690 Millionen Menschen litten Ende 2019 unter chronischem Hunger

Die deutsche Hilfsorganisation Welthungerhilfe befürchtet eine starke Zunahme von Hunger und Armut weltweit durch die Corona-Pandemie. Das Ziel der Vereinten Nationen, bis 2030 auf "Null Hunger" zu kommen, könnte weit verfehlt werden.

Eine Krankenschwester füttert ein unterernährtes Kleinkind im Jemen.
© AFP/Ahmed

Berlin – Nach dem Welthungerindex haben Ende 2019 rund 690 Millionen Menschen unter chronischem Hunger gelitten, weitere 135 Millionen sind von einer akuten Ernährungskrise betroffen gewesen. Insgesamt waren Menschen in 50 Ländern – ein Viertel aller Staaten weltweit – von Hunger und Unterernährung betroffen. In 14 Ländern habe sich die Situation seit 2012 sogar verschlechtert.

Die deutsche Hilfsorganisation Welthungerhilfe befürchtet eine starke Zunahme von Hunger und Armut weltweit durch die Corona-Pandemie. Besonders in Afrika südlich der Sahara und in Südasien sei die Situation schon vor der Pandemie alarmierend gewesen, sagte die Präsidentin der Organisation, Marlehn Thieme, am Montag bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2020 in Berlin. "Covid-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger." Zusätzlich werde die Situation durch die Folgen des Klimawandels wie zunehmende Dürrekatastrophen verschärft.

Die Welthungerhilfe befürchtet nun, dass das Ziel der Vereinten Nationen, bis 2030 auf "Null Hunger" zu kommen, weit verfehlt werden könnte. "Wenn wir bei der Hungerbekämpfung weiter so machen wie bisher, werden es 37 Länder bis 2030 nicht schaffen, ein niedriges Hungerniveau zu erreichen", sagte Thieme. Die Fortschritte seien in Folge von Ungleichheit, Konflikten, Vertreibung und Klimawandel viel zu gering. (APA/dpa)

Hunger bleibt in über 50 Ländern ein großes Problem

In mehr als 50 Ländern bleibt der Hunger ein großes Problem. Davon liegen 36 Staaten in Afrika, wie aus dem am Montag in Berlin vorgestellten Welthunger-Index hervorgeht. Schlusslicht ist in diesem Jahr der Tschad. Hier wird die Situation als "sehr ernst" bezeichnet. In die gleiche Kategorie stuft der Welthunger-Index die Lage in zehn weiteren Staaten ein: Osttimor, Madagaskar, Zentralafrikanische Republik, Burundi, die Komoren, Kongo, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen.

Der Index wird seit 2006 jährlich von der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellt. Die Welt sei "nicht auf Kurs, um den Hunger bis 2030 zu besiegen", sagte Welthungerhilfe-Präsidentin Marlehn Thieme im Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Wir müssen unsere Anstrengungen deutlich erhöhen und in zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz und auch der Handelspolitik gegensteuern." Dazu gehöre "ein Umdenken, wie wir unsere Nahrung produzieren und exportieren".

Der Welthunger-Index zeige, dass sich die Situation in vielen Ländern zu langsam verbessere, "in manchen verschlechtert sie sich sogar". Dabei könne die Studie die Folgen der Corona-Pandemie noch gar nicht abbilden, betonte Thieme. Die Überwindung von Hunger ist eines der 17 "nachhaltigen Entwicklungsziele", auf die sich die UN-Mitgliedsstaaten 2015 verständigten.

Der Welthunger-Index soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate. Die Experten werteten in diesem Jahr Zahlen zu 132 Ländern aus, wobei sie für 107 einen Index-Wert berechnen konnten.


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