Birgit Hebein: Die glücklose Wahlsiegerin bleibt nach Wahl ohne Amt

Die Wiener Grünen haben unter Birgit Hebein das beste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Der Triumph blieb der Parteichefin jedoch verwehrt, die SPÖ entschied sich anders. Und nun bleibt die 53-Jährige ohne Amt.

Birgit Hebein verlässt das Rampenlicht. Sie erhält nach dem Verlust der Vizebürgermeisterschaft kein Amt.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Parteichefin Birgit Hebein (53) hat für die Wiener Grünen das beste Ergebnis aller Zeiten eingefahren – und konnte doch nicht triumphieren. Denn die SPÖ entschied sich nach der Wahl, mit den NEOS und nicht mehr mit den Grünen koalieren zu wollen. Damit endet für Hebein nicht nur ihre Zeit als Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin, sondern – nach Verlust des internen Rückhalts – auch als wichtige Taktgeberin bei den Grünen selbst.

Denn die Wiener Grünen fällten im Rahmen einer Klubsitzung am Montag ihre Personalentscheidungen: Der bisherige Klubchef David Ellensohn behält dieses Amt. Der bisherige Planungssprecher Peter Kraus und Neo-Mandatarin Judith Pühringer werden nicht amtsführende Stadträte. Parteichefin Birgit Hebein, die ihren Posten als Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin räumen muss, erhält kein Amt.

Als Ressortchefin hatte Hebein – wie schon ihre Vorgängerin Maria Vassilakou – mit einigen Initiativen vor allem im Verkehrsbereich für Aufregung gesorgt. Schaffte es die gebürtige Kärntnerin im Sommer 2019 – kurz nach Antritt ihrer neuen Funktion – noch, mittels schnell aus dem Boden gestampfter Feel-Good-Aktionen wie den "Coolen Straßen" fast ausschließlich Pluspunkte in der Öffentlichkeit zu sammeln, erhitzten jüngere Projekte wie die Pop-up-Radwege oder die "autofreie City" die Gemüter schon deutlich mehr.

📽️ Video | Kein Amt mehr für Birgit Hebein:

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Politische Gegner warfen Hebein "Schikanen" vor

Es dauerte nicht allzu lange, bis ihr vor allem ÖVP und FPÖ – wie schon Vassilakou – regelmäßig "Autofahrerschikanen" vorwarfen. Aber auch die SPÖ bis hin zu Bürgermeister Michael Ludwig konnte mit der Tatkraft Hebeins nicht immer etwas anfangen, was im Wahlkampf auch zunehmend für persönlichen Verstimmungen zwischen der Stadtregierungsspitze führte. Jüngstes Beispiel dafür ist das City-Verkehrskonzept, dem der Stadtchef einen Riegel vorschob.

Hebein, die seit 2018 auch offiziell Parteichefin ist (die Funktion gab es vorher bei den Wiener Grünen nicht, Anm.), sitzt seit 2010 im Gemeinderat und war dort jahrelang Sozialsprecherin. Bald galt sie – anders als ihre zuweilen in sehr getragener Stimmlage vorgebrachten Reden vermuten ließen – als harte Verhandlerin, wenn es etwa um das Thema Mindestsicherung ging. Wohl nicht zuletzt deshalb hat Bundeschef Werner Kogler seine Parteifreundin in das Kernverhandlungsteam berufen, als es Ende 2019 darum ging, einen Koalitionspakt mit der ÖVP auszudealen.

Tief im Sozialen verankert

Vor ihrem Einzug in das Stadtparlament war Hebein Bezirksrätin und Klubobfrau in Rudolfsheim-Fünfhaus. Außerdem engagierte sie sich von 2000 bis 2002 bei der Grünen Gewerkschaft AUGE. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete die diplomierte Sozialarbeiterin unter anderem im Bahnhofssozialdienst der Caritas Wien und bei der Arbeitsgemeinschaft für Wehrdienstverweigerung.

Ihren beruflichen Anfängen ist Hebein inhaltlich auch in ihrem politischen Leben treu geblieben. Armutsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit waren ihre thematischen Steckenpferde als Abgeordnete. Mit der Übernahme des Verkehrs- und Stadtplanungsressorts versuchte sie den Brückenschlag zwischen sozialer Frage und Klimaschutz.

Kärntnerin mit Traktorführerschein

Birgit Hebein wurde am 13. Jänner 1967 in Villach geboren. Ihre Jugend verbrachte die Tochter eines Maurers und einer Hausfrau in einem kleinen Dorf in Kärnten. Nicht allzu verwunderlich also, dass sie auch den Traktorführerschein vorweisen kann. Heute lebt die frühere Hausbesetzerin mit ihren beiden Kindern im 15. Bezirk. Bei ihrer Antrittspressekonferenz als Vassilakou-Nachfolgerin stellte sie klar: "Ja natürlich mache ich linke Politik – was denn sonst?" Cannabis hat sich schon einmal geraucht. "Aber ich vertrage es nicht", verriet sie der Kronen Zeitung einmal. Ein Suchtverhalten legte sie dabei dennoch offen: "Ich tarockiere gerne, wenn möglich, die ganze Nacht." Dafür wird sie nun wieder mehr Zeit haben.

Denn Hebein wird, was nach der Sitzung der Fraktion am Montag feststeht, keine Funktion im Klub übernehmen. Sie wird also weder Klubchefin noch nicht amtsführende Stadträtin. Üblicherweise bekleiden die Obleute der Rathaus-Opposition eine dieser Funktionen. Parteichefin ist sie jedoch weiterhin. Sie ist bis Ende 2021 gewählt, könnte aber durch einen freiwilligen Rückzug vorher den Weg für eine Nachfolge freimachen. (APA)


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