Anschlag in Wien: Bericht über mögliche Panne vor Attentat

Ein angebliches internes Papier im Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sorgt für Aufregung. Ein Sachbearbeiter soll eine höhere Gefährdungseinstufung des späteren Attentäters empfohlen haben, was jedoch von den Vorgesetzten abgelehnt wurde.

Beim Anschlag am 2. November in Wien kamen vier Menschen ums Leben.
© ROLAND SCHLAGER

Die Kronen Zeitung berichtet in ihrer Mittwoch-Ausgabe von einer weiteren angeblichen Panne im Vorfeld des Terror-Anschlags in der Wiener Innenstadt. Unter Bezugnahme auf ein internes Papier des Wiener Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) wird behauptet, ein Sachbearbeiter des LVT habe eine höhere Gefährdungseinstufung des späteren Attentäters empfohlen, was seine Vorgesetzten aber abgelehnt hätten.

Das Innenministerium wollte den Bericht nicht kommentieren. Auf APA-Anfrage hieß es, die zur Aufklärung möglicher Behördenfehler eingesetzte Untersuchungskommission werde die Sachlage umfassend auf allfällige Fehleinschätzungen prüfen.

„Hochstufung" von Vorgesetzten auf November vertröstet

Laut Krone wollte der zuständige LVT-Sachbearbeiter den zukünftigen Täter „hochstufen", nachdem bekannt geworden war, dass der wegen terroristischer Vereinigung verurteilte IS-Sympathisant versucht hatte, an Munition für ein Sturmgewehr zu kommen. Seine Vorgesetzten hätten ihn aber mit dem Hinweis auf eine laufende Operation gegen die Muslimbruderschaft auf November vertröstet.

„Wenn das stimmt, ist das ein weiterer Ausschnitt aus einem Bild voller Pannen und Versäumnisse", urgierte SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried in einer Presseaussendung. Hätten Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und der Verfassungsschutz „ihre Arbeit so gemacht wie sie sollten, hätte der Täter inhaftiert und die Tat verhindert werden können", meinte SPÖ-Sicherheitssprecher Reinhold Einwallner.

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Beide verlangten, der Bericht der Untersuchungskommission müsse ungekürzt und ungeschwärzt dem Parlament vorgelegt werden: „Außerdem wollen wir einen parlamentarischen Ausschuss analog zum Kampusch-Ausschuss zur Aufklärung aller Vorfälle und Fehler rund um den Terroranschlag."

Unklar warum keine Schritte gesetzt wurden

Nach gesicherten Informationen der APA wurde der Attentäter zwar verspätet als potenzieller Gefährder „hochgestuft" – allerdings am 13. Oktober und damit fast drei Wochen vor dem Terror-Anschlag, der vier Passanten das Leben gekostet hat.

Weshalb in diesem Zeitraum aufgrund der geänderten Gefährdungslage keine Schritte gegen ihn gesetzt wurden und dieser ungehindert seinen Terror-Plänen nachgehen konnte, ist weiter unklar. (APA)


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