Covid-Todesfälle in Tiroler Heimen: „Wir wussten, dass einige sterben“

Zwei bis drei Wochen nachdem Corona-Cluster in Tirols Altenheimen aufkamen, fordert Covid-19 nun Todesopfer.

In den Alten- und Pflegewohnheimen ist die Lage kritisch.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Innbruck, Wien – „In den Alten- und Pflegeheimen liegen sehr viele kranke Menschen. Es ist klar, dass dort der Anteil an Covid-Toten höher ist als in der Durchschnittsbevölkerung“, erklärt Robert Kaufmann. Er leitet ein Altenheim in Zirl und spricht für die ARGE Altenheime in Tirol. Kaufmann verweist auf die Corona-Cluster, die es vor zwei bis drei Wochen in den Altenheimen gegeben hat. „Das schlägt sich jetzt in der Sterbestatistik nieder.“

Man habe gewusst, dass einige Covid nicht überleben und sterben werden. „Umso wichtiger ist es, dass wir das Virus aus den Altenheimen heraushalten.“ Heimleiter hatten vor Wochen kritisiert, dass einheitliche Konzepte zum Schutz der Heime fehlen würden. Man habe sich selbst geholfen und bereits im Sommer versucht, sich auf den Herbst und Winter vorzubreiten.

Seit zwei Wochen werden in Tirols Altenheimen Schnelltests an Mitarbeitern durchgeführt. Werden gesunde Menschen getestet, sind Schnelltests fehleranfällig. Bei einem positiven Testergebnis wird mit dem genaueren PCR-Test nachgemessen. Bei einem negativen Schnelltest gilt der Mitarbeiter als gesund, obwohl es falsch negative Ergebnisse ebenso gibt. Kaufmann ist froh, dass die Schnelltests im Einsatz sind. „Eine Mitarbeiterin wurde positiv getestet, ein PCR-Test hat das Ergebnis bestätigt. Sie hätte ohne die Tests drei Tage im Heim gearbeitet und das Virus weitergegeben.“

Seit Beginn der Pandemie vor acht Monaten sind in Österreich rund 2100 Menschen an Covid gestorben. 2019 starben in Österreich rund 83.000 Menschen, das sind 1600 pro Woche. Das Virus ist vor allem für alte und vorbelastete Menschen gefährlich. Drei Viertel der Corona-Toten in 170 Ländern waren über 75 Jahre alt. Der Durchschnitts-Covid-Tote ist 81 Jahre. Die Sterblichkeit liegt laut einer Stanford-Studie bei 0,15 bis 0,20 Prozent, bei den unter 70-Jährigen sind es 0,03 bis 0,04 Prozent. Die Zahlen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht.

Trotz strenger Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen hat sich das Virus in den heimischen Heimen ausgebreitet und bereits viele Todesopfer gefordert.
© Ronny Hartmann / AFP

Obwohl man in den Heimen ans Sterben gewöhnt sei und damit gut umgehen könne, sei die Situation in den Tiroler Heimen dramatisch. „Wir tun alles, damit die Menschen daheim, und das ist in unserem Fall das Altenheim, sterben können.“ Bei Covid sei es gleich wie bei einem Herzinfarkt oder einer Lungenentzündung, da müssten Ärzte entscheiden, ob es eine intensive Behandlung brauche oder eben nicht mehr.

Die Zahlen zeigen, dass die jetzige Corona-Welle massiv in Österreichs Alten- und Pflegeheimen durchschlägt. Mehr als die Hälfte aller Covid-Opfer in den Heimen sind seit Oktober verstorben. Politisch sorgt das Sterben in den Heimen für Kritik. Altenheime fallen in die Kompetenz der Länder und Gemeinden. Diese hätten versagt, klagen die NEOS. (aheu, APA)

📽️ Video | ÖGKV-Präsidentin Potzmann zur Lage in Altersheimen:


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