Terrorverdacht nach brutaler Attacke in Kirche: Drei Tote in Nizza

Frankreich hat sich noch nicht von dem Schock über den Mord am Lehrer Samuel Paty erholt – da schlägt schon wieder ein Angreifer auf brutale Weise zu. Drei Menschen verlieren in Südfrankreich ihr Leben – Präsident Macron findet deutliche Worte.

Der Angreifer führte die Tat in der Kathedrale Notre-Dame de Nice durch.
© VALERY HACHE

Nizza – Schon wieder Grauen und Entsetzen in Frankreich: Bei einer brutalen Messerattacke in einer Kirche in der südfranzösischen Metropole Nizza sind mindestens drei Menschen getötet worden. Mehrere weitere wurden bei dem Angriff am Donnerstag verletzt, der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Frankreich rief die höchste Terrorwarnstufe aus, Präsident Emmanuel Macron sprach von einem „islamistischen Terroranschlag“. Frankreich sei angegriffen worden, sagte der Staatschef in Nizza. Es ist die dritte Attacke in Frankreich innerhalb weniger Wochen.

📽️ Video | Höchste Terrorwarnstufe nach Messerangriff in Nizza:

Der Angriff ereignete sich laut Medien gegen 9 Uhr morgens in der Kirche Notre-Dame mitten in der Einkaufsstraße von Nizza. Zwei Menschen seien innerhalb der Kirche „auf schreckliche Weise“ getötet worden, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi. Die Art und Weise erinnere an den Tod des vor zwei Wochen ermordeten Lehrers Samuel Paty, erklärte Estrosi weiter, ohne Details zu nennen.

Paty war in der Nähe seiner Schule in einem Pariser Vorort enthauptet worden. Ein dritter Mensch habe sich in Nizza noch in eine nahe gelegene Bar flüchten können und sei dort schließlich gestorben. Medien zufolge soll es sich bei den Opfern um zwei Frauen und einen Mann handeln. Premierminister Jean Castex bestätigte, dass drei Menschen bei der Tat getötet wurden.

Soldaten und Polizisten standen rund um den Tatort Wache.
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Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich ausgerufen

Estrosi zufolge rief der Attentäter „Allahu akbar“ („Gott ist groß“). Bei dem mutmaßlichem Täter handelt es sich offenbar um einen 1999 in Tunesien geborenen Mann. Er soll am 20. September mit anderen Migranten über Lampedusa nach Europa gekommen sein, berichteten italienische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Demnach wurde er am 9. Oktober in einem Flüchtlingslager in Bari registriert. Außerdem hätte der mutmaßliche Täter aus Italien abgeschoben werden sollen, hieß es weiter. Wann und wie er nach Nizza gelangte, sei noch unklar. Die Ermittler hatten sich bis zum frühen Abend noch nicht zum Täter und zum Tathergang geäußert.

Castex sprach von einer „niederträchtigen“ und „barbarischen“ Attacke und kündigte eine entschlossene Antwort der Regierung an. Es sei die Stufe „Urgence Attentat“ des Anti-Terror-Alarmplans „Vigipirate“ ausgerufen worden, sagte er in der Pariser Nationalversammlung. Diese Warnstufe ermöglicht die außergewöhnliche Mobilisierung von Ressourcen im Kampf gegen den Terror.

Macron war nach dem Anschlag in Begleitung von Ministern nach Nizza gereist.
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Macron kündigte einen verstärkten Schutz von Kirchen und Schulen an. Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz „Sentinelle“ des Miltärs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden. „Heute steht die ganze Nation hinter unseren katholischen Mitbürgern“, sagte Macron in der Nähe des Tatorts. Man dürfe nicht dem Geist der Spaltung nachgeben.

Der 42-Jährige war am Nachmittag in die südfranzösische Metropole gereist und tauschte sich dort unter anderem mit Sicherkräften aus. In zahlreichen Kirchen im Land läuteten nach der brutalen Attacke am Nachmittag um Punkt 15 Uhr die Glocken. Die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft übernahm in dem Fall die Ermittlungen. Sie ermittelt unter anderem wegen Mords in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben.

