Bank-Austria-Mutter UniCredit legt Aufspaltungspläne auf Eis

Die Abspaltung des Auslandsgeschäfts wird nicht mehr forciert, so Vorstandschef Mustier. Vor Abschluss des Konzernumbaus soll es auch keine neuen Übernahmen geben.

Stammhaus der UniCredit in Mailand
© UniCredit

Wien, Mailand – Die italienische Großbank UniCredit hat ihre Pläne für eine Abspaltung des Auslandsgeschäfts, darunter die Österreich-Tochter Bank Austria, auf Eis gelegt. Als Grund dafür nannte Vorstandschef Jean Pierre Mustier das Anleihekauf-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB). Durch dieses bleibe das Risikoprofil der Bank intakt. "Damit besteht für uns keine Notwendigkeit mehr, die Pläne umzusetzen und das Projekt bleibt ein Projekt", sagte Mustier zur Vorlage der Quartalszahlen.

Die Geschäfte liefen im Sommer besser als erwartet. Mustier bestätigte am Donnerstag die Prognosen für dieses und nächstes Jahr.

Bank Austria wieder in der Gewinnzone

In der Österreich-Tochter der UniCredit, der Bank Austria, haben sich die Zahlen im Vergleich zu den zwei vorangegangenen Quartalen mit dem dritten Jahresviertel gebessert, wenngleich auch hier coronabedingt die Kreditvorsorgen zunehmen. Ein im ersten Quartal - wegen Sonderabschreibungen auf die 3-Banken-Anteile - erwachsener und kumuliert auch im Halbjahr noch ausgewiesener Verlust von 55 Millionen Euro ist nach dem dritten Quartal wieder Gewinnen gewichen. Für die ersten neun Monate 2020 weist UniCredit für das Österreich-Geschäft nun einen kleinen Nettogewinn von 21 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2019 gab es 341 Millionen Euro Gewinn.

Im dritten Quartal 2020 stand in der UniCredit-Bilanz für die Österreich-Sparte ein Gewinn von 76 Millionen Euro, verglichen mit drei 3 Millionen im zweiten Quartal und 117 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

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Spekulationen um Monte dei Paschi

Eigentlich wollte UniCredit die Töchter in Österreich, in Deutschland (bekannt unter dem Namen Hypovereinsbank/HVB) und Osteuropa abspalten, um die Refinanzierungskosten zu senken.

Insider hatten vorhergesagt, eine Trennung der Aktivitäten im In- und Ausland könne UniCredit außerdem Fusionen erleichtern. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Spekulationen, die Italiener hätten Interesse an der Commerzbank und die italienische Regierung dränge ihn zu einem Kauf der Krisenbank Monte dei Paschi.

Tausende Jobs gestrichen

Mustier am Donnerstag aber erneut seine früheren Aussagen, er wolle zuerst den Umbau der Bank abschließen und plane derzeit keine Übernahmen. Überschüssiges Kapital wolle UniCredit an Investoren zurückgeben in Form von Aktienrückkäufen oder Dividenden. Mustier hatte das Ruder bei UniCredit Mitte 2016 übernommen und baut das Geldhaus seither radikal um. Er strich Tausende Jobs und schloss zahlreiche Filialen.

Der Umbau habe sich im dritten Quartal positiv bemerkbar gemacht, sagte Mustier. Der Konzern sei gut aufgestellt, seinen Kunden in der zweiten Welle der Corona-Pandemie zur Seite zu stehen. In Italien steigen die Infektionszahlen wie fast überall in Europa derzeit wieder deutlich an. UniCredit sei auf einem guten Weg, seine Ziele für den bereinigten Nettogewinn von mehr als 0,8 Milliarden Euro in diesem Jahr und zwischen drei und 3,5 Milliarde Euro im Jahr 2021 zu erreichen.


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