2:1-Sieg über Griechenland: ÖFB-Elf kam erst spät in Schwung

Mit zwei Tirolern (Marco Friedl, Alessandro Schöpf) und zwei späten Toren gewann Österreich 2:1 gegen Griechenland. Dass von den 3000 aufgelegten Tickets nur 1500 an den Fan gebracht wurden, sorgte für Erstaunen.

Christopher Trimmel und Georgios Kyriakopoulos (GRE) während des Länderspiels im Wörthersee Stadion in Klagenfurt.
© EXPA/JOHANN GRODER

Aus Klagenfurt: Tobias Waidhofer

Klagenfurt – Zugegeben, es war alles andere als eine Gala der ersatzgeschwächten ÖFB-Elf gegen Griechenland. Doch weil sich Österreich spät hellwach präsentierte und das Spiel nach der griechischen Führung durch Treffer von Adrian Grbic (77.) und Christoph Baumgartner (81.) drehte, feierte man einen 2:1-Sieg.

Aber von Anfang an: Von einem Fahnenmeer konnte am Mittwoch beim traditionellen Radetzkymarsch keine Rede sein. Es war eher einen Fahnenflüsschen, das sich da über die quasi verwaisten Tribünen des Klagenfurter Wötherseestadions erstreckte. Gerade einmal 1500 Zuschauer – und damit nur die Hälfte der 3000 erlaubten – hatten sich in der Arena eingefunden. Fieber messen beim Einlass, Maskenpflicht auf der Tribüne, dazu der kurzfristige Kartenverkauf – das war wohl vielen Anhängern zu viel des Aufwandes. Fußball in Pandemie-Zeiten blieb auch am Mittwoch eine ziemlich trostlose Angelegenheit.

Das wird Marco Friedl aber auf Tirolerisch „wurscht“ gewesen sein, denn der 22-Jährige Kirchbichler feierte auf der linken Seite sein Länderspiel-Debüt. Und weil Teamchef Franco Foda rechts vorne auf den Ötztaler Schalke-Legionär Alessandro Schöpf setzte, war es aus Tiroler Sicht irgendwie auch ein historischer Abend. Zwei Tiroler – Michael Baur und Richard Kitzbichler – waren zuletzt im März 2002 bei einem 2:0-Sieg gegen die Slowakei in einer ÖFB-Startelf gestanden, der Teamchef war damals noch ein gewisser Hans Krankl.

Insgesamt 1500 Fußball-Fans waren im Stadion.
© EXPA/JOHANN GRODER

Aber zurück in die Gegenwart: Das Match begann mit aggressiven Österreichern, sechs Eckbälle nach gerade einmal einer Viertelstunde sprachen in diesem Zusammenhang eine deutliche Sprache. Eine Top-Chance gab es aber vorerst nicht. Je länger die Halbzeit dauerte, desto mehr ließ es die ÖFB-Elf aber an Intensität vermissen. Am Rasen war im ersten Durchgang (fast) so wenig los, wie auf der Tribüne. Zumindest defensiv stand man mit einer Dreier- bzw. Fünferkette stabil.

Mit Grillitsch, Baumgartner, Posch und Lainer kamen zur zweiten Halbzeit gleich vier neue Akteure, unter anderem blieb Schöpf in der Kabine. Und nach feiner Baumgartner-Flanke verpasste Onisiwo per Flugkopfball die Führung (51.). So richtig Schwung wollte das österreichische Spiel aber weiter nicht aufnehmen.

Und plötzlich führten die Gäste mit 1:0, weil Schiedsrichter Jug einen Schlag von Fountas nicht ahndete, die ÖFB-Defensive beim feinen Pass des Rapidlers schlief und Ballmitnahme und Abschluss von Kostas Fortounis höchsten technischen Ansprüchen genügten.

Doch Rot-Weiß-Rot schlug zurück: Nach schöner Kombination über links, an der auch Friedl beteiligt war, gelang Adrian Grbic sein Debüttor zum 1:1 (77.), wenig später legte Joker Baumgartner mit feinem Dribbling und Schlenzer nach (80.). Es war ein Finish, das Hoffnung für die Nations-League-Spiele macht.

Meinungen

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Die Debütanten haben über weite Strecken sehr gute Leistungen gebracht. Positiv war auch die zweite Hälfte. Da haben wir auf 4-3-2-1 umgestellt. In der ersten Hälfte waren wir zu verhalten, da hat das Tempo im Passpiel gefehlt, wir haben nicht vertikal gespielt, oft haben wir nur das Spiel verlagert. Das haben wir dann in der zweiten Hälfte viel, viel besser gemacht. Hatte damit nichts zu tun. In der zweiten Hälfte hatten wir dann auch Spieler, die Lösungen auf engem Raum haben, wie Baumgartner auch Schaub. Das war der Unterschied."

Marco Friedl (ÖFB-Debütant): "Bin froh über das Debüt, ein Traum. Schön, dass wir das mit einem Sieg krönen konnten. Es war natürlich schwer (, aber auch, weil die Griechen sehr kompakt gestanden sind, da war es kein schönes Spiel von uns. In der zweiten Hälfte, speziell nach dem Gegentor haben wir sehr gut gespielt, nach vorne gespielt und sie eingeschnürt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir das Tor schießen. Alles in allem war die Leistung ok."

Christoph Baumgartner (ÖFB-Torschütze): "Ein Spiel fürs Nationalteam ist immer etwas Besonderes. Da will man jedes Spiel gewinnen. Es war ein guter Test, jetzt sind wir bereit für die Nations-League-Spiele. Das werden zwei schwere Aufgaben. Da wollen wir auch, wenn möglich, die volle Ausbeute holen."

Adrian Grbic (ÖFB-Torschütze): "Ein unglaublicher Moment für mich, das kann ich gar nicht in Worte fassen. In der ersten Hälfte haben es und die tiefstehenden Griechen sehr schwer gemacht. In der zweiten Hälfte haben wir dann auf 4-3-2-1 umgestellt und mehr Räume gefunden. Ich denken aufgrund der zweiten Hälfte war der Sieg auch verdient."

Raphael Holzhauser (ÖFB-Debütant): "Ein Kindheitstraum, ich bin überglücklich, dass mir das heute gelungen ist. Wir haben natürlich das erste Mal zusammengespielt, die Griechen haben das aber auch defensiv gut gemacht, da war es am Anfang schwer durchzukommen."

Johannes van't Schip (griechischer Teamchef): "Wir haben gegen eine gute Mannschaft gespielt. Wenn man relativ kurz vor Schluss führt, ist es schade, noch zu verlieren. Aber das Spiel war okay, wir nehmen viel Positives für die nächsten Partien mit."


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