7500 Finanz-Jobs von London in EU verlegt, EZB will bessere Bank-Manager

Laut einer Studie wurden bisher 1200 Milliarden Pfund von EU-Kunden nach Dublin, Luxemburg, Frankfurt, Paris und andere Städte übertragen. Die EZB kündigt schärfere Eignungsprüfungen für Banken-Führungskräfte an.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.
© dpa

London, Brüssel – Zur Vorbereitung auf den Brexit haben britische Finanzinstitute schon mehrere tausend Mitarbeiter und viele Billionen Pfund an Vermögenswerten in die Europäische Union (EU) verfrachtet. Mehr als 7.500 Jobs und 1,2 Billionen Pfund (1.315,28 Mrd. Euro), die EU-Kunden gehörten, seien inzwischen in Städte wie Dublin, Luxemburg, Frankfurt oder Paris übertragen worden, erklärte die Unternehmensberatung EY unter Verweis auf eine von ihr erstellte Erhebung.

Zahlreiche Banken, Versicherer und Fondsanbieter hätten neue Standorte auf dem europäischen Festland eröffnet, um nach dem Ausstieg der Briten aus der EU arbeitsfähig zu sein.

Schärfere Eignungsprüfungen für Banken-Führungskräfte

Die Europäische Zentralbank (EZB) will Geldhäusern bei Neubesetzungen in ihren Führungsetagen künftig schärfer auf die Finger schauen. Die EZB habe zwar gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden eine einheitliche Auslegung der Eignungskriterien für Führungskräfte erarbeitet, schrieb Notenbank-Direktor Yves Mersch am Donnerstag in einem Gastbeitrag für mehrere europäische Medien.

▶️ Mersch: "Wir gehen nun noch einen Schritt weiter. Die EZB wird bestehende Lücken schließen, indem sie die Banken durch strengere Eignungsprüfungen enger begleitet."

Die EZB werde das Augenmerk verstärkt darauf legen, was sie von Top-Managern mit Blick auf die Solidität und Stabilität der Institute erwarte. Zugleich kündigte Mersch einen überarbeiteten Leitfaden zur Beurteilung der fachlichen Qualifikation und persönlichen Zuverlässigkeit an.

▶️ Mersch: "Wir werden Personen in der Führungsetage stärker persönlich zur Rechenschaft ziehen."

Die EZB-Bankenaufsicht hatte im vergangenen Jahr 2.967 solcher Eignungsprüfungen bei mehr als 100 Banken unternommen. Für das laufende Jahr erwartet sie eine ähnliche Anzahl.

2600 neue Stellen in den EU-Staaten

"Die Unternehmen müssen nun sicherstellen, dass sie am 1. Jänner 2021 einsatzbereit sind und ihre Kunden bedienen können", sagte EY-Berater Omar Ali. Seitdem die Briten im Juni 2016 für den Brexit gestimmt hätten, hätten britische Finanzhäuser zudem rund 2600 neue Stellen in den EU-Staaten geschaffen.

EY befragte für die Studie mehr als 200 Finanzunternehmen mit einem größeren Geschäftsbereich in Großbritannien. (APA, Reuters, TT.com)


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