Tiergerechte Ställe werden künftig mit 120 Millionen Euro im Jahr gefördert

Ställe mit Vollspaltenboden werden nicht mehr gefördert. Allerdings gibt es keine Änderung in der Tierhaltungsverordnung.

Vollspaltböden in der Schweinehaltung sind Betonböden, die mit breiten Spalten durchzogen sind, durch die Kot und Urin in einen Güllekanal fallen.
© VGT

Wien – Der Neu- oder Umbau von tierwohlgerechteren Ställen wird ab 2021 mit 120 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) präsentierte am Mittwoch in Wien einen "Pakt für mehr Tierwohl". Der von Tierschützern kritisierte Vollspaltenboden wird ab 2022 nicht mehr gefördert, Änderungen der Tierhaltungsverordnung sind aber nicht vorgesehen.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.
© photonews.at/Georges Schneider

Ab kommendem Jahr werde der Fördersatz für Investitionen in besonders tierfreundliche Haltungen bei Schwein und Pute von 25 Prozent auf 35 Prozent der Investitionskosten erhöht, sagte Köstinger am Mittwochvormittag vor Journalisten.

Köstinger hat mit dem Dachverband der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich (NTÖ), den einzelnen Verbänden, Vertretern der Bundesländer und der Landwirtschaftskammer einen "Pakt für mehr Tierwohl in der produzierenden Landwirtschaft" erarbeitet.

Mit diesem Pakt setzen wir auf Unterstützung beim Umstieg statt auf Verbote.
Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger

Ziel sei es, dass die zu höheren Standards erzeugten Produkte auch von den Konsumenten gekauft werden.

"Keine Förderung mehr für den Neubau von Anbindeställen

Im Rahmen des Pakts wurden auch neue Förderstandards für die Ferkelaufzucht und Schweinemast sowie Rinderhaltung fixiert: Künftig soll es in der Schweinehaltung mehr Platz, größere Buchten und getrennte Bereiche mit nur wenig perforierten Liegeflächen geben. Für Betriebe, die unkupierte Schweine halten, ist ein Förderzuschlag vorgesehen. Außerdem muss es für die Schweine vielseitiges Beschäftigungsmaterial und Kühlmöglichkeiten geben. In der Rindermast darf kein Spaltenboden ohne weiche Auflage verwendet werden. Die Details zu den Vorgaben sollen in den Förderrichtlinien veröffentlicht werden.

Ab 2021 gibt es außerdem keine Förderung mehr für den Neubau von Anbindeställen, eine Ausnahme ist für Kleinstbetriebe vorgesehen. Weiters erhalten ab 2022 Bauern keine Förderung mehr für den Neubau von Ställen, die nur gesetzliche Mindeststandards erfüllen. Dazu zählen Ställe, die ausschließlich Vollspaltenböden in der Schweinehaltung verwenden.

Reaktionen

▶️ Josef Schwaiger, Vorsitzender der Agrarlandesräte-Konferenz: "Das bedeutet auch eine Reduktion bzw. Vermeidung von unnötigen und leidvollen Kälbertransporten."

▶️ Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich: "Verbote sind ein unfairer Wettbewerbsnachteil, daher setzen wir auf Anreize. Ein mehr an Tierwohl verträgt sich aber nicht mit Schleuderpreisen im Handel", sagte Moosbrugger. "

▶️ Georg Strasser, ÖVP-Bauernbund-Präsident: "Gleichzeitig liegt es auch an unseren Konsumenten, den Mehrwert der höherwertig produzierten Lebensmittel auch tatsächlich zu honorieren."

Köstinger kündigte auch den Aufbau eines österreichweiten Tiergesundheitsdienstes an. Es sei eine zentrale Struktur als Ergänzung zu den Länder-Tiergesundheitsdiensten geplant. Unter anderem sollen Tierhalter bei der Umsetzung von veterinärrechtlichen Vorgaben unterstützt werden und mit einheitlichen Tiergesundheitsprogrammen soll die Verwendung von Medikamenten reduziert werden. (APA)


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