Emotionaler Appell an Axamer Lizum AG: „Der Schaden ist jetzt schon extrem"

Bürgermeister, Touristiker und Vertreter von Hotellerie und Gastronomie appellierten eindringlich an die Betreiber des Skigebiets Axamer Lizum, den Antrag auf temporäre Befreiung von der Betriebspflicht zurückzuziehen. Eine Entscheidung soll diese Woche fallen.

Die drohende Schließung der Axamer Lizum im heurigen Winter sorgt für Alarmstimmung. Am Montag fand eine Krisensitzung in Axams statt.
© Rudy De Moor

Axams – „Zieht den Antrag zurück und gebt uns damit Planungssicherheit!“: So lautete am Montagnachmittag die zentrale – hochemotional vorgetragene – Forderung des Axamer Bürgermeisters Christian Abenthung bei einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung. Thema war die mögliche temporäre Schließung des Seilbahnbetriebes in der Axamer Lizum in der kommenden Wintersaison.

Die anwesenden Vertreter von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben rund um das Skigebiet, die Führung des Tourismusverbandes „Innsbruck und seine Regionen" und die Bürgermeister der Gesellschaftergemeinden stellten sich einhellig hinter diese Forderung.

Wie berichtet, hat die Axamer Lizum Aufschließungs AG (Hauptgesellschafter ist die Bauunternehmerfamilie Fröschl) in einem Schreiben an das Verkehrsministerium einen Antrag auf „temporäre Befreiung von der Betriebspflicht für die Wintersaison 2020/21" gestellt.

„Das bedeutet nicht, dass wir nicht aufsperren“

Marketingleiter Thomas Lampe und Jurist Herbert Huber, die die AG bei der Krisensitzung vertraten (die Geschäftsführung ließ sich wegen einer gleichzeitig stattfindenden Aufsichtsratssitzung in Hall entschuldigen) betonten bei der Sitzung aber, dass man in dieser Saison sehr wohl den Betrieb aufnehmen wolle. „Der Antrag bedeutet nicht, dass wir nicht aufsperren“, stellte Lampe klar.

„Wir sind auch schon mit der Werbung draußen, etwa am deutschen Markt“. Aber wenn es in dieser Saison in Sachen Covid-19 „ganz dick“ komme, was „wir alle nicht beeinflussen können“, wolle man die Möglichkeit haben, rasch zu reagieren, erklärte Huber. Vor allem gehe es darum, „den Zeitverlust zu vermeiden, der mit einem Behördenverfahren verbunden wäre.“ Also habe man den Antrag „präventiv“ gestellt.

„Antrag ist extremer Schaden für den Wintertourismus"

Das ließen Abenthung und die anderen Anwesenden freilich nicht gelten: „Wenn es keine Planungssicherheit gibt, was die Betriebsöffnung der Bahnen angeht, haben wir alle ein Riesenproblem", sagte Abenthung. Kein Tourismusbetrieb könne angesichts einer solchen Unsicherheit wirtschaftlich arbeiten. Schon der Antrag an sich – den bisher keine andere Bergbahn gestellt habe – sei ein „extremer Schaden für den Wintertourismus, für Tirol und ganz Österreich“.

Es gebe nur einen Weg: „Nehmt eure Verantwortung für den Tourimsus wahr und zieht den Antrag zurück“. Es brauche eine „rasche Entscheidung“. Die Axamer Lizum sei zudem ein Skigebiet, das großteils von Einheimischen lebe, merkte Abenthung an.

Der Axamer Bürgermeister Christian Abenthung.
© BAGNG

Viele Tourismusbetriebe berichteten bei der Sitzung bereits von Stornierungen nach Bekanntwerden des Antrags. TVB-Obmann Karl Gostner warf die Frage auf, warum die AG diesen Antrag jetzt stelle. „Warum nicht erst, wenn es wirklich zu einer wirtschaftlichen Notsituation kommt? Warum präventiv, mit einem möglichen negativen Dominoeffekt für ganz Österreich?"