In Nizza kam es wieder zu einem Anschlag.
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Letzter Angriff liegt noch nicht lange zurück

Erst vor zwei Wochen hatte die brutale Ermordung des Lehrers Paty im ganzen Land riesiges Entsetzen ausgelöst. Das Motiv des 18-jährigen Angreifers war den Ermittlern zufolge, dass Paty in einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte.

Ende September hatte ein junger Mann vor den ehemaligen Redaktionsräumen des Satireblatts „Charlie Hebdo“ zwei Menschen mit einem Messer verletzt. Das Magazin hatte zu Beginn des Prozesses rund um die brutale Terrorserie 2015, bei der auch zahlreiche Zeichner des Blattes ermordet wurden, erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Auch hier gab der Angreifer die Karikaturen als Motiv an.

Macron hatte nach der Attacke gegen Paty die Meinungsfreiheit und und die Veröffentlichung auch religionskritischer Karikaturen verteidigt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach daraufhin von einer „Lynchkampagne“ gegen Muslime in Europa und rief zum Boykott französischer Waren auf.

In Frankreich kam es noch zu weiteren Vorfällen, ein Zusammenhang zur Attacke in Nizza konnte aber zunächst nicht bestätigt werden. Die Polizei tötete im südfranzösischen Avignon einen mutmaßlichen Angreifer, der Passanten mit einer Waffe bedroht haben soll. Es gab Polizeikreisen zufolge vorerst keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund. In Lyon wurde ein mit einem Messer bewaffneter Mann festgenommen. Niemand wurde verletzt, der Mann sei Sicherheitskreisen bekannt gewesen.

Am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien wurde außerdem ein Sicherheitsbeamter angegriffen und leicht verletzt. Der Täter wurde festgenommen. Die genauen Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Die französische Botschaft in Riad sprach in einer Mitteilung von einer „Messerattacke“. Franzosen in Saudi-Arabien wurden zugleich zu „höchster Wachsamkeit“ aufgerufen.

📽️ Video | Korrespondenten über den Frankreich-Türkei-Konflikt:

Große Anteilnahme auf der ganzen Welt

Weltweit war die Anteilnahme nach der mörderischen Attacke groß. Saudi-Arabien verurteilte den Angriff der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge mit klaren Worten. „Solche extremistischen Taten stehen im Widerspruch zu allen Religionen und allem menschlichen Glauben“, teilte das Außenministerium demnach mit. Zugleich sei wichtig, solche „Verhaltensweisen“ abzulehnen, die zu Hass, Gewalt und Extremismus führen, teilte das Ministerium mit, ohne konkreter zu werden.

Auch der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif schrieb auf Twitter: Der „Terroranschlag" in Nizza reflektiere den eskalierenden Teufelskreis von Hassreden, Provokationen und Gewalt. Der mutmaßlich islamistische Angriff in der Kirche Notre-Dame widerspreche allen „religiösen, menschlichen oder moralischen Werten", teilte unterdessen das Außenministerium in Ankara mit.

Die Spitzen der EU-Institutionen sicherten Frankreich ihre Solidarität zu. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter. „Ganz Europa ist bei euch“, schrieb EU-Ratschef Charles Michel. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin brachte sein „tiefes Mitgefühl“ zum Ausdruck. Italiens Regierung drückte Frankreich sein Beileid aus. „Wir sind vereint im Kampf gegen Terror und Hass“, erklärte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez. Auch Papst Franziskus bekundete seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilte die Tat als „entsetzlich und verabscheuungswürdig". Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte die Attacken „auf das Allerschärfste".

Die EU-Staats- und Regierungschef zeigten sich ebenfalls „schockiert" über den Anschlag in Nizza gezeigt und verurteilten die Gewalttat „auf das Schärfste". Der Anschlag sei auch „ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die am Donnerstagabend durch EU-Ratspräsident Charles Michel veröffentlicht wurde.

Nizza wurde bereits 2016 von einem Terroranschlag erschüttert, dabei starben 86 Menschen. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle heimgesucht. (TT.com/APA/dpa)

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