Kein Hollywood-Hockey mehr: Haie drückten den Reset-Button

Mit dem Heimspiel gegen Dornbirn starten die Innsbrucker Haie morgen (19.15 Uhr) in die neue Saison der bet-at-home ICE Hockey League. Das neue Trainergespann baut auf Cracks, die hart arbeiten wollen.

Blicken ihrer ersten gemeinsamen Trainer-Saison gespannt und positiv entgegen – Cheftrainer Mitch O’Keefe (hinten rechts) und Florian Pedevilla (h. l.). wollen im Haifischbecken Erfolge landen.
© kristen-images.com / Michael Kristen

Von Alex Gruber

Innsbruck – Am 10. März 2020 und unmittelbar vor dem vierten Spiel des Best-of-Seven-Viertelfinalserie – Meister KAC stand mit einem 0:3-Rückstand gegen Linz zu diesem Zeitpunkt vor dem Aus – wurd­e die letzte Saison wegen des Coronavirus vorzeitig abgebrochen. In der sportlich heißesten (Eis-)Zeit waren die Haie schon draußen, in der neuen Spielzeit will man unbedingt wieder in die K.-o.-Runde rein.

D(ies)er Weg wird definitiv kein leichter sein, den das neue Trainergespann Mitch O’Keefe und Ex-Crack Florian Pedevilla als dessen Co zu bestreiten haben. Das Coronavirus drückte bei vielen Clubs auf die Kassa, teure und hochtalentierte „Alleinunterhalter“ wie einen Andrew Clark oder Andrew Yogan sowie jahrelange Allzeitgrößen wie Kapitän Tyler Spurgeon oder John Lammers gibt der neue Kader nicht mehr her.

🏒 bet-at-home ICE Hockey League, 1. Runde

  • abgesagt (Corona): Bratislava Capitals - HCB Südtirol
  • 19:15 Uhr: EC Red Bull Salzburg - EC VSV (live auf Sky)
  • 19:15 Uhr: Moser Medical Graz99ers - Hydro Fehervar AV19
  • 19:15 Uhr: HC TWK Innsbruck "Die Haie" - Dornbirn Bulldogs
  • 19:30 Uhr: KAC - Black Wings Linz (live auf PULS24)

Die Planungen für das neue Haie-Team wurden laut O’Keefe gewissermaßen „von hinten angefangen“. Mit Tom McCollum (30/CAN) und Rückkehrer Rene Swette verfüge man über ein wettbewerbsfähiges Torhütergespann: „Das hat man in der Vorbereitung gesehen und gibt uns ein gutes Gefühl.“ Und keiner der neuen Defender (Colton Saucerman, Adrian Danielsen, Jonathan Racine, Kevin Tansey ...) müsse offensiv so mit der Scheibe tanzen, wie es beispielsweise Mike Boivin getan hat: „Wir brauchen keinen Verteidiger, der in jedem Spiel einen Scorerpunkt hat. Wir müssen den Job vor unserem Tor erledigen und dürfen den Gegnern nicht so viele Chancen wie in der Vergangenheit geben.“

Unter Vorgänger Rob Palli­n fand in den vergangenen Jahren ja zeitweise offensives Hollywood-Hockey mit einer Vielzahl an Toren statt. Der Blick ist in der neuen Saisonvermehrt auf die Rückwärtsbewegung gerichtet.

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„Wir haben aber eine Mannschaft, in der jeder den Willen hat, hart zu arbeiten. Das war, wenn man so will, auch mein Talent. Und es taugt mir, das zu sehen“, fühlt sich Pedevilla an der Seite von O’Keefe und in der Verantwortung für ein gänzlich neu formiertes Team pudelwohl. Das Duo will etwas Neues aufbauen, Potenzial, zu überraschen, haben neue Imports wie z. B. Max Gerlach (22/USA) oder Daniel Ciampini (29/CAN) in den vier Vorbereitungsspielen schon angedeutet. Pedevilla nennt auch die Namen Einheimischer (Paulweber, Kromp oder Winkler), die jetzt den nächsten Schritt machen sollen.

📸 Kevin Tansey fällt aufgrund einer Daumenverletzung vorerst aus:

Nach dem Syndesmose­band­riss beim zum Verteidiger umgeschulten Lukas Bär erwischte der Verletzungsteufel jetzt auch Kevin Tansey. Jenen 27-jährigen Heißsporn, der sich nach gewonnenem Fight im letzten Test gegen die Heilbronner Falken (das war ein Moment, wo es auch Pedevilla kurz juckte, wieder raus aufs Eis zu springen) von den Fans in der Tiwag-Arena noch feiern ließ: Tansey muss wegen einer Daumenverletzung vermutlich einen Monat pausieren. Die Eigengewächse Lukas Jaunegg (19) und Jakob Wetzelsberger (20) werden nachrücken und das „volle Vertrauen“ erhalte­n.

