Frauenanteil im Bundesdienst leicht gestiegen

Laut Gleichbehandlungsbericht ist der Frauenanteil im Bundesdienst in zwei Jahren von 42,1 auf 42,5 Prozent gestiegen. In traditionell männerdominierten Berufsgruppen ist ein sukzessiver Anstieg zu verzeichnen – etwa bei der Polizei. Aufholbedarf besteht bei Frauen nach wie vor in den oberen Gehaltsklassen.

Im Exekutivdienst stieg der Frauenanteil innerhalb von zwei Jahren von 16,5 auf 18,5 Prozent.
© TT/Thomas Böhm

Wien – Der Frauenanteil im Bundesdienst ist in den letzten beiden Jahren wieder leicht gestiegen. Ende 2017 waren 42,1 Prozent aller Beschäftigten des Bundes Frauen, Ende des Vorjahres ist dieser Anteil auf 42,5 Prozent angewachsen. Das geht aus dem Gleichbehandlungsbericht des Bundes hervor, der am Mittwoch von Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) im Gleichbehandlungsausschuss des Nationalrats vorgestellt wird.

Erhöht hat sich der Frauenanteil in 13 von 18 Ressorts bzw. Obersten Organen. Die höchste Steigerung erzielte der Rechnungshof, wo der Frauenanteil in den vergangenen beiden Jahren von 47,2 auf 50,5 Prozent wuchs.

Sukzessiver Anstieg in männerdominierten Berufsgruppen

In den Berufsgruppen Krankenpflegedienst, Lehrpersonen, Richterinnen und Richter und Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, sowie im Verwaltungsdienst liegt der Frauenanteil über 50 Prozent. In jenen Berufsgruppen, in denen in der Vergangenheit der Frauenanteil sehr niedrig war, ist ein sukzessiver Anstieg zu verzeichnen: im Exekutivdienst von 16,5 auf 18,5 Prozent und im Militärischen Dienst von 2,5 auf 3,2 Prozent. Weiters erhöht sich der Frauenanteil im Bereich der Schulaufsicht um 1,6 Prozentpunkte auf 47,0 Prozent.

Leicht gestiegen ist auch der Anteil der Akademikerinnen, jener der Hilfsdienste ist hingegen gesunken. Waren Anfang 2018 noch 56,6 Prozent der Akademiker und 44,1 Prozent der Maturanten im Bundesdienst weiblich, so sind diese Anteile Ende 2019 auf 57,0 bzw. 44,5 Prozent angewachsen. Auf der anderen Seite ist der Frauenanteil im Hilfsdienst von 45,0 auf 39,6 Prozent gesunken.

Mehr Frauen im Chefsessel

Und langsam aber sicher erobern die Frauen auch die Chefsessel im Bundesdienst. In den höchsten besoldungsrechtlichen Einstufungen waren Anfang 2018 35,3 Prozent Frauen vertreten, Ende 2019 waren es 36,2 Prozent. Verglichen mit dem Anteil der Frauen am Gesamtpersonal (42,5 Prozent) besteht trotz dieser Verbesserungen in der Vergangenheit immer noch Aufholbedarf.

Die in Ausbildung befindlichen Personen des Bundes sind in der Mehrzahl bereits weiblich. Sechs von 10 Lehrlingen sind Mädchen, dieser Anteil ist in den letzten beiden Jahren etwa konstant geblieben. Bei den Verwaltungspraktikanten ist der Frauenanteil von 65 auf 67 Prozent gestiegen.

Teilzeitbeschäftigung spielt im Bundesdienst eine deutlich geringere Rolle als in der Privatwirtschaft. Die Teilzeitquote der unselbstständig erwerbstätigen Frauen insgesamt beträgt 48,5 Prozent, im Bundesdienst hingegen nur 31,6 Prozent.

Raab: „Es hat sich einiges getan“

Frauenministerin Raab betonte im Vorfeld der Präsentation, dass sich besonders in männerdominierten Berufsgruppen „einiges getan“ habe und zog als Beispiel den Exekutvdienst heran: „Wo der Frauenanteil im Jahr 1995 noch bei 3,9 Prozent lag, stehen wir heute bei 18,5 Prozent“, betonte die Ministerin. Die Bundesregierung wolle auch weiterhin Frauen bei der Polizei explizit fördern.

Vizekanzler Kogler sieht sich als Minister für den öffentlichen Dienst gleich doppelt in der Verantortung – „einerseits in Bezug auf die Förderung der Geschlechtergleichstellung im Bereich des öffentlichen Dienstes selbst – da gibt es bereits einige gut funktionierende Maßnahmen, etwa im Bereich der Personalentwicklung oder des Personalcontrollings. Andererseits aber auch im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Vorbildwirkung des Bundes“. Hier habe der öffentliche Dienst den Anspruch, Vorreiter zu sein in Richtung Geschlechtergleichstellung, so Kogler.

Mehr Anträge bei der Gleichbehandlungskommission

In dem Gleichbehandlungsbericht ist auch der Bericht über die Tätigkeit der Bundes-Gleichbehandlungskommission enthalten. Diesem ist zu entnehmen, dass von 1. Jänner 2018 bis 31. Dezember 2019 144 Anträge behandelt wurden, wobei nur 54 oder 37,5 Prozent von bzw. für weibliche Bedienstete eingebracht wurden. (TT.com, APA)


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