Wien wählt: Famose Ausgangslage für SPÖ-Bürgermeister Ludwig

Die Wien-Wahl wurde lange als spannendste innenpolitische Wahl des Jahres bezeichnet. Mittlerweile hat sich die Spannung auf zwei Fragen reduziert: Kommt Strache rein – und mit wem regiert künftig die SPÖ?

Welche Koalition wird für die künftigen fünf Jahre vom Wiener Rathaus aus die Geschicke der Stadt leiten? Der Bürgermeister steht mit Michael Ludwig so gut wie fest, doch wen wählt die SPÖ als Partnerin?
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Von Michael Sprenger

Wien – Niemand zweifelt daran, dass Michael Ludwig (SPÖ) nach der Wahl am Sonntag erneut zum Bürgermeister von Wien gekürt wird. In allen Umfragen liegt die SPÖ derzeit zwischen 40 und 43 Prozent. Bei der Hofübergabe des populären Langzeit-Bürgermeisters Michael Häupl an Ludwig war das keinesfalls so. Damals, im Jahre 2018, regierten im Bund ÖVP und FPÖ. Die SPÖ war angezählt, hatte Monate zuvor das Kanzleramt verloren.

Im Vergleich zu Häupl wirkte Ludwig zudem humor- und farblos. Er musste sich in einer Stichwahl gegen Andreas Schieder durchsetzen. Ludwig wurde im Vorfeld dieses Parteitages in das Lager rund um Ex-Kanzler Werner Faymann gestellt.

Von einer Schicksalswahl der SPÖ war fortan die Rede. Sollte Wien verloren gehen, würde dies die SPÖ auf Jahre bis ins Mark treffen. Eine ÖVP im Aufwind könnte im Bündnis mit Grünen und NEOS die rote Macht im Wiener Rathaus brechen.

Doch Ludwig konnte mit seiner zurückhaltenden Art immer mehr an Boden gewinnen. Mit der Auswahl seiner Regierungsmannschaft überraschte er auch interne (linke) Kritiker.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein: Werden sie die Koalition fortführen?
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Als dann im Vorjahr auch noch bei den Grünen der Wechsel von Maria Vassila­kou zu Birgit Hebein vollzogen wurde, gewann er als Stabilisator an Gestalt. Obwohl er zu Hebein nie ein gutes Verhältnis aufbauen konnte, war für ihn klar, die Koalition mit den Grünen nicht vorzeitig zu beenden. Selbst Fouls der Juniorpartnerin (autofreie City) steckte er weg.

Mit dem Beginn der Pandemie konnte sich Ludwig dann als Krisenmanager in Szene setzen. Zudem sorgte die Corona-Krise dafür, dass unangenehme Themen für die SPÖ, wie etwa das Ausländerthema, im Wahlkampf nicht so eine wichtige Rolle gespielt haben.

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Den entscheidenden Fehler aber machte die Kanzlerpartei. Sie setzte von Anfang an auf einen Angriff auf Wien – auch als die Pandemie ihren Lauf nahm. Die SPÖ verstand dies geschickt als Wien-Ba­shing darzustellen. Damit wischte sie Themen weg, die für die Stadtführung durchaus unangenehm hätten werden können. Mittlerweile versucht die ÖVP, die SPÖ verbal nahe an die Absolute zu drängen (ab 47 Prozent rechnerisch möglich), um ihre Anhänger zu ­mobilisieren.

In den Umfragen wird der ÖVP eine Verdoppelung des Wähleranteils von 2015 (9,2 Prozent) zugetraut. Die Grünen könnten leicht zulegen, ebenso die NEOS. Damit würde sich für die SPÖ eine famose Ausgangssituation ergeben. Sie könnte mit allen drei Parteien eine Koalition bilden.

Ludwig könnte gut mit dem Wirtschaftsflügel der Wiener ÖVP um Walter Ruck, nicht aber mit Finanzminister und Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel. Also doch Fortführung mit den Grünen? Ja, eine wahrscheinliche Variante, aber seit einigen Tagen wird eine Koalition zwischen SPÖ und NEOS diskutiert. Strategisch wäre dies für die Roten und die Pinken spannend.

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Sechs Parteien hoffen auf den Einzug

Am Sonntag wird in Wien nicht nur der Gemeinderat gewählt, sondern auch die Bezirksvertretungen. Insgesamt 19 Parteien haben es auf Stimmzettel für die Bezirksparlamente geschafft, allerdings treten nur sieben davon für den Gemeinderat und Landtag an. Das sind die 2015 in den Gemeinderat gewählten Parteien SPÖ, FPÖ, Grüne, ÖVP und NEOS. Dazu kommt das nach Abspaltung von der FPÖ gegründete "Team HC". In allen Bezirken antreten wird auch das KPÖ-Bündnis Links. Die auch außerhalb von Wien bekannte Bierpartei hat die Kandidatur im 1. Bezirk nicht geschafft.

Laut Umfragen können SPÖ, Grüne und NEOS mit leichten Zugewinnen rechnen. Die ÖVP dürfte das mit Abstand größte Plus einfahren. Allerdings startet die ÖVP von einem Tiefststand von knapp neun Prozent aus. Mittlerweile ist die ÖVP Kanzlerpartei. In Wien tritt sie mit Finanzminister Gernot Blümel zur Wahl am Sonntag an. Von den Umfragen her könnte sich die ÖVP verdoppeln.

Die große Verliererin wird die FPÖ sein. Für die neue Partei des früheren FPÖ-Obmanns Heinz-Christian Strache wird eine Zitterpartie vorhergesagt


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