Neue Strategie: Künftig gibt's Corona-Tests auch beim Hausarzt

Auf "freiwilliger Basis" dürfen Hausärzte in Österreich ab Donnerstag sogenannte Antigentests bei Patienten mit Covid-Symptomen durchführen. Die Testkosten übernimmt die Sozialversicherung.

Antigentests beim Hausarzt sollen die Gesundheitshotline 1450 entlasten.
© PHILIPPE LOPEZ

Wien – Niedergelassene Ärzte dürfen ab morgen, Donnerstag, in ihren Praxen Covid-19-Antigentests durchführen - auf "freiwilliger Basis", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Eine entsprechende Verordnung tritt morgen in Kraft. Patienten mit Symptomen können künftig nach telefonischer Terminvereinbarung den Abstrich beim Hausarzt abnehmen lassen. Die Testkosten übernimmt die Sozialversicherung.

Wir wollen es nicht mehr erleben, dass Menschen selbst an sich herumdoktern oder zu lange auf ein Testergebnis warten. Kranke Menschen gehören zum Arzt ", sagte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. "Die Möglichkeit zu testen macht uns das Leben sehr viel leichter", konstatierte die Medizinerin. "Kranke Menschen müssen behandelt werden", betonte auch Wolfgang Mückstein, Leitung des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf.

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Die Antigentests werden im Rahmen der heimischen SARS-Cov-2-Teststrategie durchgeführt. Die Probeentnahme erfolgt mittels Nasen-Rachen-Abstrich und darf nur von medizinischem Fachpersonal gemacht werden. Bei einem positiven Test muss zusätzlich ein PCR-Test durchgeführt werden. Beim Antigen-Test wird kein Labor zur Auswertung benötigt, das Ergebnis steht innerhalb kurzer Zeit fest. Die Tests sind laut Anschober in großer Stückzahl verfügbar und preiswert.

Die Möglichkeit der zusätzlichen und schnelleren Testung "wird uns viel Freud machen und mehr Tempo reinbringen", sagte der Gesundheitsminister. Als weitere Anwendungsbereiche sieht er Spitalsambulanzen, Schulen sowie Alten- und Pflegeheime.

Ärzte ohne Tests "relativ hilflos in der Differenzialdiagnostik"

"Wir haben nun diese Möglichkeit festzustellen, ob ein Patient an Covid erkrankt ist oder an etwas anderem, wir müssen das entscheiden können", meinte Rabady. Ohne den Test seien Ärzte "relativ hilflos in der Differenzialdiagnostik". So habe es beispielsweise bereits Patienten mit Rückenschmerzen gegeben, bei denen der Covid-Test positiv ausfiel.

Wolfgang Mückstein, Leitung des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf, hat in den vergangenen drei Wochen in einem Probebetrieb in seiner Praxis bereits rund 100 Patienten getestet. "Die Vorteile liegen auf der Hand, das Ergebnis ist in 15 Minuten da und der Abstrich einfach durchzuführen", berichtete er. Tests gebe es genug. Die Lieferung dauert "ein paar Tage", sagte Mückstein, der sich sicher war, "dass genug Ärzte" mitmachen werden. Zum praktischen Arzt kommen Erkrankte nach zwei bis drei Tagen mit Symptomen, zu diesem Zeitpunkt hätten die Antigen-Tests eine Sensitivität von über 90 Prozent, sagte der Mediziner. Klar sei, dass infektiöse von nichtinfektiösen Patienten getrennt werden müssen. Die Antigen-Testung soll entweder in separaten Räumlichkeiten oder mit zeitlicher Trennung durchgeführt werden.

Im Unterschied zu PCR-Tests wird bei Antigen-Tests nicht das Erbgut des Virus nachgewiesen, sondern dessen Protein bzw. die Proteinhülle. Wie auch beim PCR-Test kann beim Antigentest eine mögliche Infektion nur zum Testzeitpunkt festgestellt werden.

Ärzte bekommen Fallpauschale zwischen 35 und 65 Euro

Verwendet werden müssen laut Verordnung CE-zertifizierte Testprodukte. Diese kosten rund acht bis zehn Euro, sagte Mückstein. Ärzte erhalten für Material, Probeentnahme, Auswertung des Antigen-Tests, Dokumentation und Gespräch mit den Patienten vom Krankenversicherungsträger eine Fallpauschale zwischen 35 und 65 Euro, je nachdem wie viele Tests sie durchführen.

Gesundheitsminister Anschober erwartet sich durch die zusätzliche Testmöglichkeit eine "deutliche Verbesserung". Auch könne die Gesundheitshotline 1450 dadurch deutlich entlastet werden. Wichtig sei, dass "wir jetzt starten können", in der "klassischen Herbstphase" mit Schnupfen und Co.. Antigen-Tests sind laut Anschober jedenfalls "ausreichend vorhanden", außerdem kommen laufend neue Anbieter hinzu. Wie viele Ärzte sich an den Abstrichen in der eigenen Praxis beteiligen werden, könne nicht gesagt werden, weil es auch kein Anmeldesystem gibt. Rückmeldungen ließen jedoch auf eine "hohe Bereitschaft und ein hohes Interesse, dabei zu sein" schließen. Mückstein geht davon aus, dass "diejenigen, die die Voraussetzungen zu testen, erfüllen, dabei sein werden". (APA)


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