Floralverkehr im Emregency Room: Das war die 2. Folge „Bachelorette“

Woche zwei bei der „Bachelorette“ und die ersten Masken fallen. Für die allermeisten Grauslichkeiten sorgt Partybiene Emre – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Weitere Abgründe tun sich in der eiskalten Todespeniswasserschlucht auf. Und Melissa ist diesmal nicht die Einzige, die Blümchen verteilt. Eine TV-Kritik.

Merke: Wenn Melissa dich nicht mag, sagt sie es dir durch die Blume.
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Von Tamara Stocker

Innsbruck – Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Die neue Rosenregentin Melissa durfte in der ersten Folge leider nicht alle Typen aus ihrem griechischen Fummelreservat verbannen. Wir haben es also immer noch mit den gleichen farblosen Flachzangen wie in der Vorwoche zu tun – und vier davon heißen auch immer noch Daniel. Die gute Nachricht: Auf RTL ist einfach Verlass. Der Sender hat wieder einmal alle Mühen gescheut und sich einen verurteilten Straftäter ins Burschenboot geholt. Als wäre der ganze Krimikrams von „Bachelor“ Knasti-Basti nicht genug gewesen, schlägt „Bachelorette“-Kandidat und Group-Tekkan-Gedächtnismitglied Emre in eine ganz andere Kerbe: Vor vier Jahren musste er 2000 Euro blechen, weil er eine Frau in der Umkleidekabine fotografiert hat.

Der Wohnsinn geht los

Wenigstens zeigt sich das Spannferkel gegenüber der Bild-Zeitung maximal einsichtig: „Ich verstehe die Aufregung nicht ganz." Na dann ist ja alles gut. Umso aufgeregter sind die verbliebenen Fummelfrischlinge, die in der ersten Nacht der Stachelwaren noch nicht aufgespießt worden sind und sich jetzt traditionell in ihrem Gehege einquartieren. Melissa schneit auch gleich korbbewaffnet zur ersten Raubtierfütterung herein und wird von dem rammelreifen Rudel beschnüffelt, als läge sie wie ein waidwundes Rehkitz in einem abgeschiedenen Waldstück. Oder wie Moritz, der selbst ein totes Tier auf dem Schädel trägt, es nennt: „Sauwitzig, dieses Balzverhalten erwachsener Männer zu beobachten.“ Ok. An dieser Stelle habe ich zwei Fragen: Erwachsene?????? Männer??????

Melissa: „Mir kommt vor, als wäre das ganze Haus vollgewesen." War es auch, die 19 Typen haben ja vorher 12 Flaschen Champagner geext.
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Melissa will scheinbar auch auf Nummer sicher gehen und quetscht die spätpubertären Spunde über ihre privaten Wohnsituationen aus. Leider grölt niemand, dass er mit seiner Frau und dreieinhalb Kindern auf 25 Quadratmetern haust, dafür betitelt Christian seine Ex-Freundin als „Untermieterin", Angelo teilt sich eine Hütte mit seinem Hund und Emre residiert mit 30 noch dekadent im Hotel Mama. „Aber ich pass auf sie auf", schießt er gleich hinterher und ich glaube eher, man sollte die Menschheit vor Typen wie Emre beschützen.

Der berühmte Enkeltrick

Dramatischer wird's nur, als Räucherstäbchenfetischist Daniel B. mit Melissa „unter vier Augen" reden will, um ihr seine prekären Lebensumstände zu beichten. „Ich bin Reisender" sagt er zu ihr, und kurz dachte ich, er sei obdachlos. Aber nein, Schamaniel wohnt bei seiner Großmutter – und das ist wohl der billigste Euphemismus für den Enkeltrick aller Zeiten. Der Bayer will so „ein Auge auf sie werfen" und irgendwie hab' ich jetzt nicht nur Angst um Emres Mama, sondern auch noch um Daniels Oma. Ich hoffe, sie genießt die sturmfreie Bude.

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Bevor sich auch Melissa wieder in ihr männerverwaistes Etablissement zurückflüchtet, verkündet sie noch die vier Auserwählten für das erste Gruppendate, als würde sie sich gerade ihre zum Scheitern verurteilte Völkerballmannschaft zusammenstellen. Emre meldet sich zwar freiwillig, landet damit aber keinen großen Wurf. Zum Wandertag mit dürfen Weltenbummsler Rouven, der dank „Bachelorette" jetzt arbeitslose Moritz, der hundsfade Angelo, Omade Daniel und the one and only Grieche Ioannis.

