European Premier League: Ärger und Unverständnis für Milliarden-Projekt

Eine neue Superliga könnte Europas Topclubs Milliarden-Einnahmen sichern. Das Vorhaben wird seit Jahren immer wieder diskutiert, nun kommt ein neuer Vorstoß aus England. Kritik gibt es von der UEFA.

Manchester United oder PSG spielen finanziell ohnehin in einer eigenen Liga. Nun soll sportlich wie finanziell der nächste große Schritt folgen.
© FRANCK FIFE

London – Der neue Vorstoß für eine milliardenschwere europäische Superliga hat Kritik und Ärger hervorgerufen. Ehemalige Profis und Fanvertreter aus England kritisierten das Vorhaben am Mittwoch, die Europäische Fußball-Union UEFA machte erneut ihre Ablehnung deutlich. Eine solche Liga aus 18 europäischen Topclubs würde „zwangsläufig langweilig werden“, hieß es von der UEFA. Nach Informationen britischer Medien wird die sogenannte „European Premier League“ von Meister FC Liverpool und Manchester United vorangetrieben.

Der frühere Liverpool-Profi und TV-Kommentator Jamie Carragher machte seinem Ärger mit drastischen Worten Luft. „Verpisst euch“, schrieb Carragher bei Twitter. Man-United-Ikone Gary Neville reagierte ebenfalls verärgert. „Der Fußball frisst sich selbst auf“, meinte Neville beim Sender Sky Sports, „denn die Fans werden sich abwenden.“

Liverpool-Coach Jürgen Klopp wollte sich zunächst nicht zu den Plänen äußern. „Ich habe absolut keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen“, sagte er am Dienstag auf einer Pressekonferenz. „Ich bin da nicht involviert, ich kümmere mich um das Tagesgeschäft.“

Den Berichten zufolge soll die Superliga mit rund fünf Milliarden Euro von Investoren unterstützt werden. Angesichts der finanziellen Probleme, die zahlreiche Fußballvereine in Großbritannien aufgrund der Coronavirus-Pandemie haben, sorgt das für Empörung. „Wir müssen uns um die Struktur des Spiels kümmern und darum, was es für die Gemeinden in diesem Land bedeutet“, mahnte Neville.

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UEFA-Präsident Alexander Ceferin hatte die Idee mehrfach kategorisch abgelehnt. Die Prinzipien der Solidarität, des Aufstiegs, des Abstiegs und der offenen Ligen seien nicht verhandelbar, hieß es in einer Mitteilung. Nur dadurch funktionierten der europäische Fußball und die Champions League. Der Weltverband FIFA, der die Pläne angeblich befürwortet, kommentierte die Berichte nicht.

Javier Tebas, Präsident von Spaniens La Liga, unterstellte den Initiatoren „totale Unwissenheit“ in Bezug auf den internationalen Fußball und mangelnde Kenntnis der Übertragungsrechte.

Milliardenschweres Vorhaben „der letzte Sargnagel"

Die Football Supporters‘ Federation (FSF), ein Fanzusammenschluss mit mehr als 500.000 Mitgliedern, äußerte ebenfalls ihren Unmut über die Pläne. „Sie entlarven den Mythos, dass milliardenschwere Inhaber sich um die englische Fußballstruktur kümmern oder um irgendetwas anderes als ihre eigene Gier“, teilte der FSF-Vorsitzende Kevin Miles mit. „Das ist wohl der letzte Sargnagel für den Gedanken, dass man sich darauf verlassen kann, dass der Fußball sich selbst reguliert.“

Die Idee einer Superliga ist nicht neu und kam in den vergangenen Jahren auch immer dann auf, wenn es um Reformen der Champions League ging - die bisher jedoch erfolglos verliefen. Zuletzt hatten die Inhaber von Liverpool und ManUnited die englische Premier League reformieren wollen, waren damit aber ebenso gescheitert. (dpa)


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