Zwei konservative Frauen gelten als Favoritinnen für Supreme Court

Donald Trump will am Samstag verkünden, wer die verstorbene Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg beerben soll. Er favorisiert zwei konservative Richterinnen.

Barbara Lagoa könnte erste Juristin mit kubanischen Wurzeln und als erst zweite Hispanoamerikanerin Verfassungsrichterin werden.
© JOE RAEDLE / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP

Washington – US-Präsident Donald Trump will am Samstag verkünden, wer die verstorbene Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg beerben soll. Zwei konservative Richterinnen haben die besten Chancen: Amy Coney Barrett und Barbara Lagoa. Die Juristinnen im Porträt:

Amy Coney Barrett: Kämpferin für "das Reich Gottes"

Die 48-jährige Bundesrichterin ist tief religiös, erzkonservativ – und die Favoritin auf den Posten am Supreme Court. In konservativen Kreisen und bei der religiösen Rechten wird die Katholikin wie eine Heldin verehrt. Die siebenfache Mutter, die unter anderem zwei adoptierte Kinder aus Haiti und einen Sohn mit dem Down-Syndrom hat, ist eine strikte Abtreibungsgegnerin.

Ihre religiösen Ansichten waren immer wieder Stein des Anstoßes. In ihrer Zeit als Jura-Professorin an der renommierten Universität Notre Dame sagte sie einmal in einer Vorlesung, eine Justiz-Karriere sei immer nur ein "Mittel zum Zweck" – und das Ziel sei, "das Reich Gottes aufzubauen".

Bei einer Senatsanhörung für ihre Bestätigung als Richterin am Bundesberufungsgericht in Chicago warf ihr die Senatorin Dianne Feinstein von den Demokraten im Jahr 2017 vor: "Das Dogma lebt laut in Ihnen." Das stärkte aber nur Barretts Ansehen bei Konservativen, eine Gruppe vertrieb gar Tassen mit dem Konterfei der Juristin und dem Feinstein-Satz.

Barrett selbst entgegnete der Senatorin in aller Ruhe, sie könne sehr wohl zwischen ihrem Glauben und ihren Aufgaben als Richterin unterscheiden.

Amy Coney Barrett, gilt als mögliche Kandidatin für das Amt am Supreme Court.
© Julian VELASCO / University of Notre Dame / AFP

Barrett wuchs in New Orleans im konservativen Süden der USA auf, und unterrichtete nach ihrem Studium in Notre Dame 15 Jahre lang an dieser Universität. Eine Zeitlang war sie Mitarbeiterin des 2016 verstorbenen konservativen Verfassungsrichters Antonin Scalia. Zwar wird sie für ihre geschliffenen juristischen Argumentationen geschätzt, Erfahrung als Richterin hat sie aber recht wenig. Ihre Berufung an das Bundesberufungsgericht in Chicago 2017 brachte ihr den ersten Richterjob.

Ihre Haltung zum Recht auf Abtreibung – eines der meist umkämpften Themen in den USA – ist nicht der einzige Punkt, der Kritiker auf die Barrikaden bringt. Sie hat sich auch für das Recht auf Waffenbesitz eingesetzt und ist gegen die als "Obamacare" bekannte Gesundheitsreform von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama vorgegangen.

Das macht sie wiederum für Trump attraktiv, der mit ihrer Nominierung einige Wochen vor der Präsidentschaftswahl am 3. November die konservative Basis neu mobilisieren könnte.

Barbara Lagoa: Latina aus dem Schlüsselstaat Florida

Ihre Eltern flohen einst aus dem sozialistischen Kuba in die USA – jetzt könnte die in Miami geborene Lagoa als erste Juristin mit kubanischen Wurzeln und erst zweite Hispanoamerikanerin Verfassungsrichterin werden. Die 52-jährige Mutter dreier Töchter ist derzeit Richterin am Bundesberufungsgericht in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Zuvor hatte sie als Anwältin und Staatsanwältin gearbeitet und zwischenzeitlich am Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Florida gedient.

Barbara Lagoa könnte als Ersatz für Ruth Bader Ginsburg am Supreme Court eingesetzt werden.
© Handout / Florida Supreme Court / AFP

Aufgewachsen im nahe Miami gelegenen Hialeah, studierte Lagoa zunächst Englisch an der Florida International University und dann Jura an der angesehenen Columbia University in New York. Als Anwältin vertrat sie später die in Miami lebenden Verwandten des kubanischen Flüchtlingsjungen Elián González, der zur Jahrtausendwende zum Symbol des ideologischen Grabens zwischen den USA und Kuba geworden war.

Auch Lagoa ist eine konservative Juristin – für Trump ist sie aber besonders aus zwei Gründen interessant: Latinos sind eine wichtige Wählergruppe, und Florida könnte bei der Präsidentschaftswahl am 3. November eine zentrale Rolle spielen. Trump selbst machte das diese Woche deutlich: "Sie ist exzellent. Sie ist Hispano. Sie ist eine fantastische Frau, nach allem, was ich weiß. Ich kenne sie nicht. Florida. Wir lieben Florida." (APA/AFP)


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