Warnung vor Bienensterben: EU-Kommission will Pestizide zulassen

Die EU-Kommission will am Donnerstag über die Zulassung von bienengefährlichen Pestiziden abstimmen. Imkerverbände und NGOs in Österreich schlagen Alarm.

Eine Bienenkönigin, markiert mit einem Farbpunkt, ist zusammen mit weiteren Bienen auf einer Brutwabe zu sehen. (Symbolfoto)
© APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Wien – Imkerverbände und NGOs haben am Montag Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in einem offenen Brief aufgefordert, gegen einen Vorschlag der Europäischen Kommission zu stimmen, der die Zulassung von bienengefährlichen Pestiziden zukünftig erleichtern werde. Dieser könnte das Bienensterben in Europa verschärfen, so die Kritik. Die Entscheidung soll in einer geschlossenen Sitzung am Donnerstag in Brüssel fallen, berichtete Global 2000.

Finde der Vorschlag der Kommission eine Mehrheit unter den Mitgliedstaaten, könnte im Zulassungsverfahren für Pestizide ein deutlich höheres Niveau an Bienensterben akzeptiert werden, als dies bisher der Fall war. Angesichts des Rückgangs an Biodiversität sei der Vorschlag "skandalös", sagte Christian Boigenzahn, Geschäftsführer von Biene Österreich. "Er ist ein Zugeständnis an jene Mitgliedstaaten, die den 2013 unter großem Beifall von Wissenschaft und Umweltschützern präsentierten EFSA-Bienenleitfaden konsequent blockiert hatten", ergänzte Helmut Burtscher-Schaden von Global 2000 und Initiator der Bürgerinitiative "Bienen und Bauern retten".

In neuem System Verluste bis 20 Prozent als "natürlich" erachtet

Während die Bienenrichtlinie von 2013 Verluste bei Honigbienen in einer Größenordnung von bis zu sieben Prozent als "natürlich" und daher zulässig betrachtet, könnten im neuen System, "das von den Pestizidunternehmen mitentwickelt wurde", wie Global 2000 in einer Aussendung betonte, Verluste bis zu 20 Prozent als natürlich erachtet und toleriert werden. Diesem Ansatz fehle jede wissenschaftliche Grundlage, er sei für den Bienenschutz völlig ungeeignet, betonten die NGOs. Wildbienen, die wesentlich empfindlicher als Honigbienen sind, und andere Insekten würden vorerst überhaupt nicht berücksichtigt.

Biene Österreich ist die Dachorganisation des Österreichischen Imkerbunds und Erwerbsimkerbunds. Unterstützt wird ihre Initiative von der ARGE Schöpfungsverantwortung, BirdLife, Global 2000, Greenpeace, dem Naturschutzbund sowie der Initiative Bienen und Bauern retten. (APA)

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