Süß ist nicht gleich süß und macht unterschiedlich satt

Glukose und Saccharose können sich unterschiedlich auf das Sättigungsgefühl auswirken. Das haben Wiener Forscherinnen in einer Studie herausgefunden.

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Wien – In der Welthauptstadt süßer Hauptspeisen weiß man: Nach Kaiserschmarrn und Palatschinken bekommt man schnell wieder Hunger. Doch wissenschaftlich weiß man nur wenig, inwieweit die Geschmackswahrnehmung von Zucker zur Sättigung beiträgt. Eine im Fachjournal Nutrients erschienene Studie Wiener Forscherinnen zeigt nun, dass süß nicht gleich süß ist und sich Glukose und Saccharose offensichtlich unterschiedlich auf das Sättigungsgefühl auswirken könnten.

Bisher sei nur wenig über die molekularen Mechanismen bekannt, über die Zucker unabhängig von seinem Energiegehalt die Nahrungsaufnahme beeinflusst, "schließlich sind Süßrezeptoren im Mund erst seit rund 20 Jahren, jene im Darm erst seit 15 Jahren bekannt", erklärte Barbara Lieder vom Institut für Physiologische Chemie der Fakultät für Chemie an der Universität Wien und Leiterin des Christian Doppler Labors für Geschmacksforschung gegenüber der APA.

Es gebe zwar einige Arbeiten zu Süßstoffen, da seien aber oft alle verschiedenen süß schmeckenden Stoffe und Zuckerarten "über einen Kamm geschoren worden". Dass es dagegen wichtig ist, sich die einzelnen Moleküle in ihrer Wirkung anzuschauen, hat Lieder gemeinsam mit ihrer Kollegin Veronika Somoza, die auch Direktorin des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München ist, in der aktuellen Arbeit gezeigt. In dieser haben sie "überraschende" Unterschiede festgestellt, wie unterschiedliche Zuckerarten unabhängig von ihrem Energiegehalt die Nahrungsaufnahme beeinflussen.

Zuerst Zuckerlösung, dann Frühstück

In ihrem Experiment erhielten 27 gesunde Männer (18 bis 45 Jahre) entweder eine zehnprozentige Zuckerlösung oder die idente Zuckerlösung, der eine "Lactisole" genannte Substanz beigemengt war, die die Wahrnehmungsfähigkeit für Süßes vermindert. Die Testteilnehmer erhielten dabei einmal eine Lösung mit Traubenzucker (Glukose) und einmal eine mit Haushaltszucker (Saccharose). Trotz unterschiedlicher Zuckerarten wiesen alle Testlösungen mit und ohne Lactisole den gleichen Energiegehalt auf.

Zwei Stunden nach Trinken der jeweiligen Testlösung durften die Teilnehmer so viel frühstücken, wie sie wollten. Kurz vor und während der Wartezeit wurde den Probanden in regelmäßigen Abständen Blut abgenommen und die Körpertemperatur gemessen.

Nach Konsum der Lactisole-haltigen Saccharoselösung nahmen die Teilnehmer rund 13 Prozent mehr Nahrungsenergie (rund 100 Kilokalorien mehr) mit dem Frühstück auf als nach dem Trinken der Lactisole-freien Saccharoselösung. Bei jenen, die Saccharose mit Lactisole zu sich nahmen, verringerte sich auch die Körpertemperatur sowie der Spiegel des - u.a. appetithemmenden - Botenstoffs Serotonin im Blut. Im Gegensatz dazu wurden bei den Gruppen, die Lactisole-haltige bzw. -freie Glukoselösung tranken, kein Unterschied festgestellt.

Bei der Interpretation der Ergebnisse sind die Wissenschafter noch vorsichtig. Die Ergebnisse würden zeigen, dass Saccharose über den Süßgeschmacksrezeptor die Sättigungsregulation und damit die Energieaufnahme beeinflusst. "Doch alleine die Wahrnehmung von Süße ist es offensichtlich nicht, sonst hätte das bei Glucose ja auch funktioniert", sagte Lieder. Sie verweist auf Studien, die auf von Süßrezeptoren unabhängige Mechanismen hindeuten, etwa die Rolle von sogenannten Glukosetransportern, die Einfluss auf das Sättigungssystem nehmen können. (APA)


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