einer Trainingsgruppe befinden? Indoor sind das maximal 10 Personen, outdoor 100. In einer Sportstätte können aber auch mehrere Gruppen parallel trainieren, wenn eine Durchmischung ausgeschlossen werden kann.

🔟 Wie sieht es bei Massenveranstaltungen wie demnächst dem Innsbrucker Stadtlauf (27. 9.) aus? Die Konzepte sind individuell von der Behörde abzusegnen. Im konkreten Fall funktioniert der Ablauf (Startnummernausgabe, Bewerb, Siegerehrung) über eine zeitliche Staffelung, in deren Rahmen sich die einzelnen Blöcke (maximal 200 Personen) nicht treffen. Weitere Maßnahmen: Mund-Nasen-­Schutz im Start-Ziel-Bereich, die Verpflegungsstation dürfe­n gleichzeitig maximal zehn Personen frequentieren, Obst wird in Bechern verabreicht.

1️⃣1️⃣ Wie sieht es mit Verbandswahlen aus? Die Generalversammlung des Tiroler Tennisverbands (zweigeteilt im Oktober/November) wird laut Präsident Walter Seidenbusch wohl abgesagt. Ein Fragezeichen: Wie wählen die 126 Vereine ihren Vorstand? Zwei Szenarien: Die Wahl könnte aufs Frühjahr verschoben oder online durchgeführt werden.

🚫 Regeln für Amateur- und Nachwuchssportler

  • Fußball: Im Unterhaus liegt Tirol mit der Zahl Corona-bedingt abgesagter Spiele im Österreich-Schnitt (bis 10 Prozent). Von 130 Begegnungen entfielen am vergangenen Wochenende 14 Partien. Das Training von Nachwuchs- und Kampfmannschaften findet im Rahmen der Hygiene-Maßnahmen statt. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt jeweils das Treffen danach.
  • 🎾 Tennis: Was den Freiluft-Betrieb anbelangt, ändert sich vorerst nichts. Für die Halle tun sich für TTV-Präsident Walter Seidenbusch allerdings Fragezeichen auf (Duschbetrieb, Gastro). Das gilt nicht zuletzt für Turniere: „Nur mit zehn Personen in der Halle werden diese nicht machbar sein.“ Man werde wohl die eine oder andere Veranstaltung absagen müssen.
  • 🤾‍♀️ Handball: Bis dato trainierte man mit gewohnter Kadergröße, aber ohne Durchmischung der Trainingsgruppen. Maskenpflicht beim Betreten der Halle, Aufzeichnung der Anwesenheit von Spielern und Betreuern bleiben Voraussetzung. Derzeit werden in Tirol Nachwuchs-Entscheidungen nachgeholt – eine Herausforderung: die U16-ÖM in Tirol am Wochenende.
  • 🏃‍♂️🏃‍♀️ Leichtathletik: Laut Tirols Verbandspräsident Reinhard Kessler sollen die Trainingsgruppen nicht zu groß werden. Noch findet alles im Freien statt, die Platzproblematik stellt sich erst in der Halle. Eine Sitzung soll heute Klarheit für die Indoor-Leichtathletik schaffen, Kessler denkt bereits voraus: „Wir müssen einen Stundenplan einführen, um die Sportler in der Halle auseinanderzuhalten.“
  • 🏊‍♂️ Schwimmen: Der Tiroler Stefan Opatril, Vizepräsident des Österreichischen Schwimmverbands, weiß trotz Verschärfung der Maßnahmen von keiner weiteren Einschränkung. Regionale Veranstaltungen wie das Alpenmeeting im Oktober, Groß-Events wie die Österreichische Hallenmeisterschaft in Graz sind streng reglementiert.
  • 🤸‍♀️ Turnen: Trainer sichern mit Masken, Gruppen überschreiten niemals die Maximalgröße (10 Personen), zugewiesene Plätze in der Kabine, Eltern dürfen die Hallen nicht betreten, eine Durchmischung soll allgemein verhindert werden. Auch der Wettkampfbetrieb soll in Tirol laut Landesfachwartin Hanna Grosch weiter stattfinden – allerdings ohne auswärtige Beteiligung.
  • 🧗‍♂️ Klettern: Die Österreichische Meisterschaft stellt eine besondere Herausforderung dar. Doppelte Bestuhlung, nur 50 Sportler im Innenbereich, dabei Damen/Herren stets getrennt – das sind nur einige Maßnahmen. Bereits bei Trainingslagern schränkte man sich ein: nur sechs Leute im Bus, Einheiten nur in Kleingruppen (gilt auch für den Nachwuchs).
  • 🥋 Judo: Im kürzlich vorgelegten Konzept wurden ergänzend zu Maßnahmen wie Registrierung Rahmenbedingungen formuliert: Nachwuchs-Training und Anfänger-Kurse sind auch möglich, allerdings sind Kleingruppen erforderlich und Trainingszeiten müssen gekürzt werden. Es sollte inner­halb der Trainingsgruppe mit fixen Partnern trainiert werden.

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