Für besondere Kritik bei den Anwesenden sorgte der Umstand, dass weder die Gesellschaftergemeinden noch die Tourismusbetriebe in der Region im Vorfeld über den Antrag informiert worden seien. Die Vertreter der AG erklärten, die Kritikpunkte und Forderungen „mitzunehmen", alle Seiten signalisierten grundsätzlich weiterhin Gesprächsbereitschaft.

Reaktionen

Georg Willi, Innsbrucker Bürgermeister: „Die Axamer Lizum ist nicht nur ein beliebtes Skigebiet der Innsbrucker, sondern auch ein wichtiges Naherholungsgebiet. Ich erhoffe mir vom Land und allen dort Beteiligten, dass möglichst bald Lösungen gefunden werden. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sind Erholungsgebiete im Freien wichtig.“

FPÖ-Chef Markus Abwerzger: „Die Causa Lizum ist ein Indiz mehr, dass Platter amtsmüde und überfordert ist, denn es braucht keine Appelle, sondern Taten.“

BM Christian Abenthung, Axams: „Die Lizum lebt großteils von einheimischen Gästen. Ihr als Skigebiet könntet heuer trotz allem gute Geschäfte machen.“

Karl Gostner, Innsbruck Tourismus: „Warum stellt die AG diesen Antrag nicht erst, wenn es wirklich zu einer wirtschaftlichen Notsituation kommt? Warum präventiv, mit einem möglichen negativen Dominoeffekt für ganz Österreich?“

Gudrun Freisinger (Bärenhütte, Axamer Lizum): „Der Imageschaden für die Lizum ist jetzt schon da. Sogar aus England, Irland und den USA bekommen wir Anrufe.“

Nicole Ellinger (Alp Art Hotel, Götzens): „Die Axamer Lizum ist auch ein Skigebiet der Stammgäste. Viele hätten auch heuer zugesagt zu kommen, wenn es irgendwie möglich ist.“

Entscheidung soll diese Woche fallen

Im Sommer hat es schon mehrmals Ansuchen von Skigebietsbetreibern für Ausnahmen von der Betriebspflicht gegeben (so auch in der Li­zum). Für den Winterbetrieb ist das allerdings eine Premiere. Zuständig für die Anlagen in der Axamer Lizum sind das Verkehrsministerium und das Land Tirol.

Der Antrag der Axamer Lizum Aufschließungs AG bezieht sich darauf, dass ihr die Weiterführung wegen der nicht mehr vorhandenen Wirtschaftlichkeit der Anlage oder aufgrund des Fehlens des Verkehrsbedürfnisses "nicht mehr zugemutet" werden könne. Im Verfahren müssen die betroffenen Gemeinden gehört werden.

Bis Ende der Woche soll in enger Abstimmung zwischen Bund und Land eine Entscheidung getroffen werden. Dass der Antrag durchgeht, gilt aber als eher unwahrscheinlich. (md, pn, TT.com)

„Ein Wahnsinn für das Freizeitticket"

Die Ankündigung, dass die Axamer Lizum in der heurigen Wintersaison womöglich nicht aufsperren könnte, hat den Sprecher des Tiroler Freizeitticket-Kartenverbundes, Thomas Schroll, überrumpelt. "Wir wurden darüber nicht informiert." Vier Tage nach dem Verkaufsstart "in eine ohnehin schwierige Saison" sei das natürlich "ein Wahnsinn". Noch am Sonntag habe er mit den anderen 19 Skigebiets-Partnern Kontakt aufgenommen. "Sie alle haben mir bestätigt, ihren Betrieb im Winter wie geplant zu starten."

Schroll hofft, dass die Axamer Lizum ebenfalls offen bleibt, und will auf die Betreiber einwirken: "Diese müssen Verantwortung für den ganzen Freizeitticket-Pool zeigen, nicht nur für den eigenen Betrieb." Sonst stelle sich die Frage, ob die Partnerschaft mit der Axamer Lizum - die sehr vom Freizeitticket profitiere - noch eine Zukunft habe.


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