Corona-Krise kostet Palmers Millionen: „Wir kämpfen uns zurück"

Die Firma hatte sich nach verlustreichen Jahren gerade erst wieder gefangen, da verordnete der Staat im März den Lockdown. 12 Millionen Euro Umsatz habe Palmers in den Schließwochen verloren, sagt Palmers-Chef Tino Wieser.

Palmers verfügt über etwa 300 Filialen in mehreren Ländern, 240 davon hierzulande.
© ROLAND SCHLAGER

Wien – Die Wäschefirma Palmers hatte sich nach verlustreichen Jahren gerade erst wieder gefangen, da verordnete der Staat im März den Corona-Lockdown. 12 Mio. Euro Umsatz habe Palmers in den Schließwochen verloren. „Seither kämpfen wir uns zurück", sagte Palmers-Chef Tino Wieser Mittwochabend bei einem Pressegespräch. Über den Sommer hätten die Umsätze kräftig angezogen, doch seit die Coronafälle wieder stiegen und erneut eine Maskenpflicht gelte, würden sie wieder einbrechen.

Palmers-Cehf Tino Wieser.
© Lukas Lorenz

„Die Menschen sind verunsichert", sagte Wieser. Ein zweiter Lockdown hätte fatale Auswirkungen, da der Umsatzanteil im Herbst und Winter für Palmers höher sei als im Frühling und Sommer. Für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 rechnet der Palmers-Chef mit einem Umsatz von 75 Mio. Euro, nach 85 Mio. Euro im Jahr davor. Gewinne wird Palmers auch heuer nicht schreiben, im Jahr 2019/20 erzielte die Wäschefirma zwar auf EBITDA-Basis ein positives Ergebnis von 2,9 Mio. Euro, unter dem Strich aber einen Nettoverlust von 2 Mio. Euro.

Neue Kundengruppen durch Masken, Home-Produkten und Co

Doch trotz Corona-Krise expandiert Palmers, erschließt mit Home-Produkten und der Wiederbelebung der Wäschemarke p2 neue Kundengruppen und hat im Mai in Kooperation mit dem Faserkonzern Lenzing überraschend eine Firma zur Produktion von Schutzmasken in Österreich aus dem Boden gestampft. „Wir haben das innerhalb von vier Wochen aufgestellt", erzählte Wieser heute. Seither werden in Wiener Neudorf bis zu 15 Millionen Masken pro Monat produziert. Derzeit sei man ausverkauft und habe kein Stück auf Lager, sagte Wieser. Bei Kindermasken sei die Firma bis Mitte Oktober ausverkauft.

Abnehmer der Masken seien große Handelsfirmen – von Rewe und Spar über Hofer bis Pagro, aber auch Kliniken in Graz, Salzburg und Wien. Im August hatte Wieser die Regierung dafür kritisiert, bis dato keinen öffentlichen Auftrag für eine Maskenlieferung bekommen zu haben. Heute zeigte er sich auf Nachfrage zurückhaltender, wenngleich er einräumte, sich mehr Anerkennung erwartet zu haben.

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Das Masken-Joint-Venture mit Lenzing soll Palmers einen Jahresumsatz von 6 bis 7,5 Mio. Euro bringen. Eine zusätzliche Einnahmequelle ist mit Palmers-Home erschlossen worden. Erst vor wenigen Tagen eröffnete in den neuen Pado Shopping Galerien in Parndorf die erste Palmers-Home-Filiale, in der Heimtextilien wie Bettwäsche oder Decken und Wohnaccessoires verkauft werden. Am 1. Oktober folgt in Linz ein Flagship-Store mit der Linie Home. Palmers fügt sich damit in eine Reihe anderer Handelsfirmen wie H&M und Zara, die ebenfalls auf eigene Einrichtungssparten setzen und damit neue Kundengruppen erschließen wollen.

Ursprünglich wollte Palmers heuer bereits über fünf Home-Filialen verfügen, doch dann seien die Corona-Pandemie und der Lockdown gekommen, räumte Wieser ein. Geschlossene Fabriken machten es unmöglich, an Ware zu kommen. Nun erwartet der Palmers-Chef das Erreichen der fünf Home-Standorte bis Frühjahr oder Sommer 2021. Doch auch abgesehen von Home will Palmers in Österreich weiter wachsen und eröffnet neue Filialen, etwa in Innsbruck und Salzburg. Auf Eis liegen derzeit Expansionspläne im Ausland. Der deutsche Markt leide noch mehr, sagte Wieser.

Online-Geschäft im Fokus

Im Fokus liege das Online-Geschäft, hier will sich die Firma stärker aufstellen. Bei Palmers habe sich der Online-Umsatz heuer verdreifacht und soll künftig einen Anteil am Gesamtumsatz von 10 Prozent ausmachen. „Corona zwingt auch zu digitalisieren", so Wieser.

Palmers verfügt über rund 300 Filialen in mehreren Ländern, 240 davon in Österreich. Hierzulande beschäftigt das Unternehmen 587 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente). Zu Beginn der Corona-Krise waren sie in Kurzarbeit, inzwischen würden aber wieder alle voll arbeiten und keine einzige Mitarbeiterin sei abgebaut worden, betonte der Konzernchef. (APA)


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