Designated Survivor, Explained, House Of Cards: Streaming-Tipps zur US-Wahl

In zwei Wochen wird in den USA gewählt. Wer sich die Zeit bis zur Wahlnacht vertreiben, sich unterhalten und dabei bestenfalls auch noch weiterbilden will, der findet im Reich der Film- und Streamingwelt genügend Futter.

Kevin Spacey (r.) mischt in "House of Cards" das Weiße Haus auf. Die Serie (Netflix) ist nur eine von vielen Produktionen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.
© Patrick Harbron/Netflix

Von Matthias Sauermann

Washington – Am 3. November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Traditionell werden die Wahlen auch abseits der amerikanischen Grenzen mit Spannung verfolgt. Bis zur Wahlnacht gilt es jedoch noch einige Zeit totzuschlagen. Dabei helfen unsere Tipps für Serien, Filme und Dokumentationen, die sich um das Weiße Haus drehen. Im besten Fall sitzt man dann nicht nur wie gefesselt vor dem Bildschirm, sondern lernt auch noch etwas über das Innenleben der ältesten Demokratie der Welt.

🎞 Explained: US-Wahlen

Kontroverser könnte die Debatte im Vorfeld der Wahlen am 3. November nicht sein. Zu inhaltlichen Themen kommen auch kuriose Szenarien. So könnte Trump (wie 2016) theoretisch mit weniger Stimmen wieder Präsident werden. Wie kann das sein?

Ein Ableger eines beliebten Netflix-Formats setzt nun zur Erklärung an. In Explained: US-Wahlen werden auch andere Fragen rund um die Wahlen beleuchtet. Wie kann es sein, dass aktiv versucht wird, Bürger vom Wählen abzuhalten? Sind Wahlergebnisse käuflich? Und zählt in den USA jede Stimme eigentlich gleich viel?

Wer im November wirklich mitreden will, kann sich hier in kurzen Folgen der Miniserie effektiv weiterbilden – gesprochen von Hollywood-Legenden wie Leonardo DiCaprio. Sollte Empörung über das US-Wahlsystem aufkommen, ist das verständlich. Dann darf man aber auch die Frage aufwerfen: Dürfen denn bei uns alle Menschen wählen?

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🎞 Designated Survivor

Zu besonderen Anlässen, wie der Rede zur Lage der Nation, versammelt sich die gesamte Führungsriege der USA an einem Ort – dem Kapitol. Um im Falle eines katastrophalen Anschlages, der die Regierung vernichten könnte, dann nicht führungslos dazustehen, gibt es seit einigen Jahrzehnten einen sogenannten „designated survivor“. Gemeint ist damit ein Kabinettsmitglied, das abseits des Versammlungsortes unter strengste Bewachung gestellt wird. Trifft ein Anschlag das Kapitol in diesem Moment, wird der- oder diejenige Präsident.

Diese Fakten – einen „designierten Überlebenden“ gibt es seit dem Kalten Krieg – nimmt die neue Netflix/ABC-Serie „Designated Survivor“ zum Anlass, diesen Fall durchzuspielen: Was passiert, wenn ein völlig unvorbereiteter Mann in der schwersten Stunde der USA plötzlich ins Oval Office gedrängt wird.

Der Zuseher kann dabei zuschauen, wie Tom Kirkman nach dem verheerenden Attentat auf das US-Kapitol im Kapuzenpulli ins Weiße Haus geführt wird. Wo er ad hoc vereidigt wird und plötzlich die Geschicke der Nation leiten muss. Dabei versucht er sein Bestes, Ordnung in das Chaos zu bringen. Sich mit den Niederungen der Politik herumzuschlagen. Und gleichzeitig nicht zu vergessen, an was er eigentlich glaubt. Schwere Aufgaben in Anbetracht der Tatsache, dass der von Kiefer Sutherland gespielte Kirkman selbst nicht weiß, ob er dem Job überhaupt gewachsen ist.

Zur vollständigen Kritik der ersten Staffel geht es hier. Mittlerweile kann man gleich drei Staffeln der Serie binge-watchen. Dann geht es auch (Achtung Spoiler!) um Impeachment-Verfahren und einen schmutzigen Wahlkampf.

