Corona macht die Menschen in Österreich sparsamer

Die Österreicherinnen und Österreicher schätzen ihre mittelfristige finanzielle Lage optimistisch ein. Kurzfristiger Pessimismus bremst hingegen den Konsum. Frauen und Junge sind in der Corona-Krise besonders betroffen.

Die Corona-Krise macht die Menschen derzeit tendenziell sparsamer.
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Wien – Die Corona-Krise macht die Österreicher sparsamer und vorsichtiger beim Geldausgeben, wie aus einer market-Umfrage im Auftrag der Allianz hervorgeht. Wirtschaft und Vorsorge spielen in der Corona-Krise eine wichtige Rolle. Die mittelfristige finanzielle Zukunft wird optimistisch gesehen, vor allem von den jüngeren. Frauen und Junge sind laut market-Institut-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer in der Corona-Krise besonders belastet und skeptischer bezüglich der Pensionen.

Jeder zweite Befragte gab an, infolge von Corona derzeit weniger oder viel weniger Geld auszugeben – Männer und Frauen gleichermaßen. Rund jeder Dritte gab an, mehr als bisher auf die persönlichen Ausgaben zu achten und generell weniger einzukaufen. 27 Prozent achten darauf, mehr als bisher Geld anzusparen. Jeder zweite Befragte rechnet aber mit einer Verbesserung der finanziellen Situation in den nächsten fünf Jahren. Vor allem die Jungen (fast 60 Prozent der 18- bis 34-Jährigen) sind hier optimistisch. "Das ist ein erfreulicher Ausblick", denn im Augenblick gebe es eine Talsohlensituation der Wirtschaft und eine Verwerfung der Gesellschaft durch Corona, so Beutelmeyer am Donnerstag bei einer Online-Präsentation des "Allianz-Vorsorgebarometer".

Bei den kurzfristigen Erwartungen für die nächsten drei bis sechs Monate sei der Optimismus gesunken und der Pessimismus gestiegen. Diese eher pessimistische kurzfristige Einschätzung bremse den Konsum. Es gebe derzeit eine Gesundheitskrise mit einer gewaltigen wirtschaftlichen Komponente. Wenn man die Österreicher frage, fürchteten etwas mehr wirtschaftliche Auswirkungen als eine Ansteckung mit dem Virus. Vorsorge und Wirtschaft seien fast stärker im Bedrohungsszenario im Fokus der Risikogesellschaft als die gesundheitliche Tangente.

Junge und Frauen haben es besonders schwer

Beutelmeyer ortet derzeit auch eine Generationsthematik: Die Bevölkerung sage, die jungen Leute, die unter-30-Jährigen, hätten es besonders schwer. Auch die Allianz-Grundlagenstudie zeige, dass ältere ihre Zukunft durchaus entspannter und finanziell abgesicherter sehen. Die Jungen erklärten sich durchaus solidarisch und seien sich ihrer besonderen Verantwortung für die ältere Generation bewusst, würden aber ein großes Zukunfts-und Vorsorgerisiko sehen. "Wir haben derzeit eine ganz zentrale Generationsthematik in unserer Gesellschaft." Die Jungen seien die Herausgeforderten, in einem hohen Ausmaß die Systemerhalter und die Risikogenerationen, daher seien Zukunftsvorsorge und junge Generation eine besondere Thematik, derer man sich annehmen müsse.

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Weiters seien Frauen stärker belastet, nicht nur durch die Corona-Krise etwa in Form von Pflege, Homeschooling und Homeoffice, sie hätten auch weniger Einkommen, weniger Mittel und weniger Potenzial für Zukunftsvorsorge. Es brauche hier wahrscheinlich auch entsprechende Produkte und politische Unterstützung. Zentrale Themen sind für Beutelmeyer die Geschlechtersolidarität und die Generationssolidarität, die stärker eingefordert werden müssten und das Thema Vorsorge sei ein Megatrend.

In der heute präsentierten Umfrage ist für jeden Zweiten (52 Prozent) die eigene finanzielle Absicherung eine besonders wichtiges Vorsorgethema, ebenso wie die Pension (51 Prozent). Wichtiger eingeschätzt wird nur die Gesundheitsvorsorge (62 Prozent). Drei Viertel machen sich Gedanken über die Pension. Ein Drittel geht von einer schlechten Absicherung im Alter durch die staatliche Pension aus – Frauen (38 Prozent) mehr als Männer (28 Prozent), 18- bis 34-Jährige (44 Prozent) mehr als 55- bis 65-Jährige (14 Prozent).

Nur jeder Zweite rechnet mit staatlicher Pension

Nur jeder Zweite rechnet damit, überhaupt eine staatliche Pension zu erhalten. Hier zeigt sich ein besonders starker Generationenunterschied: 29 Prozent der jüngeren rechnen sicher damit, eine staatliche Pension zu erhalten, bei den älteren sind es 81 Prozent.

56 Prozent gaben an, Angst vor Altersarmut zu haben. Bei Frauen (59 Prozent) und Jüngeren (62 Prozent) war diese Sorge größer. Die jüngere Generation habe es wesentlich schwieriger in der Gesellschaft im Augenblick, was Lebenssicherheit, was Lebensplanung, was Vorsorge anbelange, so Beutelmeyer. Die Situation an Arbeitsmarkt sei derzeit schwieriger, auch die Schaffung von Eigentum bezüglich Erben stelle sich die Fragen, wann und was sie erben werden.

In eine private Altersvorsorge investiert laut Umfrage jeder Zweite (53 Prozent). Dieser Wert war gegenüber einer vergleichbaren Umfrage aus dem Jahr 2014 unverändert. Bei Frauen war der Anteil mit 48 Prozent niedriger als bei Männern (58 Prozent). 57 Prozent der Männer, aber nur 42 Prozent der Frauen, mit einer ausreichenden staatlichen Pension rechnen. Man müsse besonders Frauen nahelegen frühestmöglich vorzusorgen, so Silke Zettl, Head of Market Management der Allianz Österreich. Sie sollten sich auch selbst darum kümmern, man könne auch mit kleinen Beiträgen vorsorgen.

Bei der Frage welche Schicksalsschläge als besonders bedrohlich erscheinen, stand an erster Stelle der Verlust einer geliebten Person (67 Prozent). Dahinter folgten schwere Krankheit (60 Prozent), selbst ein Pflegefall zu werden (50 Prozent), schwerer Unfall (24 Prozent), Armut (22 Prozent), Einsamkeit (16 Prozent), der eigene Tod (11 Prozent) und der Verlust des Arbeitsplatzes (10 Prozent). Befragt wurden im September 1.000 berufstätige Personen zwischen 18 und 65 Jahren.


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