Eigene Schüler zu Opfern gemacht: Unterländer Lehrer verurteilt

Rund zehn seiner Schüler soll ein Lehrer aus dem Unterland missbraucht und gefilmt haben: Er wurde zu achteinhalb Jahren Haft, Anstaltseinweisung wegen Persönlichkeitsstörung und einem unbefristeten Tätigkeitsverbot verurteilt.

Der Verdächtige am Montag im Gerichtssaal.
© TT/Fellner

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Anfang des Jahres war durch eine aufmerksame Mutter der bislang größte Missbrauchsfall der Tiroler Schulgeschichte ans Licht gekommen. Als Täter war ein zuvor beliebter, in Vereinen tätiger und sogar ausgezeichneter Lehrer hervorgekommen. Gekannt hatten die Leute den 40-Jährigen wohl nicht richtig. Im Inneren des Mannes existierte nämlich ein zweites Ich. So war der suspendierte und seit Jänner in Untersuchungshaft befindliche Pädagoge am Landesgericht vor Schöffen gleich wegen etlicher Delikte angeklagt: Vergewaltigung, mehrfach geschlechtliche Nötigung, wiederholter sexueller Missbrauch wehrloser Personen, in 15 Fällen schwerer sexueller Missbrauch, pornografische Darstellung Minderjähriger, Missbrauch des Autoritätsverhältnisses und zuletzt Verstoß gegen das Datenschutzgesetz lauteten die Anklagepunkte.

Seit 2009 listete die Anklage von Staatsanwältin Adelheid Steiner insgesamt 48 Opfer auf. Steiner im Plädoyer: „Dies ist aus mehreren Gründen eine besondere Anklage. Bei der hohen Opferanzahlwaren viele der Burschen erst maximal 14 Jahre alt.“

📽️ Video | Missbrauch: Lehrer schuldig gesprochen

Der Fall lässt tief blicken. So hatte der Pädagoge Schüler nicht nur missbraucht, sondern auch Dutzende Videos von sexuellen Handlungen von oder auch mit Schülern angefertigt. Heimlich hatte der 40-Jährige dazu von den Ahnungslosen Aufnahmen beim Duschen oder am WC hergestellt. Hinweise, dass der Unterländer dieses Bild- und Videomaterial weitergegeben hätte, gibt es wenigstens keine. Die Kameras waren übrigens raffiniert versteckt – teils als Ladegerät oder Taschenrechner getarnt. Sogar im Schul-WC hatte der Lehrer eine als Rauchmelder getarnte Kamera angebracht und die Schüler teils zu „Mutproben“ sexueller Natur hingeschickt.

Stutzig hätte man wohl schon anhand der Fragebögen, die der Lehrer einst zum Schulanfang in Klassen verteilt hatte, werden müssen. In diesen wurden die Buben nämlich auch bei einzelnen Punkten zu äußerst intimen Dingen befragt.

Anklägerin Steiner zu den Schöffen: „Es ist eigentlich absolut unerklärlich, warum hier niemand früher eine Anzeige erstattet hat.“ Es war wohl die Scham der Schüler, die in die Falle des Lehrers getappt waren. Diese hatte der 40-Jährige nämlich mit dem Versprechen besserer Noten oder Vorteilen bei Schularbeiten gelockt. Später hatte er die Burschen laut Staatsanwaltschaft dann auch mit Alkohol gefügig gemacht und bei Widerstand wiederum mit schulischen Nachteilen gedroht.

Einweisung in Anstalt

Im Prozess drohten gestern dafür fünf bis 15 Jahre Haft. Nach einem Gutachten von Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner beantragte Anklägerin Steiner die Einweisung des 40-Jährigen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Dies empfahl Kastner gestern nochmals, da bei dem teils vermindert Zurechnungsfähigen die Gefahr bestünde, dass er aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung (sexuelle Präferenz auf jüngere Burschen) weiter solche Taten begehen könnte.

Verteidiger Albert Heiss versuchte das Geschehene mit der Persönlichkeit des Mandanten zu erklären – mit dem Korsett, in dem der Homosexuelle ohne mögliches Outing im ländlichen Bereich leben musste. Dazu wäre dann noch die psychische Abnormität gekommen, so der bekannte Strafverteidiger. RA Heiss stellte aber auch klar, dass sein bislang völlig unbescholtener Mandant alle Schadenersatzforderungen anerkenne und von seiten der Verteidigung kein einziges Opfer als Zeuge angeboten worden war, um den Burschen wenigstens die Zeugenaussage zu ersparen. Im Gegenteil wolle sich der 40-Jährige bei allen direkt und indirekt Betroffenen entschuldigen.

All die Milderungsgründe rechnete zuletzt auch der Schöffensenat an. Dazu kam es bei mehreren Anklagepunkten zu Freisprüchen. Und so bewegte sich die nicht rechtskräftige Sanktion mit achteinhalb Jahren Haft noch unter der Mitte des Strafrahmens. Dazu kam allerdings ein Tätigkeitsverbot und vorallem die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die Richterin: „Sie brauchen Therapie.“ 59.000 Euro wurden den Opfern zugesprochen, auch besteht teilweise eine Haftung für künftige Folgen.


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