Prüfbericht dürfte Druck erhöht haben: Siedlerbund-Obmann trat zurück

Altenweisl wird unter anderem vorgeworfen, Verwandte im Unternehmen in führenden Positionen untergebracht zu haben.

Nach 27 Jahren an der Spitze der Wohnbaugenossenschaft Siedlerbund trat Josef Altenweisl gestern mit sofortiger Wirkung zurück.
© oblasser

Von Peter Nindler

Innsbruck, Lienz – Am Donnerstag hat der ehemalige ÖVP-Bürgermeister von Nußdorf-Debant und Langzeit-Vorstandsobmann der gemeinnützigen Baugenossenschaft Siedlerbund, Josef Altenweisl, die Reißleine gezogen. „Mein Stellvertreter und ich werden mit sofortiger Wirkung zurücktreten“, erklärte er gegenüber der TT. Seit Monaten steht er nicht nur wegen seines Führungsstils in der Kritik, sondern auch aufgrund seiner Personalpolitik.

Altenweisl hat bekanntlich (nahe) Verwandte in Führungspositionen gehievt, durch den überraschenden Rücktritt seines Neffen im Aufsichtsrat wurde das Kon­trollgremium aber handlungsunfähig. Dieser Vorgang wird gerade in einer vom Land veranlassten Sonderprüfung des Revisionsverbands untersucht. Wie auch Spesenabrechnungen, die Vergabe von Beraterverträgen oder Altenweisls eigenartige Besetzungspolitik.

Seit August sah sich der nunmehrige Ex-Obmann deshalb mit einem Abwahlantrag der Genossenschaftsmitglieder konfrontiert. Anfangs zögerte Altenweisl die Generalversammlung hinaus, zuletzt wollte er sie trotz der Corona-Krise in Lienz durchdrücken. In der Hoffnung, dass seine Kritiker nicht kommen. Die Behörde hat das untersagt und forderte eine digitale Versammlung, mit Hilfe seines Anwalts ging Altenweisl jedoch dagegen vor. Gestern dann der Rückzieher: Altenweisl zieht sich zurück, die Generalversammlung wird online am 1. Dezember abgehalten. Dabei wird eine neue Führungsriege gewählt.

Die aktuelle Prüfung dürfte Altenweisls Rückzug beschleunigt haben. Dem widerspricht allerdings der Ex-Obmann. „Ich gehe davon aus, dass nichts Besonderes in der Sonderprüfung bemängelt wird.“ Er habe sich in 27 Jahren an der Spitze der Wohnbaugenossenschaft jedenfalls nichts vorzuwerfen. Dennoch: Rund um den Rücktritt seines Neffen aus dem Aufsichtsrat dürfte der zuständige Prüfer des Revisionsverbands doch einige unangenehme Fragen aufwerfen. Und auch über Aufträge an Altenweisls Sohn als Subunternehmer eines Architektenbüros, die dem Vernehmen nach im Aufsichtsrat des Siedlerbunds nie thematisiert bzw. genehmigt wurden: „Da ist alles rechtlich sauber. Er hat die Aufträge vom Architekten erhalten, nicht von uns. Das wäre nicht möglich gewesen“, argumentiert Altenweisl.

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In den nächsten zwei Wochen werden jetzt die Weichen für einen Neustart in der Wohnbaugenossenschaft gestellt. Der bisherige Vorstand und Geschäftsleiter Martin Mimm soll jedenfalls erneut in den Vorstand gewählt werden.


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