Trump will bis Weihnachten alle US-Soldaten aus Afghanistan abziehen

US-Präsident Donald Trump will die letzten in Afghanistan verbliebenen US-Soldaten bereits bis Weihnachten abziehen. Dies würde den zwischen den USA und den Taliban vereinbarten Truppenabzug deutlich beschleunigen.

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© AFP

Washington, Kabul – US-Präsident Donald Trump will die letzten in Afghanistan verbliebenen US-Soldaten bereits bis Weihnachten abziehen. "Wir sollten die kleine verbleibende Zahl unserer mutigen, in Afghanistan dienenden Männer und Frauen bis Weihnachten zu Hause haben!", schrieb Trump am Mittwoch (Ortszeit) im Onlinedienst Twitter. Dies würde den zwischen den USA und den Taliban vereinbarten Truppenabzug deutlich beschleunigen.

Trump hatte in den vergangenen Jahren immer wieder erklärt, er wolle "den endlosen Kriegen" ein Ende bereiten. In dem am 29. Februar mit den radikalislamischen Taliban geschlossenen Abkommen verpflichteten sich die USA, ihre Streitkräfte bis Mitte 2021 schrittweise vom Hindukusch abzuziehen. Im Gegenzug verpflichteten sich die Aufständischen zur Aufnahme von Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul. Zudem mussten sie garantieren, dass Afghanistan nicht wieder zum Rückzugsort für Extremisten aus aller Welt wird.

Terroranschläge 2001 Anlass für den Einmarsch

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 waren der Anlass für den Einmarsch der US-Streitkräfte in Afghanistan gewesen. Sie vertrieben die Taliban, die dem Extremistennetzwerk Al-Kaida und dessen Anführer Osama bin Laden Unterschlupf geboten hatten.

Anfang August dieses Jahres kündigte das US-Verteidigungsministerium an, die Zahl der US-Soldaten am Hindukusch von derzeit 8600 bis November auf 5000 zu senken. Die restlichen Soldaten sollten das Land den Planungen zufolge bis Mitte kommenden Jahres verlassen. Wenige Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl sprach sich Trump nun aber für eine deutliche Beschleunigung des Abzugsplans aus.

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Die Taliban begrüßten die Ankündigung als "wichtigen Schritt". Sie seien dem Abkommen mit den USA verpflichtet und wollten "in der Zukunft positive Beziehungen zu allen Ländern, einschließlich der USA", erklärten sie.

In den Vereinigten Staaten stößt Trumps Vorhaben nach 19 Jahren US-Truppenpräsenz in Afghanistan auf breite Unterstützung – auch bei seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Er sprach sich bereits in seiner Zeit als US-Vizepräsident für eine Verkleinerung des US-Militäreinsatzes in Afghanistan aus.

Auf die Frage, ob er Trumps Pläne für einen Truppenabzug aus Afghanistan und dem Irak unterstütze, sagte Biden im vergangenen Monat. "Ja, das tue ich. Solange er einen Plan für den Umgang mit ISIS hat", so Biden mit Blick auf die in beiden Ländern aktive Jihadistenmiliz IS (Daesh).

Seit dem 12. September verhandeln die Taliban in Katar mit der afghanischen Regierung über eine friedliche Beendigung des seit fast zwei Jahrzehnte andauernden Krieges. Die Gespräche gestalten sich allerdings schwierig. Die Taliban setzen ihre Angriffe und Anschläge fort, bei denen immer wieder afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten getötet werden.

Ungeachtet dessen zeigte sich der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, am Mittwoch zuversichtlich. "Die überwältigende Mehrheit der Afghanen würde gerne ein Ende des Konfliktes sehen", sagte Khalilzad per Videobotschaft bei einer Konferenz des Pearson-Instituts der Universität Chicago.

"Ich glaube, den Taliban ist es mit den Verhandlungen ziemlich ernst", sagte er. Viele von ihnen hätten gedacht, dass sie nicht mit der afghanischen Regierung an einem Tisch sitzen würden - alles was sie wollten, war ein Abkommen über den Abzug der US-Truppen. "Aber jetzt sitzen sie sich am Tisch gegenüber."

Gleichzeitig betonte Khalilzad, dass das Ausmaß der Gewalt zu hoch sei - auch wenn die Zahl der zivilen und militärischen Opfer in der ersten Jahreshälfte zurückgegangen sei.

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani rief die Taliban bei einem Besuch in Doha am Dienstag auf, "Mut" zu beweisen und eine nationale Waffenruhe zu verkünden. Auf Druck der US-Regierung hatte die Regierung rund 5000 Taliban aus den Gefängnissen freigelassen - eine Bedingung der Taliban für die Aufnahme von Friedensgesprächen. (APA/AFP)


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