Ein Blick in die große Kristallkugel eröffnet die Zeit für Revanche

Die Jagd auf den Gesamtweltcup ist eröffnet: Nach der abgebrochenen Vorsaison sagen heuer die Geschlagenen den Siegern den Kampf an. Außenseiterchancen gibt's für die ÖSV-Equipe.

Die Gejagten im Gesamtweltcup: Titelverteidiger Federica Brignone (ITA) und Aleksander Aamodt Kilde (NOR).
© Roby Trab

Von Roman Stelzl und Max Ischia

Die Favoritinnen bei den Damen

  1. Mikaela Shiffrin (USA): Die 25-Jährige ist nicht die Titelverteidigerin, obendrein fehlt sie in Sölden – und dennoch muss eine Liste der Titelanwärterinnen immer mit der 66-fachen Weltcupsiegerin beginnen. Vor einer mehr als ungewissen Corona-Saison hat Shiffrin bereits drei große Kristallkugeln im Trophäenschrank stehen. Dass im Frühjahr keine vierte dazukam, ist mehr dem Umstand geschuldet, dass Shiffrin ihre Saison aufgrund des Todes ihres Vaters Jeff schon frühzeitig abbrach. Kommt sie zurück, ist sie die Top-Anwärterin.
  2. Federica Brignone (ITA): Familiäre Sorgen hatte im Sommer auch die 30-jährige Titelverteidigerin. Mutter und Ex-Skirennläuferin Maria Rosa Quario hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und wurde dann von Brignone betreut. Nun geht die 15-fache Weltcupsiegerin, die 2015 in Sölden ihr erstes Rennen gewonnen hatte, auf die Titelverteidigung los. „Ich bin noch nicht am Plafond angekommen“, sagte sie im Vorfeld. Die große Kugel soll ihr dabei Rückenwind geben.
  3. Petra Vlhova (SVK): Sie ist die Herausforderin Nummer eins von Mikaela Shiffrin. Die 25-jährige Riesentorlauf-Weltmeisterin mit dem Privat-Team rund um Ex-Tina-Maze-Coach Livio Magoni arbeitet hart an sich und gilt nun schon in mehreren Disziplinen als Sieganwärterin.
  4. Wendy Holdener (SUI): Der Geheimtipp aus der Schweiz war 2017/18 bereits Gesamtweltcup-Zweite. Ihren Start in Sölden bezeichnet sie als „kleines Wunder“, brach sich die Allrounderin doch erst kürzlich den rechten Schienbeinkopf.
  5. Katharina Liensberger (AUT): Im österreichischen Team drängt sich angesichts einer Technik-lastigen Saison nur die Vorarlbergerin für das Gesamtklassement auf. Daneben können Franziska Gritsch oder die Speed-Damen rund um Stephanie Venier nur überraschen.

📊 Die Top 5 der Vorsaison

Damen:

  1. Federica Brignone (ITA) 1378
 Punkte
  2. Mikaela Shiffrin (USA) 1225
 Punkte
  3. Petra Vlhova (SVK) 1189
 Punkte
  4. Corinne Suter (SUI) 837
 Punkte
  5. Marta Bassino (ITA) 817 Punkte

Herren:

  1. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 1202
 Punkte
  2. Alexis Pinturault (FRA) 1148
 Punkte
  3. Henrik Kristoffersen (NOR) 1041
Punkte
  4. Matthias Mayer (AUT) 916
 Punkte
  5. Vincent Kriechmayr (AUT) 794 Punkte

Die Favoriten bei den Herren

  1. Alexis Pinturault (FRA): Wer zuletzt zweimal Zweiter war, der muss um seine Zielsetzung nicht eigens gefragt werden. Selbstredend strebt der französische Edeltechniker den erstmaligen Gewinn des Gesamtweltcups an – und würde diesbezüglich nur zu gerne ähnlich erfolgreich starten wie im Vorjahr. Damals gewann Pinturault den Sölden-Auftakt vor Landsmann Mathieu ­Faivre.
  2. Henrik Kristoffersen (NOR): Seinen Fehlstart von Sölden (18.) hatte der Blondschopf vergangenen Winter mit dem Slalom-Triumph von Levi quasi standesgemäß ausgebügelt. Und auch sonst lief es für den 26-Jährigen zumeist rund, wie auch die Disziplinenkugeln in Slalom und Riesentorlauf beweisen. Und doch langte es im Jahr eins nach Marcel Hirscher nicht zur großen Kugel.
  3. Aleksander Aamodt Kilde (NOR): Viele Wege führen zum großen Weltcupkristall – während Marcel Hirscher als Seriensieger das Objekt der Begierde gleich achtmal in Folge einheimste, schlug das muskelbepackte Nordlicht mit nur einem Weltcupsieg, dafür stolzen 22-Top-Ten-Platzierungen zu. Dass in diesem Winter 22 Technik-Events nur 16 Speed-Rennen gegenüberstehen, spricht nicht zwingend für Kilde.
  4. Matthias Mayer (AUT): Bis zu seinem grippalen Infekt Ende Jänner mischte der Doppel-Olympiasieger vorne mit. Nicht nur, dass er mit der Kitzbühel-Abfahrt das prestigeträchtigste Rennen gewann, er feierte außerdem mit der Wengen-Kombi erstmals einen Erfolg abseits seiner Kerndisziplinen. Dass der Speed-Spezialist den Riesentorlauf im Programm lässt, unterstreicht seine Ambitionen.
  5. Marco Schwarz (AUT): Nicht zuletzt für ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel ist der Allrounder ein Top-Kandidat auf die Hirscher-Nachfolge. Nach einem Kreuzbandriss kehrte er vergangene Saison stark zurück. Diesen Winter soll er noch stärker sein.

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