Temperatur- und andere Stürze

Soll noch einer sagen, auf dem Mars existiert kein außerirdisches Leben.
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Irgendwo in der griechischen Pampa bricht die Wander-WG dann zum Survival-Marsch auf. „Hier sieht's aus wie aufm Mars", befindet der kontinentbewanderte Rouven. Und tatsächlich: Hier laufen fünf außerirdische Gestalten frei herum. Spätestens, als Ioannis sagt, Melissa sähe mit ihren geflochtenen Haaren und dem engen, gelben Leiberl aus wie Lara Croft, steht fest, dass die Typen in irgendeinem Paralleluniversum leben.

Die Klettentour führt die höhenängstliche Melissa und ihr qualitätsmängeltriefendes Quintett über raue Felsen hinweg in Abgründe, die beinahe so tief wie die Sendung selbst sind. Oder wie Rouven es nennt: „Abseilen in die Todes-Penis-Wasserschlucht". Der hat sich den Tipp eines berühmten Mediziners nämlich prompt zu Herzen genommen, der da lautet: „Den Hodensack in kaltes Wasser hängen". Daher demonstriert er uns auch gleich anschaulich, wie kühl das Nass wirklich ist: „Ich hab' meinen Penis noch nie so klein gesehen. War schon Innenwuchs." Deep Talk Level: infinity.

Unterleibsliebhaber Rouven redet wie immer über sein liebstes Körperteil.
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Angelo bescheinigt Melissa „unglaublichen Respekt, dass sie das Ding durchgezogen hat" – und meint damit nicht Rouvens Schrumpelstilzchen, sondern den Umstand, dass sie sich doch tatsächlich getraut hat, sich abzuseilen. Ja, ganz, ganz toll, FÜR EINE FRAU. Denn als FRAU müsste sie ja für normal hysterisch schreiend und flennend davonrennen. So will es das Hinterwäldlergesetz aus dem 17. Jahrhundert!

Herdkundeunterricht mit Emre

Und wie es sich für einen richtigen Mann gehört, wollte Angelo dann im Flussbett die Führung übernehmen – blöderweise ist er bei einem Stellungswechsel auf einem Stein ausgerutscht und hat Melissa unter sich begraben. Umringt von aufgescheuchten Crewmitgliedern liegt Angelo da, wie ich nach fünf Sit-ups: Regungslos und nicht mehr fähig, weiterzuleben. Ich finde das grob fahrlässig und frage mich, wann endlich Dr. Bob aus dem Gebüsch hüpft?

Wenn du keinen Bock mehr auf die ganze Sportkacke hast und dich einfach tot stellst.
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Der noch viel schlimmere Unfall spielt sich währenddessen bei den Daheimgebliebenen ab: Emre kocht. Für seine Kreation klatscht er drei Eier, Käse und Petersilie zu einer glibbrigen Pampe zusammen – die Quintessenz dieses streng geheimen Familienrezepts sind aber „Haarflocken". Sein „Großgroßopa" (was für ein Verwandtschaftsgrad das auch immer ist), so erzählt der Schuppenkaspar, habe das auch immer gegessen und dadurch die Fähigkeit erlangt, „Bienen in seinen Händen zu töten." – Ist diese Geschichte wahr oder frei erfunden? Jedenfalls bald neu bei RTL im Programm: Emre-Faktor, das Unfassbare!

Haarflockenschlotze à la Emre.
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Der Großgroßenkel von Gevatter Bienensterben nötigt dann noch Knödeldutt-Alex dazu, von diesem pfanntastischen Gaumenschmaus zu naschen. Es schmeckt ihm sogar so gut, dass er es prompt in der nächstgelegenen Mülltonne speichelversetzt versenkt. „Worst of Chefkoch"-Admin Emre ist von seinen kulinarischen Katastrophen hingegen sehr angetan: „Wenn es darauf ankommt, mach ich brutal essen.“ Joa. Das sag ich zu meinem Lieferando-Boy auch immer, nachdem ich fünf Tage hintereinander Essen bestellt habe.

Mit dem Bimmelzug straight in den Emregency Room

Damit die Kerle endlich mal was Vernünftiges zwischen die Kauwerkzeuge bekommen, nimmt die „Bachelorette" Emre am nächsten Tag mit aufs zweite Gruppendate. RTL hat dafür extra einen muffigen Kostümverleih ausgeraubt und die Typen in trachtige Griechengewänder gesteckt. Im schnuckeligen „Love Train" tingeln sie erst im Schritttrempo über Kretas Landstraßen – bis Emre plötzlich Vollgas gibt und das Ding mit einer (verbalen) Entgleisung nach der anderen an die Wand fährt. Sein Verknalltheitsgeständnis „Ich hab jetzt so Raupe, langsam geht's in Richtung Schmetterling" kommt bei Melissa ebenso gut an wie „Du hast süßes Blut. Oh, ich wäre auch gern die Mücke gewesen". So gut sogar, dass sie sein einmaliges Massageangebot spontan ausschlägt: „Ich mag nur kraulen. ABER BITTE NICHT JETZT!" Ja, so in etwa flirte ich auch immer.

