Appell für Verantwortung und Zuversicht: Platters Rede zum Nationalfeiertag

Wie jedes Jahr richtete Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Nationalfeiertag ein paar Worte an die Menschen in Tirol. Angesichts der Corona-Pandemie betonte Platter das kostbare Gut der Freiheit und appellierte, weiterhin verantwortlich zu handeln und trotz des kommenden „harten Winters“ mutig und optimistisch zu bleiben.

📽️ Video | Platters Rede zum Nationalfeiertag

Die Rede im Wortlaut

Liebe Tirolerinnen und Tiroler,

ich hätte Sie heute sehr gerne beim Tag der offenen Tür im Landhaus in Innsbruck begrüßt. Für mich ist das immer ein ganz besonderer Tag, wenn tausende Tirolerinnen und Tiroler – darunter zahlreiche Familien – ins Landhaus kommen. Ich schätze die wertvollen Begegnungen und offenen Gespräche, die sich an diesem besonderen Tag ergeben.

Leider lässt das die Corona-Pandemie heuer nicht zu. Nichtsdestotrotz ist es mir gerade in dieser außergewöhnlichen Zeit wichtig zu unterstreichen, welch große Bedeutung dieser Tag für unser Land hat. Der Nationalfeiertag ist Anlass, um uns die Stärken unseres Landes in Erinnerung zu rufen. Was macht Österreich so besonders? Was hat Tirol in schwierigen Zeiten geholfen?

Österreich ist ein freies Land. Am 26. Oktober feiern wir alljährlich die Geburtsstunde eines unabhängigen, freien, demokratischen Staates. Wir erachten es heute als Selbstverständlichkeit, dass wir offen und ehrlich unsere Meinung sagen können und dass es eine uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gibt – all das ist aber nicht selbstverständlich.

Österreich ist ein Land, in dem wir auf einen gesellschaftlichen Konsens vertrauen können, der ein friedliches Zusammenleben ermöglicht. Österreich ist aber auch ein Land, in dem die Zivilgesellschaft aufeinander schaut.

Österreich ist ein Land, das die Grund- und Freiheitsrechte der Menschen garantiert. Auch das ist nicht selbstverständlich. Welch kostbares Gut unsere Freiheit ist, ist vielen heuer im Frühjahr bewusst geworden, als wir zum Schutz der Gemeinschaft in unserer persönlichen Bewegungsfreiheit eingeschränkt waren. Ich weiß, wie schwer es vielen Tirolerinnen und Tirolern damals gefallen ist, zu Hause zu bleiben. Umso mehr möchte ich allen danken: Danke für Eure Disziplin. Danke für Euer Durchhaltvermögen. Danke für Eure Solidarität.

Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung. Freiheit bedeutet in diesen Tagen vor allem Eigenverantwortung. Und an diese Eigenverantwortung möchte ich heute von ganzem Herzen appellieren.

Seit März ist unser aller Blick Tag für Tag auf die Infektionszahlen gerichtet: Wie viele positive Fälle sind es heute? Wie viele sind im Spital? Wie viele sind wieder gesund? Bei all diesen Zahlen geht es nicht nur um nüchterne Fakten. Da geht es um Menschen, da geht es um Familien, da geht es um persönliche Schicksale. Da geht es darum, ob jemand schwer erkrankt ist und bestmöglich behandelt werden kann. Da geht es darum, ob jemand morgen noch einen Job hat. Da geht es darum, ob ein Betrieb zusperren muss. Da geht es um viele Ängste, um Sorgen, und leider auch um ganz existenzielle Probleme.

Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt fest im Griff. Was wir derzeit erleben, ist die zweite Welle. Wenn wir uns die globale Entwicklung der Infektionszahlen anschauen, die Zahlen in unseren Nachbarländern und auch die Zunahme bei uns in Tirol, dann wissen wir: Uns allen steht ein harter Winter bevor.

Trotzdem sage ich: Wir dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Wir brauchen jetzt denselben Mut wie im Frühjahr, um der zweiten Welle die Stirn zu bieten. Vor allem aber brauchen wir jetzt viel Zuversicht und Optimismus. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft gespalten wird. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Angst die Oberhand gewinnt und uns lähmt. Wir dürfen aber auch nicht zulassen, dass einige den Ernst der Lage nicht erkennen und so tun, als gäbe es diese Pandemie nicht. Diese Pandemie ist real. Und sie ist fatal, wenn wir nicht dagegen ankämpfen.

Deshalb müssen wir zusammenhalten und gemeinsam dafür sorgen, dass die Zahlen wieder nach unten gehen. Nur wenn die Zahlen nach unten gehen, können wir weitere schwere Folgen für die Wirtschaft abwenden. Nur dann können wir verhindern, dass noch mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Und nur dann können wir garantieren, dass jede und jeder Erkrankte – auch ohne Corona – die bestmögliche medizinische Versorgung bekommt.

Ich weiß, wir alle sind müde von diesem Virus. Wir alle wünschen uns unser normales Leben zurück. Wir alle wünschen uns, dass wir endlich wieder unbeschwert mit unseren Familien und Freunden zusammen sein können ohne auf Abstand und Maske achten zu müssen. Ich versichere Euch, liebe Tirolerinnen und Tiroler, dass diese Zeit wiederkommen wird.

Eines ist für mich aber ganz klar: Dieses Land kann im Ernstfall sehr stark sein. Die Tirolerinnen und Tiroler haben mehr als einmal gezeigt, wie stark sie sind, wenn es darum geht, Krisen zu meistern und mit harten Zeiten umzugehen. Deshalb darf ich Sie am heutigen Nationalfeiertag nochmals um Ihre Solidarität bitten: Halten wir zusammen. Vertrauen wir auf unsere Stärken. Schauen wir gemeinsam nach vorn.

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