Die Haie haben in der Kadergestaltung quasi den „Reset-­Button“ gedrückt, starten bei null. „Wir wollen die Play-offs lösen. Dieses Ziel setzen wir uns schon“, hält O’Keefe fest. Auch auf einer starken Arbeitermentalität gepaart mit einer guten Stimmung in der Kabine bauen ja Erfolg­e auf, Ausreden gibt’s keine „Das Coronavirus betrifft alle und soll nicht als Entschuldigung dienen. Wir müssen Lösungen finden. Und der Verein hat uns die Möglichkeit gegeben, mit einem vollen Kader zu arbeiten.“

Über www.oeticket.com kann man sich online noch eine der ca. 100 Restkarten für das Auftaktmatch sichern.

🔎 Die zehn HCI-Gegner im Schnell-Check

  • EHC Black Wings Linz: Mit Piche, Dorion und Kozek kehrten verdiente alte Spieler zurück. 1500 Zuschauer sind momentan zugelassen, die Linzer werden unter dem Zuschauerlimit (an guten Tagen kamen locker 4000) finanziell besonders leiden. Der neue Cheftrainer Pierre Beaulieu war vormals Co-Trainer bei den Innsbrucker Haien.
  • KAC: Weil die Vorsaison abgebrochen wurde, gehen die Kärntner Rotjacken mit dem Tiroler Brüderpaar Marcel und Samuel Witting sowie dem Osttiroler Clemens Unterweger als Titelverteidiger (Meister 2019) ins Rennen. Erfolgscoach Petri Matikainen kann auf viele erfahrene Österreicher (Hundertpfund, Ganahl, Schumnig, Koch, Geier-Brüder ...) bauen. Dank Milliardärin Heidi Horten gibt’s finanziell keine Sorgen.
  • Salzburg: Die Bullen können mit J. P. Lamoureux weiter auf den besten Goalie der vergangenen Jahre bauen. Genauso wie auf Spielmacher John Hughes und einen starken Österreicher-Block (Heinrich, Pallest­rang, Viveiros, Thomas Raffl, Rauchenwald), in dem der Tiroler Mario Huber nach einer Augenverletzung wieder auflaufen kann. Weitere Tiroler: Daniel Jakubitzka und Nico Feldner.
  • Graz 99ers: Offensiv (Ograjensek, Olekusk, dazu kamen Ex-HCI-Goalgetter Broda oder Hunter Fejes) scheint Potenzial vorhanden, Fragezeichen wirft eher die um den Tiroler Philipp Lindner noch dünn besetzte Defensive auf, in der sich der britische Nationalgoalie Ben Bowns erst beweisen muss.
  • Villacher SV: Die Adler, zu denen Ex-Hai Daniel Wachter stieß, wollen nach dem Play-off-Einzug in der Abbruch-Saison unter neuem Coach (Dan Ceman/CAN) nach den Sternen greifen. Zwei Offensivkräfte kamen aus Augsburg (Sahir Gill und Scott Kosmachuk), die nötige Kaderbreite scheint gegeben.
  • Vienna Capitals: Auch die Caps reduzierten die Zahl (sechs statt zehn) der Imports, holten Österreicher (Richter, Nissner, Cijan) und vertrauen auf Kräfte (Vause, Rotter, Leduc, Peter, Loney), die man seit Jahren kennt. Für ganz vorne könnte die Kadertiefe fehlen.
  • Dornbirn Bulldogs: Rund um Trainerfuchs Kai Suikkanen vermeldeten die Vorarlberger zuletzt eine Kooperation mit NHL-Klub Edmonton Oilers, was Devin Brosseau und Yanni Kaldis auf Leihbasis ins Ländle bringt.
  • HC Bozen Südtirol (ITA): Wird bei der Titelfrage von fast allen genannt, starker Goalie (Irving Leland), breiter Kader, fantastische Fans in der Eiswelle.
  • Fehervar (HUN): Vorne scheint mit Rückkehrern (Hari, Bartalis ...) oder Legende Andrew Sarauer Power vorhanden, hinten (Goalie Ouzas geht in seine insgesamt zehnte Saison) schaut’s eher finster aus.
  • Bratislava Capitals (SVK): Knappe Testspiele (Sieg gegen Wien, Niederlage gegen KAC) offenbaren Potenzial beim Liganeuling. Ex-Hai Sacha Guimond verteidigt bei den Slowaken.


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