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So lange der Patient noch entscheiden kann

Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Situation ist die Patientenverfügung ein großes Thema geworden. Was dabei besonders zu beachten ist, erklärt Rechtsanwalt Christoph Huber.

Mit einer Patientenverfügung kann unter anderem geregelt werden, ob eine Beatmung durchgeführt werden soll.
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Was genau ist eine Patientenverfügung?

Huber: Sie ist ein wichtiges Dokument, um im Vorhinein festzulegen, welche medizinischen Maßnahmen man haben oder ablehnen möchte, wenn man sich nicht mehr wirksam äußern kann (z. B. Bewusstlosigkeit).

Man kann also vorher festlegen, welche lebenserhaltenden Maßnahmen getroffen werden sollen?

Huber: Ja, genau. Sie entscheiden selbst, ob Sie wiederbelebt, beatmet oder künstlich ernährt werden wollen. Die Meisten wollen ein Leiden nicht sinnlos verlängern. Denken Sie nur an einen Unfall oder an einen Schlaganfall. Sie kommen bewusstlos auf die Intensivstation und können sich nicht mehr äußern. In einer Patientenverfügung können Sie vorher festlegen, welche medizinischen und pflegerischen Behandlungen Sie möchten.

Kann man speziell für den Fall einer Corona-Erkrankung etwas anderes vorsehen?

Huber: Natürlich. Man kann z. B. anordnen, dass man bei einer Corona-Erkrankung beatmet werden will, in anderen Fällen aber nicht. Die Patientenverfügung kann man auch jederzeit ändern.

Kann man die Patientenverfügung selbst erstellen?

Huber: Wenn sie von einem Rechtsanwalt oder Notar oder speziellen Institutionen errichtet wird, ist sie verbindlich. Das heißt Ärzte, Pflegepersonal, Sachwalter und Gericht müssen sich in jedem Fall daran halten. Nach acht Jahren muss sie erneuert werden. Werden diese strengen Voraussetzungen nicht eingehalten, ist sie nur beachtlich: Ärzte müssen also auf den Willen Bedacht nehmen, sind aber nicht daran gebunden und können trotzdem anders handeln.

Was raten Sie Ihren Mandanten bei der Errichtung einer Patientenverfügung?

Huber: Jeder will nur dann auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten, wenn eine Heilung oder ein würdevolles Leben ausgeschlossen ist. Damit den Patienten die rechtlichen Folgen ihrer Erklärung bewusst sind und Missverständnisse ausgeschlossen werden, ist eine gute Beratung unerlässlich. Sie sollten sich daher ausführlich beim Rechtsanwalt Ihres Vertrauens beraten lassen.

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