Wenn du super unbequem in Quasimodo-Haltung im Bimmelzug kauerst, weil Emres Arm auf der Lehne stört und jede Berührung eine zu viel wäre.
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Aber Emre wäre nicht Emre, würde er das Unangehnemigkeitslevel nicht in noch höhere Sphären hieven. Er erlaubt Melissa, ihre Träume zu leben. Wow, er ist aber auch ein Traumtyp! Aber auch der größte Gönner muss irgendwann mal Grenzen setzen: „Wenn Melissa meine Freundin wird, dann lass' ich sie mit gar keinem mehr quatschen." Ganz ehrlich? Ich mag seine moderne Einstellung gegenüber Frauen. Endlich mal ein Feminist in der Sendung. Bitte mehr davon!

Da stellt's einem die Nackenhaare auf.
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Und natürlich weiß Emre auch, „was Frauen gefällt". Spoiler: Heimliche Fotos in der Damenumkleide sind es nicht. Nein, natürlich steht JEDE Frau auf spontane Nackenschmatzer von fremden Perverslingen. „Das ist schön, wenn man da hin küsst. Da kriegt man Gänsehaut", plaudert der 0%-Johnny-100%-Depp-Typ aus dem Annäherungskästchen. Stimmt, ich bekomm' allein vom Zuschauen Gänsehaut. Vor Ekel. Innenwuchs, wohlbemerkt. Und Melissa findet's sogar so geil, dass sie wenig später bei der Verabschiedung die Knoblauchfahne hisst, nur, um Emres Musterknabbern der hinteren Halsgegend zu entgehen. „Nicht küssen", sagt sie bestimmt, aber freundlich.

Emre nimmt's gelassen. „Ich bin sauer gerade. Was will die nicht küssen, Alter? Wenn ich sie küssen will, dann hat sie sich küssen zu lassen." Boah. Also wirklich. Was erlaubt Melissa sich eigentlich? Denkt sie etwa, sie dürfte über sich und ihren Körper selbst bestimmen? Lächerlich! Wo leben wir denn? Etwa im 21. Jahrhundert?

Respekt vor Frauen stand in Emres Hotel Mama scheinbar nicht am Menüplan.
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Kleine Randnotiz für alle Emres da draußen: Frauen sind kein Grundrecht. Schockierender ist eigentlich nur, dass die anwesenden Gruppendatehallodris nichts Besseres zu tun haben, als zu sagen „wenn er sich so präsentieren möchte, dann darf er das gerne tun". Leute, wir müssen aufhören, übergriffiges Verhalten als „er ist halt ein eigener Typ" abzutun. Einfach mal die Klappe aufmachen, wenn sich jemand scheiße verhält. Das wär's.

Vier verliert!

Blasenentzündung in 3, 2, 1 ...
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Nach diesem Gruseldate kommt das anschließende Solo-Begutachtungspläuschchen mit Ösi-Daniel daher wie ein Wellnessurlaub. Ja, fast wie ein seelisches Fußbad. Praktischerweise hat RTL dafür einen Tisch im Meer aufgestellt. So geht Romantik um 2,50 Euro! Billiger ist da nur, auf dem Weg zur Nacht der Rosen irgendeiner griechischen Omi bunte Orleanderblüten aus dem Blumenbeet im gestriegelten Vorgarten zu rupfen.

Diese Idee haben nämlich Rouven und Alex G. Mit dem Unterschied, dass sich Melissa das Blümchen von Gliedermacher Rouven nicht hinters Ohr klemmen lassen will. Nach drei Litern Martini Fiero ist sie da ein wenig euflorischer und lässt sich zum Floralverkehr mit Alex G. hinreißen – Lauerblümchen Rouven entgeht das natürlich nicht. Seine Chancen, Melissas Herz zu erobern, sind aber sowieso verwelkt: Weil sie ihm im Vieraugengespräch entlockt, dass er hier eigentlich nur „seinen Namen vermarkten wollte"; aber jetzt will er halt nicht nur Follower abstauben, sondern bestenfalls auch Melissa bestäuben.

Ein Drama in drei Akten.
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Übersetzt in den Rouven-Sprech heißt das für ihn nun: Auf Gliedersehen! Auch Emre wird von Melissa auf dem Spannenstreifen abgestellt – möge er an einen geheimen Ort gebracht werden und für immer von der Fernsehbildfläche verschwinden! Ebenfalls keine Rose gibt es für den sich am allerallerallerschönsten findenden Schweiß-Phobiker und Fitnesstrainer Florian (was für eine wunderbare Kombi) und irgendeinem Blondgelockten, den ich noch nie gesehen habe. Die einzige Frage, die ich mir jetzt noch stelle, ist: Warum hat Melissa die ganze Folge nicht geheult? Anzeige ist raus!


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