Gorleben wird kein Atommüll-Endlager, nun auch Bayern im Gespräch

Der Salzstock im Norden Niedersachsens war bereits seit vielen Jahrzehnten als Atommüll-Endlager im Gespräch. Ein Zwischenlager existiert dort bereits seit 1995. Als Endlager ist Gorleben nun vom Tisch.

Symbolfoto.
© Sebastian Kahnert

Berlin – Das deutsche Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird nicht in Gorleben gebaut. Der niedersächsische Salzstock in der Region findet sich wegen Instabilität nicht auf der Liste der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die ihren Zwischenbericht am Montagmorgen veröffentlichte. "Der Salzstock Gorleben wird daher nicht bei den weiteren Arbeiten der BGE zu den Vorschlägen über die Standortregionen betrachtet", heißt es im Zwischenbericht.

Der Salzstock im Norden Niedersachsens war bereits seit vielen Jahrzehnten als Atommüll-Endlager im Gespräch. Die diesbezüglichen Erkundungen wurden bereits Ende der 1970er Jahre begonnen. Zudem existiert in Gorleben seit 1995 ein Atommüll-Zwischenlager. Transporte dorthin aus französischen Atommeilern riefen in den vergangenen Jahren immer wieder Proteste und Blockaden von Umweltaktivisten hervor.

Entscheidung soll bis 2031 fallen, Betrieb ab 2050

Dagegen kommt Bayern in die Diskussion, wo das Granitgestein grundsätzlich als geeignet für ein unterirdisches Atommüll-Lager genannt wird. Die BGE hat allein aufgrund der geologischen Bedingungen rund 90 mögliche Standorte in Ton-, Salz- und kristallinen Gesteinformationen wie Granit aufgelistet. Andere Kriterien wie Besiedlung oder Bebauung spielten in diesem ersten Schritt noch keine Rolle. In weiteren Phasen wird die Auswahl in den nächsten Jahren weiter eingeschränkt, so dass bis 2031 eine Entscheidung für einen Standort fallen soll. 2050 soll es dann in Betrieb gehen.

Die BGE hat neben Bayern andere Salzstöcke in Niedersachsen wie auch Gebiete in Baden-Württemberg sowie große Teile Ostdeutschlands auf der Liste. Das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Teile des Ruhrgebiets finden sich dagegen nicht darauf. Das Ruhrgebiet scheidet wegen der zahlreichen alten Bergwerke aus, die das Gebiet geologisch unsicher machen. (APA/Reuters)

Hintergrund

Deutschland will bis Ende 2022 komplett aus der Atomstromerzeugung aussteigen. Zur Zeit sind nur noch sechs Atomkraftwerke in Betrieb, vor zehn Jahren es noch 17.

Weltweit gibt es bisher in keinem Staat ein Endlager für solchen Müll. Deutschland hat entschieden, die Abfälle nicht ins Ausland zu bringen und sie stattdessen unter Tage einzulagern. Ausgelegt werden soll der Bau für eine Million Jahre.

Wenn Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz geht, wird etwa 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Müll bleiben. Für diesen wird ein Raum mit 30 mal 30 mal 30 Metern gebraucht. Er soll in einer Tiefe von mindestens 300 Metern und einer Gesteinsschicht mit mindestens 100 Metern Mächtigkeit entstehen.

Von den Kosten für die Endlagerung haben sich die Atomkonzerne mit einer Zahlung von gut 24 Milliarden Euro befreit, die jetzt in einem staatlichen Fonds angelegt sind.


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