Lufthansa erwartet bis Sommer 2021 nur langsame Erholung

Das Angebot der Lufthansa wird aktuell auf maximal 25 Prozent des Vorjahresvolumens reduziert. Zuvor hatte man auf 50 Prozent gehofft.

Demnächst werden weitere 125 Maschinen am Boden bleiben.
© APA/dpa/Christoph Schmidt

Frankfurt – Die AUA-Mutter Lufthansa kann im Jahr zwei der Coronakrise ihr Flugangebot bestenfalls in kleinen Schritten wieder aufbauen. "Vielleicht wäre im kommenden Jahr eine Erholung auf 50 Prozent des Vorkrisenniveaus möglich - vielleicht mit Geschäftsreisen bis zum Herbst 2021 sogar auf 60 Prozent", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Voraussetzung seines Szenarios ist, dass die Pandemie besser unter Kontrolle und das Reisen bei negativem Coronatest möglich ist. Aber selbst mit einem Impfstoff werde es noch lange dauern, bis im Luftverkehr wieder "eine Art Normalität" einkehre.

Aber das sind pure Spekulationen. Verlässliche Aussagen lassen sich dazu heute nicht treffen.
Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister

Weitere 125 Maschinen werden am Boden bleiben

"Aktuell fliegen wir etwa 25 bis 30 Prozent der Frequenzen - und nur etwa jeder zweite Sitzplatz ist belegt", sagte der für das Geschäft der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, Brussels und Austrian Airlines verantwortliche Manager.

Demnächst werden weitere 125 Maschinen am Boden bleiben. Der Konzern erwarte ein schwaches erstes Quartal, so Hohmeister. Die Kapazität werde auf dem niedrigen Niveau des Schlussquartals verharren. Einen Hoffnungsschimmer zeigen die Vorausbuchungen: Für Juni seien sie bei Privatreisen fast schon wieder normal, für September an einzelnen Tagen schon besser als üblich.

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Die teilverstaatlichte Lufthansa-Gruppe wird von ihren Heimatländern Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien mit insgesamt neun Milliarden Euro Finanzhilfen, überwiegend Krediten, gestützt. Nun musste die Airline ihre Kapazität für den Winter kürzlich wegen der steigenden Covid-Infektionszahlen in Europa und den USA erneut zurückschrauben. Das Angebot wird auf maximal 25 Prozent des Vorjahresvolumens reduziert statt zuvor erhoffter 50 Prozent. Momentan seien gut 350 der 760 eigenen Passagierflugzeuge des Konzerns im Einsatz.

Quarantäne und Reisewarnungen "wirken abschreckend"

Die Luftfahrtbranche fordert, die ab 8. November geplante mindestens fünftägige Quarantänepflicht für Einreisende aus Risikoländern abzuschaffen und es bei einer Testpflicht zu belassen. "Quarantäne in Kombination mit sehr unterschiedlichen und unberechenbaren Reisewarnungen wirken abschreckend. Wir brauchen dringend einen anderen Umgang mit diesem Thema", betont Hohmeister. Die Luftfahrt führe die geringe Infektionsrate Flugreisender ins Feld, findet damit bei der Politik bisher aber kaum Gehör.

Schon vor der Krise hatte der Airline-Konzern wegen des Trends zu weniger Geschäftsreisen, befeuert letztlich auch von der Klimaschutzdiskussion, beschlossen, das Angebot für Privatreisen auszubauen. Das touristische Langstreckengeschäft wird unter der Marke Eurowings wieder aufgebaut. "Wir werden im Winter mit bis zu drei Flugzeugen, im Sommer 2021 mit bis zu sieben Flugzeugen touristische Langstreckenflüge anbieten." Geplant sei eine stärkere Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern, die sich gut entwickle. (APA, Reuters)


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