In zwei Wochen wird in USA gewählt: Spannung vor letztem TV-Duell

Die mit Hochspannung erwartete Präsidentschaftswahl in den USA nähert sich mit großen Schritten. Nur noch 13 Tage sind es bis zum Dienstag nach dem ersten Montag im November, in den USA traditionell Wahltag. Am Donnerstag stehen sich die beiden Kontrahenten noch einmal gegenüber. Die Organisatoren haben Vorkehrungen getroffen, damit die Debatte diesmal möglichst nicht aus dem Ruder läuft.

US-Präsident Donald Trump (l.) und Ex-Vizepräsident Joe Biden bei der ersten TV-Debatte.
© MORRY GASH

Von Matthias Sauermann

Washington – Zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl (und nicht zu vergessen: der Kongresswahl) in den USA bieten Umfragen ein eigentlich wenig Spannung versprechendes Bild: Herausforderer Joe Biden liegt landesweit haushoch in Führung und auch in den entscheidenden Swing States hat der Demokrat großteils die Nase vorn. Dennoch könnte das Duell spannender kaum sein: Zu groß sind die Gegensätze zwischen den beiden Lagern, zu sehr fürchten die einen den Wahlsieg des jeweils anderen. Die Präsidentschaft von Donald Trump hat die ohnehin bereits bestehende Polarisierung weiter verstärkt. Dazu kommt, dass der Schock von 2016 für Trump-Gegner noch tief sitzt. Auch damals lag Hillary Clinton in Umfragen vorne, musste sich aber dann dennoch gegen Trump geschlagen geben.

Heuer schaut es nicht danach aus. Zu groß ist der Vorsprung von Joe Biden. In Swing States, also Staaten, in denen die Wahl in die eine oder andere Richtung ausgehen kann – wie Michigan, Wisconsin oder Minnesota – ist Biden klar vorne. In Pennsylvania scheint das Rennen knapper zu werden, aber auch hier liegt Biden noch vorne – und Statistik-Guru Nate Silver von FiveThirtyEight rät speziell in den letzten Tagen vor der Wahl, nicht auf einzelne neue Umfragen zu achten, sondern auf den Durchschnitt mehrerer Umfragen über mehrere Tage. Alleine diese Ergebnisse würden Biden das Weiße Haus sichern. Zusätzlich liegt der Demokrat sogar in Florida vorne und ist selbst in Texas in Schlagdistanz zu Trump.

📊 Aktuelle Umfrage: Verteilung im Electoral College nach derzeitigem Stand

Sorge um lange Auszählung und mögliche Betrugsvorwürfe

Halten die Umfragen, könnte ein Erdrutschsieg für Biden bevorstehen. Allerdings ist das noch alles andere als sicher. Aus mehreren Gründen. Da wäre einmal der Faktor, dass nicht unbedingt alle Wähler, die in Umfragen angeben, zu wählen, auch zur Wahl gehen werden. Gerade wegen der Corona-Pandemie und bei steigenden Zahlen könnte das am Wahltag die Wähler bei einem sicher geglaubten Sieg für Biden vom Urnengang abhalten. Dann ist die Frage, ob die Stimmen, die abgegeben werden, auch gezählt werden. Die Republikaner haben bereits bewiesen, dass sie nicht davor zurückscheuen, gegen die Auszählung von Stimmen gerichtlich vorzugehen. In Pennsylvania machte es etwa ein Patt am Obersten Gericht nun haarscharf möglich, dass auch drei Tage nach der Wahl eingegangene Briefwahlstimmen noch gezählt werden dürfen. Die vier konservativen Richter stimmten dabei dagegen, konnten jedoch keine Mehrheit bilden und deshalb blieb das Urteil der unteren Instanz bestehen.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

📊 Umfrage | Wer gewinnt die US-Wahl am 3. November?

Dazu kommt, dass deutlich mehr Demokraten als Republikaner vorhaben, ihre Stimme per Briefwahl abzugeben. Nun sorgen sich Demokraten vor allem vor jenem Szenario: Was ist, wenn US-Präsident Donald Trump bei den Stimmen am Wahlabend vorne liegt, dann erst mit Auszählung der Briefwahlstimmen in den entscheidenden Swing States hinter Biden rutscht, und dann deshalb die Wahl für ungültig erklärt und mit Betrug argumentiert? Wie reagieren dann die Gerichte, wie die Bürger? Vor Unruhen wurde bereits gewarnt. Dass Trump mit einem solchen Vorgehen kokettiert, ist nicht weit hergeholt. Seit Monaten verunglimpft er ohne Beweise die Briefwahl als betrugsanfällig und behauptet sogar, die Demokraten könnten die Wahl gegen ihn nur durch Betrug gewinnen.

