Ein später Saisonstart mit vielen Fragezeichen in Ischgl

Ischgl verschiebt seinen Saisonstart auf den 17. Dezember. Die Verantwortlichen sind trotzdem skeptisch, ob sich das rechnet.

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Auf große Konzerte wird Ischgl heuer verzichten müssen.
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Von Matthias Reichle

Ischgl – Die Touristiker schwanken zwischen Hoffnung und Skepsis. Mit dem 17. Dezember startet Ischgl heuer zwar fast einen Monat später als in einem normalen Jahr in die Wintersaison.

Ob sich das – trotz diesem Termin – wirtschaftlich rechnet, da ist sich auch Tourismus­obmann Alexander von der Thannen nicht sicher. „Könnten wir das vorhersehen, hätten wir auch einen Lotto-6er“, erklärte er bei der Vollversammlung des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl. Kurz zuvor hatten die Gremien die Weichen für den Winter gestellt. „Sollte es der Gesetzgeber erlauben, sperren wir auf, egal ob es dann noch Reisewarnungen gibt.“

Bis zur Bekanntgabe der neuen Corona-Maßnahmen hatten die Ischgler noch mit dem 26. November als erstem Skitag gerechnet. Der Saisonstart wird heuer unter besonderer Beobachtung stehen. Als Corona-Hotspot hat der Ort international Schlagzeilen gemacht. Von hier aus verteilten infizierte Gäste das Virus über den Globus. Das Opening im Paznaun – See, Kappl und Galtür folgen einen Tag nach Ischgl – hängt aber vor allem auch von der aktuellen Entwicklung der Corona-Zahlen ab. Ob gleich das gesamte Skigebiet oder nur ein Teil in Betrieb geht, werde von der Seilbahn entschieden, so von der Thannen – Reisewarnungen werden eine Rolle spielen.

Einen abrupten Saisonstart Anfang Dezember schlossen die Verantwortlichen aber auch aus anderen Gründen aus. „Es ist unmöglich, den Seilbahnbetrieb in drei bis vier Tagen hinaufzufahren“, betonte Seilbahnvorstand Markus Walser. Auch müssen die 3800 Tourismusmitarbeiter des Tales vorher getestet werden. Derzeit ist außerdem fraglich, ob Mitarbeiter aus Osteuropa – zum Beispiel Tschechien – einreisen dürfen. Das Skigebiet Samnaun, das mit Ischgl verbunden ist, wird hingegen bereits am 11. Dezember starten.

Die Touristiker setzen heuer auf umfangreiche Investitionen in Corona-Maßnahmen – laut Silvrettaseilbahn flossen rund 700.000 Euro in zusätzliche Gesundheits- und Sicherheitsstandards. Trotzdem gab es auch harsche Kritik seitens der Mitglieder. Etwa, dass im Sommer im Tal auch Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz in den Gondeln unterwegs waren. „Ermahnt wurden sie deshalb von Mitarbeitern nicht“, ärgerte sich ein TVB-Mitglied, das ein Beispiel aus Kappl anprangerte.

Das liege letztlich in der Verantwortung der Gäste, so von der Thannen. „Es sind im Sommer auch Leute mit Mund-Nasen-Schutz eingestiegen und haben ihn bei der ersten Stütze entfernt. Das kann man nicht kontrollieren.“ „Wir müssen uns selbst zusammenreißen und uns an die Corona-Maßnahmen halten“, appellierte er an die Touristiker.

Man setzt auf Sensibilisierung – etwa mit Schulungen. „Wir gehen davon aus, dass die größte Gefahr der Ansteckung vom Mitarbeiter ausgeht“, erklärte der TVB-Obmann. Sie werden regelmäßig getestet. Außerdem erhält jeder Paznauner Tourismusort eine eigene App für die Gästeregis­trierung.

Heuer investiert man zusätzlich eine Million Euro in Marketingmaßnahmen. 2,5 Mio. Euro Unterstützung erhielt der TVB Paznaun-­Ischgl bereits vom Land. Das vergangene Jahr schloss er mit einem Minus von knapp 650.000 Euro ab. Trotz Corona bringt man aber drei In­frastrukturprojekte auf Schiene. Einen großen Bikepark am Alpkogel in Galtür, eine Premium Card zur bestehenden Silvrettacard sowie ein Projekt zur einheitlichen Beleuchtung des Tales. Man wolle damit ein anderes Bild nach außen tragen.

Ein Fragezeichen steht noch hinter den für Ischgl typischen Events. Geplant sei viel, man habe aber auch vor drei Wochen noch an ein Opening geglaubt, so von der Thannen. „Wir sind Passagiere.“


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