Orthodoxer Priester bei Schusswaffenangriff in Lyon schwer verletzt

Nur wenige Tage nach dem tödlichen Messergriff in Nizza wird in Lyon auf einen orthodoxen Priester geschossen. Der Geistliche schwebt in Lebensgefahr. Der Täter ist auf der Flucht.

Ein Soldat in Lyon hält Wache.
© PHILIPPE DESMAZES

Lyon – Ein orthodoxer Priester ist in der französischen Stadt Lyon mit einer Schusswaffe angegriffen und schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Täter sei auf der Flucht, teilte die Polizei der Nachrichtenagentur AFP am Samstagnachmittag mit. Der aus Griechenland stammende Priester sei dabei gewesen, "seine Kirche zu schließen", als er angegriffen wurde, sein Zustand sei ernst.

Auf den Mann sei mit einer abgesägten Schrotflinte geschossen worden, sagte die Polizei weiter. "Die Sicherheits- und Rettungskräfte sind vor Ort. Meiden Sie das Gebiet und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden", schrieb das französische Innenministerium auf Twitter. Die Staatsanwaltschaft von Lyon hat eine Untersuchung wegen versuchten Mordes eingeleitet.

Erst am Donnerstag waren in Nizza drei Menschen bei einem mutmaßlichen Terroranschlag in einer Kirche getötet worden. Der Messerangriff hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die tödliche Attacke als "islamistischen Terroranschlag", die Antiterror-Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Regierungschef Jean Castex rief die höchste Terror-Warnstufe für das Land aus. Staatschef Macron kündigte an, die Zahl der zum Schutz von Gotteshäusern und Schulen abgestellten Soldaten von 3.000 auf 7.000 zu erhöhen.

Wegen der erneuten Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch die Satirezeitung "Charlie Hebdo" hat sich die Stimmung in muslimisch geprägten Ländern zuletzt gegen Frankreich aufgeheizt. In Staaten wie Pakistan und Bangladesch gingen zuletzt tausende Menschen bei anti-französischen Protesten auf die Straße und verbrannten Macron-Bilder.

Macron hatte sich nach der Ermordung eines Geschichtslehrers vor zwei Wochen in Paris für das Zeigen der Karikaturen vor dem Hintergrund der Meinungsfreiheit ausgesprochen. Der Pädagoge Samuel Paty war von einem Attentäter enthauptet worden, weil er Karikaturen des Propheten Mohammed im Unterricht gezeigt hatte.

In einem Interview mit dem Fernsehsender Al Jazeera, das am Samstagnachmittag ausgestrahlt werden sollte, erklärte Macron: "Ich verstehe, dass man von Karikaturen schockiert sein kann, aber ich werde niemals akzeptieren, dass man Gewalt rechtfertigt ... Unsere Freiheiten, unsere Rechte - ich sehe es als unsere Bestimmung an, sie zu schützen." Er betonte auch, dass die Karikaturen nicht von der französischen Regierung, sondern von freien und unabhängigen Medien veröffentlicht wurden. (APA/AFP)


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