Innsbrucker Kammerfunktionär Ischia tritt nach rassistischem Posting zurück

Karl Ischia, Innsbrucker Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer, tritt mit sofortiger Wirkung von all seinen Funktionen zurück. Ischia war ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, nachdem er gestern auf Facebook ein Posting zu den verschärften Sperrstunden-Regelungen verfasst hatte.

Karl Ischia tritt von seinen Funktionen in der Wirtschaftskammer zurück.
© Thomas Böhm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – „Statt die Somalier-, Türken-, Jugo- und Hipsterclubs, wo die Infektionen nach Mitternacht stattgefunden haben, rasch zuzusperren, werden jetzt Hotels, Res­taurants und Bars mit allen erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen, wo sämtliche Mitarbeiter wöchentlich geteste­t werden, um 22 Uhr zugesperrt. Das ist einfach ungerecht und undifferenziert. Das versteht niemand mehr.“ Das sind die Worte von Karl Ischi­a. Geschrieben am Dienstag auf der Social-Media-Plattform Facebook. Da war Ischi­a noch Bezirks­obmann der Wirtschaftskammer für die Landeshauptstadt. Keine 24 Stunden später war Ischia seine Funktion los. Und nicht nur die. Ischia legte auch seine Kammerfunktion als Ausschussmitglied der Fachgruppe Hotellerie sowie den Aufsichtsratsvorsitz in der Innsbruck Marketing GmbH, also dem Stadtmarketing, mit sofortiger Wirkung zurück. Für diese Funktion hat die Kammer das ­Entsenderecht.

Das Posting hatte über Nacht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Als „rassistisch und letztklassig“ bezeichnete es SP-Stadtparteichef Benjamin Plach. „Rassismus ist keine Visitenkarte für ein Bundesland, das so sehr vom Tourismus abhängig ist“, kommentierte Grünen-Nationalrätin Barbara Neßler. Die Innsbrucker Grünen, die immerhin den Bürgermeister stellen, forderten Ischias Rücktritt.

Dem war gestern Vormittag zunächst eine bloße Entschuldigung Ischias vorausgegangen. Via Facebook. Das Posting habe er gelöscht, weil es „offenbar falsch verstanden, falsch interpretiert und benützt wird“. Dann kam es in der Kammer aber zum Krisengipfel – mit Präsident Christoph Walser. Danach verschickte die Kammer die Meldung von Ischias ­Rücktritt.

Obwohl bei vielen aufgrund der Krise „die Nerven blank liegen“ würden, dürfe ein derartiger Ausspruch nicht passieren, sah Walser den Rücktritt Ischias als „alternativlos“: „Wir müssen ein Si­gnal setzen, dass das nicht die Meinung in der Wirtschaftskammer abbildet.“

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Ischia selbst, der für die TT gestern nicht zu sprechen war, ist auch Mitglied des Wirtschaftsbundes. Ein „einfaches“, wie WB-Chef Franz Hörl anmerkt. Ischias Sager sei wohl der Emotion geschuldet und unbedacht gewesen. Handlungsbedarf im WB sieht Hörl nicht: „Ich sehe keinen Grund, wieso Ischia nicht weiter Mitglied sein soll.“


Kommentieren


Schlagworte