Tödlicher Sturz von Terrasse: Wiener Anwalt Ende November vor Gericht

Ein Anwalt muss sich vor Gericht verantworten, weil er einen Kollegen zum Suchtgiftkonsum überredet haben soll, der dann einen tödlichen Unfall hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Juristen vor, sich nicht um den Kollegen gekümmert zu haben.

(Symbolfoto)
© APA/Fohringer

Wien – Im Zusammenhang mit dem mysteriösen Tod eines Wiener Rechtsanwalts im Sommer 2018 muss sich Ende November ein Berufskollege des Verstorbenen am Landesgericht für Strafsachen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Imstichlassen eines Verletzten vor. Der Jurist wurde nach Bekanntwerden der gegen ihn gerichteten Anschuldigungen vorläufig von der Kammer gesperrt und kann bis zur strafrechtlichen Erledigung der Causa seinen Beruf nicht mehr ausüben.

Der im Todeszeitpunkt 35 Jahre alte Anwalt galt als aufstrebender Top-Jurist. Er war auf Wirtschafts-, Kapitalmarkt- und Kartellrecht spezialisiert, in einer angesehenen Kanzlei tätig und hatte weder berufliche noch private Probleme. Daher wurde nach dem Sturz von der Terrasse ein Selbstmord ausgeschlossen.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Jurist vor seinem Ableben mit Freunden zum Abendessen in einem Lokal am Naschmarkt verabredet war. Dort traf er in der Nacht auf den 15. August 2018 zufällig einen anderen Anwalt, welcher – so die Annahme der Staatsanwaltschaft, die sich dabei auf Zeugenaussagen stützt – den 35-Jährigen zum Konsum von Suchtgift verleitet haben dürfte. Mit diesem Berufskollegen zog der 35-Jährige dann weiter, wobei sich sein Zustand aufgrund der konsumierten Substanzen zusehends verschlechtert haben soll. Ihm nahe stehenden Personen zufolge hatte der 35-Jährige bis dahin keinerlei Drogenerfahrungen.

Hilfe unterlassen

Die genauen Umstände des Todes ließen sich im Ermittlungsverfahren nicht klären. So konnte nicht festgestellt werden, ob sich der 35-Jährige in Gesellschaft befand, als er am Ende eines sehr langen Abends in die Tiefe stürzte. Die Anklagebehörde macht allerdings dem Anwalt, der dem 35-Jährigen Suchtgift überlassen haben soll, zum Vorwurf, seine Garantenstellung außer Acht gelassen zu haben. Mit seinem Verhalten habe er die schlechte körperliche Verfassung seines Kollegen bewirkt und sich nicht weiter um diesen gekümmert, obwohl er dazu gesetzlich verpflichtet gewesen wäre. Statt sich seiner anzunehmen und ihm die nötige Hilfe zuteilwerden zu lassen, habe er den 35-Jährigen seinem Schicksal überlassen.

Für den angeklagten Rechtsanwalt gilt die Unschuldsvermutung. Wie Gerichtssprecherin Christina Salzborn auf APA-Anfrage mitteilte, wurde die Verhandlung auf den 24. sowie den 26. November festgelegt. Die Staatsanwaltschaft hat knapp zwei Dutzend Zeugen beantragt hat. Außerdem müssen zwei Sachverständige gehört werden. Im Fall eines anklagekonformen Schuldspruchs drohen dem Anwalt bis zu drei Jahre Haft. (APA)


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