Geheimdienste: Iran und Russland stahlen Wählerdaten von Amerikanern

Laut US-Geheimdiensten haben sich der Iran und Russland Zugriff auf die Daten von Wählern verschafft. Diese könnten zur Beeinflussung verwendet werden. Droh-Mails im Namen einer rechten Gruppierung sollen angeblich vom Iran versendet worden sein.

Der von Trump nominierte Geheimdienstkoordinator John Ratcliffe (Republikaner).
© ANDREW HARNIK

Washington – Der Iran und Russland mischen sich laut dem US-Geheimdienstkoordinator in die US-Wahlen ein. Sie verbreiteten Falschinformationen und hätten illegal "einige" persönliche Daten registrierter Wähler erbeutet, sagte John Ratcliffe am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington. Die Daten könnten missbraucht werden, um Wähler falsch zu informieren und Verwirrung zu stiften. Gleichzeitig versicherte er den Amerikanern, dass die Integrität der Wahl am 3. November nicht gefährdet sei.

"Seien sie versichert: Ihre Stimmen sind sicher", so Ratcliffe. Der Chef der Bundespolizei FBI, Christopher Wray, fügte hinzu: "Wir werden keine Einmischung aus dem Ausland in unsere Wahl oder jegliche kriminelle Aktivitäten tolerieren, die die Unversehrtheit Ihrer Stimme oder das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Ergebnis der Wahl untergraben."

Keine Details über erbeutete Daten

Ratcliffe und Wray machten keine Angaben dazu, wie viele Wählerdaten der Iran und Russland erbeutet haben sollen. Die Daten registrierter Wähler werden in den USA in der Regel vor Ort in Bezirken und Kommunen gespeichert. Es wurden auch keine Angaben dazu gemacht, aus welchen Bundesstaaten oder Orten die Wählerdaten stammen sollen.

Die New York Times berichtete, Regierungsmitarbeiter hätten nicht behauptet, dass das System der Wählerregistrierung gehackt worden sei. Die Namen von Wählern, Parteizugehörigkeit und einige Kontaktinformationen seien öffentlich zugängig. Diese Informationen können mit anderen Angaben wie E-Mail-Adressen aus anderen Datenbanken verknüpft worden sein, zitierte das Blatt einen Geheimdienstmitarbeiter. Dazu könnten auch Informationen gehören, die Hacker-Netzwerke im Darkweb (anonyme Netzwerke) verkauft hätten.

Droh-Mails an Demokraten laut Ratcliffe von Iran versendet

Laut Ratcliffe verschickten iranische Stellen E-Mails mit dem Ziel, "Wähler einzuschüchtern, sozialen Unfrieden zu schüren und Präsident Trump zu schaden". Bei den von iranischen Stellen verschickten E-Mails handelte es sich offensichtlich um kürzlich bekannt gewordene Schreiben, die im Namen der rechtslastigen US-Gruppe Proud Boys gesendet wurden, wie US-Medien unter Berufung auf das Heimatschutzministerium berichteten. Die E-Mails gingen demnach vor allem an demokratische Wähler in Teilen der US-Staaten Alaska und Florida. Die Empfänger wurden bedroht und aufgefordert, für Trump zu stimmen. Ratcliffe nannte keine Einzelheiten zu den E-Mails, sondern verwies auf die Medienberichte.

Der Iran wies den Vorwurf einer Einmischung zurück. Der Iran habe weder ein Interesse an der US-Wahl noch an dem Ergebnis, twitterte der Sprecher der iranischen UNO-Mission in New York, Alireza Miryousefi, am Donnerstag. Auch Präsident Hassan Rouhani erklärte, dem Iran sei es egal, wer in den USA die Wahl gewinnen wird.

Geheimdienste sehen Interesse Irans an Abwahl Trumps

Allerdings leidet das Land unter harten Sanktionen, die die Regierung von US-Präsident Trump nach dem einseitigen Ausstieg aus dem Atomabkommen verhängt hat. Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass Teheran auf eine Abwahl Trumps hofft. Inwiefern die E-Mails, die zur Wahl Trumps aufforderten, diesem Zweck gedient hätten, blieb unklar.

Zusätzlich habe der Iran ein Video veröffentlicht, in dem fälschlicherweise behauptet werde, dass es leicht sei, im In- und Ausland gefälschte Stimmen abzugeben, sagte Ratcliffe.

"Diese Handlungen sind verzweifelte Versuche von verzweifelten Feinden", sagte Ratcliffe. Die Geheimdienste hätten bisher noch keine solchen Handlungen durch Russland festgestellt. So wie schon 2016 habe Moskau aber Daten zu Wählern erbeutet. (APA, dpa)


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