Arbeitsmarkt

Arbeitnehmer wollen telefonische Krankschreibung, mehr Arbeitslose

Gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt waren aktuell 69.000 Personen mehr arbeitslos.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Die FSG-Vorsitzende in der ÖGK, Barbara Teiber, hat absolut kein Verständnis für die Ablehnung eines Antrags ihrer Gewerkschaft. Indessen verzeichnete das AMS einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um rund 3000 gegenüber der Vorwoche.

Wien – Die Arbeitnehmervertreter in der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) drängen angesichts der steigenden Corona-Zahlen auf eine Wiedereinführung der telefonischen Krankschreibung. Ein Antrag im Verwaltungsrat ist vorige Woche am Widerstand der Arbeitgeber gescheitert. Die FSG-Vorsitzende in der ÖGK, Barbara Teiber, äußerte dafür "komplettes Unverständnis". Auch die Ärztekammer und der Patientenanwalt befürworten die telefonische Krankschreibung.

Die im Zuge des Lockdowns im Frühjahr eingeführte Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung war Ende August ausgelaufen. Vor allem auf Betreiben der Wirtschaft ist es zu keiner Verlängerung gekommen, als Hauptargument dagegen waren mögliche Missbrauchsfälle ins Treffen geführt worden. Seither ist die telefonische Krankmeldung nur für Corona-Verdachtsfälle möglich.

Krankenstandsmeldungen im Frühjahr nicht angestiegen

Teiber verweist nun darauf, dass man schon damals besprochen habe, im Falle eines Steigens der Corona-Fallzahlen die telefonische Krankschreibung generell wieder einzuführen. Da die Zahlen nun sogar höher sind als im März, hält die FSG-Vorsitzende in der ÖGK dies für dringend nötig. Die Befürchtung, dass es zu Missbrauch kommen könnte, kann sie auch nicht teilen, weil die Krankenstandsmeldungen auch im Frühjahr nicht angestiegen seien.

Völlig unverständlich ist für die Teiber auch, dass im Verwaltungsrat der ÖAAB-Vertreter Martin Schaffenrath gemeinsam mit den Wirtschaftsvertretern den FSG-Antrag abgeblockt habe. Teiber verwies darauf, dass es in einigen Bundesländern Beschlüsse der Arbeiterkammer-Vollversammlungen für die telefonische Krankschreibung gebe, denen auch die dortigen ÖAAB-Vertreter zugestimmt haben. Pikant ist dabei, dass die Arbeitnehmer-Vertreter von der Arbeiterkammer in den Verwaltungsrat entsandt werden.

Knapp 3000 Arbeitslose mehr als in der Vorwoche

➤ Die Zahl der Arbeitslosen ist in dieser Woche erneut gestiegen. Insgesamt waren in Österreich 416.175 Leute beim Arbeitsmarktservice als jobsuchend registriert, davon waren 351.324 Personen arbeitslos gemeldet und 64.851 in Schulung. Das waren knapp 3000 Personen (genau: 2934) mehr als in der Vorwoche, teilte das Arbeitsministerium am Dienstag in einer Aussendung mit.

▶️ Arbeitsministerin Christine Aschbacher: "Wir verzeichnen im Vergleich zur Vorwoche einen Rückgang der krisenbedingten Arbeitslosigkeit von 71.000 auf 69.000 Arbeitslose. Gleichzeitig zeigen für diese Jahreszeit typische saisonale Effekte ihre Wirkung."

➤ Der Anstieg in den absoluten Zahlen sei vor allem durch das Saisonende im Tourismus zu erklären, hieß es vom Ministerium. In dem Sektor seien derzeit 57.647 Personen auf Arbeitssuche, das seien rund 2.100 mehr als in der Vorwoche. Die krisenbedingte Arbeitslosigkeit sei dagegen etwas zurückgegangen. So waren gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt aktuell 69.000 Personen mehr arbeitslos.

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Krankschreibung nur bei Corona-Verdachtsfällen "ausreichend"

Auch ÖGK-Obmann Andreas Huss plädierte im Ö1-Morgenjournal dafür, die telefonische Krankmeldung befristet bis 31. März, bis die Corona-Welle wieder abklingt, wieder so einzuführen, wie sie im Frühjahr funktioniert hat. Auch er begründete dies mit der Ansteckungsgefahr in den Ordinationen.

Der Arbeitnehmervertreter und derzeitige Vizeobmann Matthias Krenn lehnt dies hingegen ab. Er hält die telefonische Krankschreibung nur bei Corona-Verdachtsfällen für ausreichend. Und auch ÖAAB-Vertreter Schaffenrath schließt sich dieser Meinung an. Er glaubt, dass Ärzte eine Diagnose ihrer Patienten erstellen können sollten und dass es am Telefon auch schwierig sei, die Identität der Patienten festzustellen. (APA, TT.com)