Anschlag in Wien: Angriffe laut Europol nicht "neue Normalität"

Nach mehreren Anschlägen in europäischen Ländern ist die Terrorgefahr zwar hoch, Europol-Experten glauben aber nicht, dass dies nun zu einer "neuen Normalität" wird. In Wien sind die Ermittler immer noch mit der Frage beschäftigt, wie der Attentäter schwer bewaffnet in die Innenstadt kam.

Ein Kerzenmeer an einem der Tatorte in der Seitenstettengasse in der Wiener Innenstadt.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Wien – Auch im Lichte des Anschlags von Wien: Laut Europol werden Terrorangriffe in der EU nicht zu einer "neuen Normalität". Die Terrorgefahr sei zwar "nach wie vor hoch", und es gebe auch die Beobachtung, dass "Terrorangriffe inspirierend wirken können und Nachahmer hervorrufen", sagte ein Sprecher der Europäischen Strafverfolgungsbehörde gegenüber der APA. Die EU sei jedoch "gut vorbereitet" und habe seit 2015 viele Maßnahmen getroffen.

Für Europol sei die Gründung des ECTC, des Europäischen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, maßgebend gewesen. Ob Europol einen Anschlag in Wien erwartet und ob es Anzeichen dafür im Vorfeld gegeben habe, könne nicht öffentlich diskutiert werden, hieß es in Hinblick auf die Terrorattacke mit vier Todesopfern vom 2. November in der Innenstadt.

Propaganda zielt auf junge Männer ab

Der islamistisch radikalisierte, 20-jährige Attentäter war vor dem Anschlag wegen eines Versuches, sich dem "IS" (Daesh) anzuschließen, verurteilt und vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Die Propaganda des jihadistischen Terrors ziele "grundsätzlich" auf junge Männer ab, teilte der Europol-Sprecher dazu mit. Ob es eine besondere Strategie gebe, um bereits straffällig gewordene Personen anzusprechen, sei nicht bekannt.

Verantwortlich sieht der Sprecher für die Propaganda derzeit hauptsächlich den IS an, der, obwohl er sein Territorium in Syrien und im Irak eingebüßt habe, "nach wie vor online aktiv ist und Propagandamaterial verbreitet". "Hauptzielgruppe" seien "junge Männer mit einem muslimischen Hintergrund". Europol beobachte jihadistische Propaganda, die dafür verantwortliche Abteilung sei die Internet Referral Unit (IRU). Nach Wien seien Europol-Experten für Terrorismusbekämpfung entsandt worden, die den österreichischen Kollegen dabei helfen, internationale Verbindungen zum Täter zu finden.

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Attentäter kam nicht mit "Uber" in die Innenstadt

Die heimischen Ermittler sind unterdessen weiter mit der Frage beschäftigt, wie der Attentäter an den Tatort in der Innenstadt gelangen konnte. Laut Ermittlern habe er "mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit" nicht den Fahrtendienstanbieter "Uber" genützt. Diesbezügliche Ermittlungsansätze seien mittlerweile überprüft worden, sagte Markus Dittrich, Sprecher der Landespolizeidirektion, der APA.

Bereits kurz nach dem Attentat mit fünf Toten, darunter der 20-jährige Terrorist selbst, hatten die Ermittler ausgeschlossen, dass der IS-Sympathisant die öffentlichen Verkehrsmittel genützt haben könnte. Das habe sich aus der Sichtung des Datenmaterials aus den Überwachungskameras ergeben. Wie der schwer bewaffnete Attentäter tatsächlich zum Tatort gelangt war, blieb zunächst weiter unklar.

Das Nachrichtenmagazin Profil hatte zuvor aus dem Polizeiprotokoll der Terrornacht zitiert. "Uber-Fahrer hat sich gemeldet, dass er einen Mann geführt hat, der dem Täterbild entspricht", heiße es darin. Das Ö1-"Mittagsjournal" zitierte am Montag Polizeikreise, wonach dieser Hinweis jedenfalls geprüft werde. Nunmehr würden die Ermittler diese Variante "fast völlig ausschließen", sagte Dittrich. (APA/TT.com)


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