Milliardenverlust belastet Lufthansa, AUA vor schwerem Winter

Die AUA reduziert ihr Angebot auf nur noch 10 Prozent. Die mit Staatsgeld gerettete Airline schrieb im dritten Quartal ein Minus von 106 Millionen Euro. Der Konzernverlust beträgt nach neun Monaten 5,6 Milliarden Euro.

Nach neun Monaten häufte die AUA bereits einen Verlust von 341 Mio. Euro an.
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Wien, Schwechat, Frankfurt – Der deutsche AUA-Mutterkonzern Lufthansa fliegt mit dem Ballast eines weiteren Milliardenverlusts in den harten Corona-Winter. Abschreibungen auf nicht mehr benötigte Jets und Kerosin-Kontrakte haben den Verlust für das dritte Quartal auf knapp zwei Milliarden Euro anwachsen lassen, wie der Konzern am Donnerstag in Frankfurt berichtete.

Bei den Austrian Airlines betrug das Quartalsminus 106 Millionen Euro. Die heimische Tochter reduziert ihr Angebot Mitte November auf nur noch 10 Prozent.

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Höchstens ein Viertel der Kapazität

Im Lufthansa-Konzern steht nach neun Monaten unter dem Strich bereits ein Minus von 5,6 Milliarden Euro bei einem Umsatz von elf Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Umsatz nach drei Quartalen noch 27,5 Milliarden Euro betragen, was für ein positives Konzernergebnis von gut eine Milliarde Euro gereicht hatte.

Im laufenden Schlussquartal bleibt der Lufthansa-Flugbetrieb wegen der Corona-Pandemie weiter bei höchstens einem Viertel der Kapazität eingeschränkt, kündigte das Unternehmen an. Lufthansa erwartet aber Vorteile durch ihr vor allem in Frankfurt etabliertes Drehkreuzsystem, da sich in Europa viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen nicht mehr rechneten.

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Massiver Jobabbau

Lufthansa-Chef Carsten Spohr
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Vorstandschef Carsten Spoher bekräftigte das Ziel, rund 100.000 Jobs im Konzern zu erhalten. Aktuell beschäftigt Lufthansa gut 124.000 Menschen. Während bei der belgischen Tochter Brussels Airlines der Abbau jedes fünften Arbeitsplatzes vereinbart wurde, stocken in Deutschland die Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Eingeleitet wurden bei der Lufthansa-Marke die Sozialplanverhandlungen zum Abbau von 2800 Bodenmitarbeitern und 1.100 Piloten. Spohr erwartet dies frühestens zur Mitte des kommenden Jahres. Er hoffe aber zuvor auf Vereinbarungen mit den Gewerkschaften.

"Wir stehen am Beginn eines Winters, der für unsere Branche hart und herausfordernd sein wird", sagte Spohr. Der Gruppe stünden liquide Mittel in Höhe von 10,1 Milliarden Euro zur Verfügung. 6,3 Milliarden Euro daraus stammen noch aus der gemeinsamen Staatshilfe in Höhe von über neun Milliarden Euro von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien.

„Der Winter wird hart und kalt"

Der AUA-Vorstand geht im vierten Quartal von weiteren Verlusten aus, bezifferte diese aber nicht. Nach neun Monaten häufte die Airline bereits einen Verlust von 341 Millionen Euro an und wird im Winter seine Reserven aufbrauchen. "Wir sehen jetzt, die zweite Welle ist da und wir brauchen diesen Puffer", sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech in Wien. Geht es bis zum Sommer 2021 nicht bergauf, könnte die Staatshilfe von 450 Millionen Euro nicht reichen.

Bis Ende September flogen rund 2,7 Millionen Passagiere mit der AUA, das ist ebenfalls ein Einbruch um drei Viertel. Die Auslastung sank von 81 auf 65 Prozent und liege aktuell wegen des zweiten Lockdowns "unter 50 Prozent".

"Der Winter 2020 wird für uns als Airline wie für so viele andere hart und kalt. Was uns aktuell noch Sicherheit gibt, ist die gute Liquiditätssituation, dennoch müssen wir hier alle Maßnahmen und Hebel nutzen, um unsere Kosten und Ausgaben weiter nach unten zu drücken", erklärte Finanzvorstand Andreas Otto. Entscheidend sei der nächste Sommer.

Wartung auch in Innsbruck wird eingestellt

Als Teil des Sparprogramms soll nach den Crew-Basen an den Bundesländer-Flughäfen auch die Wartung dort eingestellt werden. Das betrifft die Technik-Stationen in Graz, Salzburg, Innsbruck und Linz, wie die AUA mitteilte. Verhandlungen laufen auch zur Bodenabfertigung in Salzburg und Klagenfurt.

Aktuell geht man davon aus, den ganzen Winter nicht über 20 Prozent Angebot hinauszukommen. Weitere Streichungen stehen bevor. In der Aussendung am Donnerstag betonte die AUA aber, bei Ergebnis und Liquidität über Plan zu sein. (APA, dpa)


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