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🎞 House of Cards

Bereits sechs Staffeln dieses Klassikers sind abgedreht und stehen für Streaming-Marathons bereit. Wer mit der Handlung noch nicht vertraut ist: Alles dreht sich um den Kongressabgeordneten und Fraktionsführer Francis "Frank" Underwood. Nachdem diesem der gewünschte Posten als Außenminister unter einem neuen Präsidenten verweigert wird, sinnt er auf Rache. Fortan geht es darum, wie durch Intrigen, Manipulation und Machtgier Politik gemacht wird. Kevin Spacey brilliert darin als eiskalter Machtpolitiker, an seiner Seite die ebenfalls großartige Robin Wright. Wer die Serie noch nicht gesehen hat, sollte reinschauen: Alleine schon, um dann zu wissen, worum es in dem Hype eigentlich geht.

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🎞 Air Force One

Nach den neuen Produktionen wird es Zeit für einen älteren Klassiker. Der 1997 gedrehte Film "Air Force One" dürfte vielen US-Präsidenten gefallen haben. Darin wird die Präsidentenmaschine von Terroristen entführt, die einen der ihren freipressen wollen. Staatschef James Marshall (Harrison Ford) lässt es sich nicht nehmen, die für ihn vorgesehene Rettungskapsel herrenlos zu Boden gleiten zu lassen. Statt sich zu retten, bleibt er an Bord und nimmt es persönlich mit den Terroristen auf – um seine Familie zu retten.

Auch nach 23 Jahren ist "Air Force One" weiterhin sehenswert und bietet eine spannende, wenn auch nicht sehr anspruchsvolle, Abendunterhaltung. Wer sich zusätzlich amüsieren will, könnte versuchen, sich währenddessen den aktuellen Amtsinhaber in Fords Rolle vorzustellen...

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🎞 The Ides of March – Tage des Verrats

Aktueller wird es mit dem 2011 gedrehten Polit-Drama. Ryan Gosling spielt darin den politischen Berater Stephen Meyers, der voller Elan die Kampagne eines Gouverneurs um die Präsidentschaft unterstützt. Ein fataler Fehler, schmutzige Tricks, Affären und Skandale: Mit all dem wird der junge Mann konfrontiert. Und lernt auf schmerzhafte Weise, wie wenig die Wahrheit, Prinzipien, Integrität oder Inhalte im US-Wahlkampf zählen – zumindest in dieser Vision von George Clooney, der neben der Regie auch noch die zweite Hauptrolle übernahm.

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🎞 Lincoln

Ein Jahr später (2012) entstand ein weiteres Highlight, diesmal zu einem historischen Kapitel der US-Politik. Wir begleiten Abraham Lincoln durch seine letzten Monate. 1864/1865 steht der Bürgerkrieg in den USA vor seinem Ende. Der Präsident muss den Krieg beenden und will gleichzeitig sein großes Ziel erreichen, die Sklaverei abzuschaffen. Daniel Day-Lewis brilliert in dem zweifach oscarprämierten Streifen als nachdenklicher und empathischer Staatschef, der das moralisch richtige tun will.

Immer noch wird Abraham Lincoln als bisher bester Präsident verehrt. US-Präsident Barack Obama nannte ihn als großes Vorbild. Parteifreunde des aktuellen Präsidenten Donald Trump haben sich unter dem Titel "Lincoln Project" verbündet, um gegen die Wiederwahl des Republikaners zu kämpfen. Um was es im Mythos Abraham Lincoln geht, wird im Spielberg-Film beleuchtet.

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🎞 White House Down

Weniger seriös, dafür mehr Action: Wieder ein Jahr später drehte Roland Emmerich 2013 den Thriller "White House Down". Mit einem Staraufgebot aus Channing Tatum, Jamie Foxx und Maggie Gyllenhall bestückt ist diesmal das Weiße Haus Ziel einer Attacke. Die Story ist dabei in aller Kürze erzählt: Terroristen greifen unter schwerer Bewaffnung – und mit Hilfe von innen – den Präsidentensitz an. Ein zufällig anwesender Anwärter um einen Posten im Secret Service muss den Präsidenten beschützen. Und seine Tochter, die beim Bewerbungsgespräch zufällig dabei war.

