Moria: Wo sind die 55 Tonnen Hilfsgüter aus Österreich?

Innenminister Karl Nehammer hatte Mitte September 55 Tonnen Hilfsgüter für die Geflüchteten im abgebrannten Camp Moria gebracht. Sie sollen dort aber gar nicht angekommen sein. Die Opposition fordert Antworten.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und der stellvertretende griechischen Innenminister Theodoros Livanios (l.) nach der Ankunft eines Transportflieger des Typs Antonow 124 mit einer Lieferung österreichischer Hilfsgüter in Athen.
© APA/GEORG HOCHMUTH

Wien/Lesbos – Die in Begleitung von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) Mitte September nach Athen gebrachten 55 Tonnen Hilfsgüter für Geflüchtete aus dem abgebrannten Camp Moria auf der Insel Lesbos sind dort offenbar noch nicht angekommen. Eine diese Woche eingebrachte Anfrage der SPÖ-Nationalratsabgeordneten Katharina Kucharowits, Reinhold Einwallner und Andreas Kollross solle deren Verbleib klären, hieß es am Samstag in einer Aussendung des SPÖ-Parlamentsklubs.

Mehrere Augenzeugen hätten von den ausbleibenden Hilfsgütern an die im Elend steckenden Menschen in Moria auf der Insel Lesbos berichtet. "Demnach sind die von der türkis-grünen Bundesregierung und allen voran von Innenminister Nehammer medial groß präsentierten Güter nie bei den Geflüchteten angekommen", kritisierten die SPÖ-Mandatare.

"Moria ist keine Showbühne"

"Moria ist keine Showbühne, sondern bittere Realität für tausende Kinder, Frauen und Männer. Wer das für uns unvorstellbare Elend dieser Menschen zur politischen Selbstinszenierung ausnützt, hat die Tragik der Situation völlig verkannt. Jeden Tag, den wir mit bloßem Zusehen und Kommentieren vergeuden, ist eine persönliche Katastrophe für jeden einzelnen der dort lebenden Menschen", so der sozialdemokratische Sicherheitssprecher Einwallner.

55 Tonnen Hilfsgüter sollen nie bei den Flüchtlingen in Moria angekommen sein. Die Opposition fordert Antworten von der Regierung.
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Auch die Nationalratsabgeordnete Kucharowits zeigt sich angesichts der zynischen medialen Inszenierung "fassungslos". "Die Hölle für Tausende Menschen in Moria ist nicht vorbei. Viele leben immer noch im Dreck. Die türkis-grüne Bundesregierung lehnt bekanntlich die Aufnahme von Kindern aus Moria ab. Stattdessen kündigt sie Hilfe vor Ort groß an. Diese Hilfe kommt aber bei den Menschen in Not nicht an", so Kucharowits.

SPÖ forderte erneut Aufnahme von Kindern aus Moria

"Wir könnten die humanitäre Krise in Moria lösen und Kinder in Österreich aufnehmen. Viele Gemeinden würden gerne diese Verantwortung übernehmen und ihnen eine Zukunft bieten, aber leider ist nur die Herzlosigkeit dieses Bundeskanzlers grenzenlos.

Unter dem Slogan der "schnellen Hilfe vor Ort" habe die Bundesregierung vergangene Woche einen SPÖ-Antrag zur Aufnahme von Kindern aus dem Flüchtlingslager abgelehnt. Jetzt stelle sich heraus, dass dieses Hilfspaket nur "Teil einer Inszenierungsshow ist und die Hilfsmaßnahmen in Österreich bei den Betroffenen nicht ankommen", so der SPÖ-Kommunalsprecher und Bürgermeister aus Trumau, Kollross. (APA)

Demonstration für Aufnahme von Migranten aus Moria in Wien

Mehrere hundert Teilnehmer sind am Samstagnachmittag zum Auftakt einer Demonstration unter dem Motto "Wir haben Platz" am Wiener Karlsplatz erschienen. Die Volkshilfe Österreich und die Plattform für eine menschliche Asylpolitik riefen dazu auf, um zu zeigen, dass die Zivilgesellschaft in Österreich nach wie vor bereit sei, Menschen in Not zu helfen und Geflüchtete – etwa aus dem abgebrannten Camp Moria auf Lesbos – aufzunehmen.

Die anwesenden Demonstranten trugen Schilder wie "Kurz, Nehammer und die FPÖ sind die Brandstifter. Nieder mit den Grenzen, wir haben Platz", "EU-Politik tötet" und "Keine Abschiebungen nach Afghanistan". Skandiert wurde "No justice, no peace" und "Kein Mensch ist illegal. Bleiberecht überall". Auch die "Omas gegen rechts" und Mitglieder der Kleinparteien "Links" und "Volt" mischten sich unter die Demonstranten.

Christoph Riedl von der Diakonie Österreich prangerte die Zustände in den Flüchtlingslagern auf griechischen Inseln an. "Die Geflüchteten sind Geiseln der griechischen Regierung. Ihr Elend soll andere abschrecken", so Riedl. Es sei unsere Menschenpflicht ihnen zu helfen, weil wir die Mittel hätten und es könnten. "Ihnen nicht zu helfen, ist herzlos und dumm. Nehmen wir die Sache selbst in die Hand", forderte Riedl.


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