Die Statistikplattform FiveThirtyEight sieht Biden derzeit in 87 von 100 Fällen als Sieger aus der Wahl hervorgehen, Trump nur aus 12. Aber: Das macht Trumps Sieg unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass die Wahlnacht von 3. auf 4. November noch keinen klaren Sieger oder zumindest noch kein zweifelsfreies Ergebnis liefern dürfte. Zu viele Stimmen werden per Brief abgegeben, zu lange wird die Auszählung dauern. Amerikaner dürfen sich auf ein langes Zittern einstellen.

TV-Duell als letzte Chance für Trump?

Ein Ereignis gilt es außerdem noch abzuwarten, das vielleicht ein letztes Mal die Gelegenheit für Trump bietet, auf großer Bühne aktiv in das Rennen einzugreifen und Wähler zu überzeugen. Am Donnerstag (3 Uhr in der Nacht auf Freitag nach mitteleuropäischer Zeit) stehen sich der Präsident und sein Herausforderer Joe Biden zum zweiten und letzten Mal im Rahmen einer TV-Debatte gegenüber. Die erste Debatte war nach andauernden Unterbrechungen und Provokationen des US-Präsidenten in Chaos abgeglitten, die eigentlich geplante zweite Debatte wurde nach der Corona-Erkrankung des Präsidenten abgesagt. Ein Fernduell per Videoschaltung hatte Trump abgelehnt.

Nun wird das dritte geplante Duell zum zweiten umfunktioniert. Und die unabhängige Kommission versucht, mit neuen Regeln ein zweites Chaos zu verhindern. Auch bei der ersten Debatte hatten die beiden Kandidaten vereinbart, nach jeder Frage jeweils eine zweiminütige Antwort ohne Unterbrechung abgeben zu dürfen. Vor allem US-Präsident Donald Trump hielt sich nicht daran und fiel Joe Biden andauernd ins Wort. Für die zweite Debatte soll nun den Kandidaten während den zwei Minuten des Gegenübers das Mikrofon abgedreht werden. Dem Präsidenten schmeckt das nicht – er attackierte die Kommission als voreingenommen für Biden.

Themen stoßen im Trump-Lager auf Kritik

Nun gilt es abzuwarten, ob diesmal eine sinnvolle inhaltliche Debatte zustande kommt. Zu debattieren gäbe es eigentlich genug. So sind die USA nach wie vor mitten in der folgenschwersten Pandemie seit hundert Jahren. Mehr als 220.000 Amerikaner sind bereits mit oder an den Folgen von SARS-CoV-2 und der dadurch ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Moderatorin Kristen Welker (NBC) wählte als sechs Themenkomplexe folgende aus:

  • Kampf gegen Covid-19
  • Amerikanische Familien
  • Rasse in Amerika
  • Klimawandel
  • Nationale Sicherheit
  • Leadership

Die Trump-Kampagne versuchte mit einem Protestbrief, die Auswahl der Themen noch anzupassen. Demzufolge sollte eigentlich über Außenpolitik debattiert werden, wie es üblicherweise in der dritten Debatte der Fall ist. Durch die ausgefallene zweite Debatte hatte sich jedoch der Fokus verschoben. Kritiker des Präsidenten behaupten, Trump wolle sich davor drücken, Fragen zur Reaktion der Regierung auf die Corona-Pandemie zu beantworten. In diesem Themenbereich hat Trump verheerende Zustimmungswerte. Seit dem Ausbruch der Pandemie sind die Umfragewerte Trumps abgestürzt.

Auch gilt es darauf zu achten, ob Trump seine Strategie fortsetzt, den Kontrahenten Biden zu provozieren und so aus der Ruhe zu bringen und zu Fehlern zu bringen – und ob Biden in die Falle tappt oder so wie in der ersten Debatte großteils Ruhe bewahrt und sich nicht zu Beschimpfungen Trumps oder Versprechern hinreißen lässt. Es wird erwartet, dass Trump wieder die Familie Bidens angreifen dürfte, vor allem Bidens noch lebenden Sohn Hunter Biden und dessen Verbindungen in die Ukraine.

📽 Die TV-Debatte live auf TT.com

Auf TT.com finden Sie am Freitagmorgen ab 3 Uhr einen Livestream zur TV-Debatte. Im Anschluss dazu gibt es wie gewohnt gleich in der Früh eine Zusammenfassung der TV-Debatte mit den Highlights zum Nachsehen.


Kommentieren


Schlagworte