VCÖ: Österreich zählt im EU-Vergleich zu den Spritpreis-Diskontern

Die Spritpreise in Österreich liegen deutlich unter dem EU-Schnitt, nur in sechs osteuropäischen EU-Staaten ist Eurosuper billiger als in Österreich, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt.

Symbolfoto
© Khumalo/AFP Sibongile

Wien – Die Spritpreise in Österreich liegen deutlich unter dem EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Im Vergleich zum September 2012 sind die Spritpreise um rund 45 Cent pro Liter billiger. Von niedrigen Spritpreisen würden wohlhabende Haushalte besonders stark profitieren.

Die reichsten zehn Prozent der Haushalte würden siebenmal so viel Kraftstoff tanken wie die zehn Prozent der Haushalte mit dem niedrigsten Einkommen. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise sei die ökosoziale Steuerreform rasch vorzuziehen, betont der VCÖ in einer Aussendung am Freitag.

In der Schweiz Diesel teurer als Eurosuper

Im EU-Vergleich liege Österreich bei den Spritpreisen im Schlussfeld. Bereits in 20 EU-Staaten koste ein Liter Eurosuper mehr als hierzulande. Auch Diesel sei in Österreich billiger als im EU-Schnitt. In der Schweiz koste Diesel übrigens mehr als Eurosuper, weil beim Verbrennen von einem Liter Diesel mehr CO2 verursacht wird als beim Verbrennen von einem Liter Eurosuper.

Der billige Sprit kommt Österreich sehr teuer, kritisiert der VCÖ. Laut Studie des Landes Tirols nehmen mehrere hundertausend Lkw pro Jahr einen Umweg über Österreich, um Kosten zu sparen und ihre Tanks mit billigem Diesel voll zu füllen.

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Leidtragende dieses Umwegtransits sind neben der Umwelt die Anrainerinnen und Anrainer sowie die Autofahrenden auf den Transitrouten.
VCÖ-Experte Michael Schwendinger

Auch der Durchbruch der E-Mobilität werde durch billige Spritpreise behindert, weshalb sich zuletzt sogar VW-Chef Herbert Diess für eine höhere CO2-Bepreisung und ein Ende der Steuerbegünstigung von Diesel ausgesprochen habe.

"Ökosoziale Steuerreform rasch vorziehen"

Dass von niedrigen Spritpreisen in erster Linie Haushalte mit geringem Einkommen profitieren, sei ein Mythos. So zeige eine jüngst veröffentlichte Studie von Greenpeace, dass die zehn Prozent Haushalte mit dem höchsten Einkommen sieben Mal so viel Sprit tanken wie die zehn Prozent mit dem niedrigsten Einkommen.

"Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise und der steigenden Arbeitslosigkeit ist die ökosoziale Steuerreform rasch vorzuziehen. Das, was unserer Gesellschaft schadet, nämlich der CO2-Ausstoß, ist deutlich höher zu bepreisen, während das, was wir wollen, nämlich Arbeitsplätze und klimaverträgliches Verhalten, niedriger zu besteuern ist", sieht VCÖ-Experte Schwendinger die Bundesregierung gefordert. (TT.com)

Preisvergleich

➤ Österreich ist bei Spritpreisen in der EU im Schlussfeld (Preis für 1 Liter Eurosuper, in Klammer 1 Liter Diesel ):

  • Niederlande: 1,561 Euro (1,159 Euro)
  • Dänemark: 1,471 Euro (1,140 Euro)
  • Finnland: 1,435 Euro (1,195 Euro)
  • Griechenland: 1,423 Euro (1,134 Euro)
  • Italien: 1,390 Euro (1,265 Euro)
  • Portugal: 1,382 Euro (1,198 Euro)
  • Schweden: 1,344 Euro (1,304 Euro)
  • Malta: 1,340 Euro (1,210 Euro)
  • Frankreich: 1,329 Euro (1,115 Euro)
  • Belgien: 1,317 Euro (1,244 Euro)
  • Deutschland: 1,284 Euro (1,040 Euro)
  • Estland: 1,253 Euro (0,997 Euro)
  • Irland: 1,247 Euro (1,144 Euro)
  • Kroatien: 1,221 Euro (1,115 Euro)
  • Spanien: 1,163 Euro (1,030 Euro)
  • Slowakei: 1,145 Euro (1,002 Euro)
  • Lettland: 1,135 Euro (1,016 Euro)
  • Luxemburg: 1,099 Euro (0,919 Euro)
  • Litauen: 1,081 Euro (0,955 Euro)
  • Zypern: 1,080 Euro (1,097 Euro)
  • ÖSTERREICH: 1,063 Euro (1,009 Euro)
  • Ungarn: 1,028 Euro (0,997 Euro)
  • Tschechien: 1,018 Euro (0,996 Euro)
  • Slowenien: 1,003 Euro (1,002 Euro)
  • Polen: 0,986 Euro (0,965 Euro)
  • Rumänien: 0,909 Euro (0,882 Euro)
  • Bulgarien: 0,893 Euro (0,861 Euro)
  • Schweiz: 1,312 Euro (1,386 Euro)
  • Großbritannien: 1,252 Euro (1,306 Euro)

Quelle: Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2020


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