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🎞 24

Ebenfalls actionreich, aber im Serienformat: Kiefer Sutherland tritt in seiner Paraderolle als Agent Jack Bauer in der Serie "24" gegen Terroristen an und ist dabei auch immer hautnah am US-Präsidenten dran. Der Clou dabei: Eine Folge dauert (Werbepausen mitgerechnet, die man sich beim Streamen sparen kann) exakt eine Stunde, alles Geschehene passiert genau in dieser Stunde. In der 24 Folgen langen Staffel wird somit genau ein Tag erzählt.

In der ersten Staffel steigen wir mitten ein in den US-Vorwahlkampf. Die Tochter von Jack Bauer wird entführt und dieser wird erpresst, ein Attentat auf David Palmer zu verüben – einem Anwärter auf die Präsidentschaft.

Die Serie hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, aber das Konzept ist nach wie vor Kult und verspricht Cliffhanger und Spannung ohne Ende.

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🎞 Trump: An American Dream

Wer ist der Mann, der derzeit die USA regiert? In der Netflix-Dokumentation "Trump: An American Dream" gewähren Freunde, Geschäftspartner, aber auch Kritiker Einblicke in das Leben des Vollblutamerikaners, der 2016 entgegen aller Erwartungen zum 45. US-Präsidenten aufstieg.

In der Serie, die seit 2018 auf Netflix verfügbar ist, werden Trumps beruflicher und privater Werdegang, diverse Anekdoten, vermeintliche Affären und die politischen Ambitionen des mittlerweile 74-Jährigen in Form von 50 Interviews erzählt. Tatsächlich kommt die politische Karriere Trumps – inklusive diverser Skandale – in der Doku jedoch recht kurz. Für die abendliche Unterhaltung als Einstimmung auf die US-Wahl in zwei Wochen ist dieser Mix aus Biografie, Unterhaltung und Kuriositäten aber fast ein Muss.

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🎞 Melania Trump – obskures Objekt der Macht?

Nicht nur Donald Trump selbst, auch seine Ehefrau Melania steht seit Amtsantritt ihres Mannes 2016 permanent unter medialer Beobachtung. Ist die Slowenin nur Objekt der Begierde und Spielball des US-Präsidenten? Oder ist es gar sie, die ein perfektes Spiel auf der Bühne der Mächtigen spielt?

Von ihrer Kindheit in Slowenien bis in den goldenen Käfig des Weißen Hauses bietet dieses erst kürzlich gedrehte Porträt einen spannenden Blick auf die First Lady der USA, Ikone des konservativen Amerikas. Dabei kommen vor allem weibliche Anhängerinnen des Ehepaars Trump zu Wort, die zum Teil verrückt anmutende Dinge dafür tun, um Melania nachzueifern.

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🎞 The Good Wife

Die von ihrem Mann betrogene Alicia Florrick kehrt nach jahrelangem Alltag als Ehefrau und Mutter in ihren Beruf als Anwältin zurück und heuert in einer Kanzlei an. Obwohl der Haussegen bei den Florricks schief hängt (Peter Florrick hat öffentliche Gelder veruntreut, war bei Prostituierten und sitzt zu Beginn der Serie im Gefängnis), steht Alicia ihrem Mann als Vorzeige-Ehefrau zur Seite – zumindest nach außen hin. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis plant Peter Florrick nämlich sein politisches Comeback und ist auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen.

Prozesse, Affären und Politik: Das alles gibt's in den sieben Staffeln von "The Good Wife" am laufenden Band. Begleitet wird jede Folge von einem gewissen Beigeschmack. Es scheint fast so, als sei es völlig egal, welche Leichen Politiker im Keller haben: Solange das Image nach außen hin passt und alle "heile Welt" spielen, ist für die Amerikaner alles in bester Ordnung.

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