Kursexplosion bei Bitcoin: Sorge vor neuer Blase wächst

Der Bitcoin-Preis liegt wieder in Reichweite von 20.000 Dollar. Branchenkenner warnen, Geldanlagen in Bitcoin bleiben riskant.

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© Reuters

London, Frankfurt – Schon wieder jagt die Kryptowährung Bitcoin von einem Hoch zum nächsten. Schon wieder ist der Preis von der 20.000-Dollar-Marke (16.852 Euro) nicht weit entfernt. Und schon wieder warnen Börsianer vor einer Spekulationsblase. Doch dieses Mal ist nach Ansicht von Experten alles anders als Ende 2017, als der Kurs eines Bitcoin getrieben von berauschten Privatanlegern innerhalb weniger Wochen auf ein Rekordhoch von knapp 20.000 Dollar in die Höhe geschossen war.

In den vergangenen Jahren hat sich ein ganzer Markt für Krypto-Produkte entwickelt, bekannte Firmen wie Paypal akzeptieren Bitcoin als Zahlungsmittel und weltweit beschäftigen sich Notenbanken mit landeseigenen Kryptowährungen. Doch für den Otto-Normal-Anleger seien die Risiken noch immer viel zu hoch, warnen selbst eingefleischte Bitcoin-Verfechter.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist noch immer ein riskanter Markt mit riskanten Produkten.
Colin Platt, Berater für Kryptowährungen der Firma Platt Advisors

Berg-und Talfahrt

Trotz aller Verbesserungen der Marktstruktur und der allgemeinen Anerkennung ist der Preis für die größte und bekannteste Cyberdevise Bitcoin nach wie vor sehr schwankungsanfällig. Nach dem Höhenflug 2017 ging es ein Jahr lang bergab bis auf rund 3.000 Dollar, im Juni 2019 kostete ein Bitcoin dann wieder knapp 14.000 Dollar, im März 2020 waren erneut weniger als 4000 Dollar. Seither geht es steil nach oben auf zuletzt fast 18.500 Dollar, vor allem in den letzten Wochen explodierte der Preis regelrecht. Experten gehen davon aus, dass auch die Unsicherheit wegen der Coronapandemie Investoren in Kryptowährungen treibt.

Anleger sollten es tunlichst vermeiden, Bitcoin als 'digitales Gold' zu erachten warnen Experten.Die jüngsten Aufstiege seien definitiv zu schnell und zu überhastet gewesen. Doch im Gegensatz zu 2017 gebe es nun viele Unterschiede, sagt Larry Cermak, Direktor bei der Krypto-Medienfirma The Block, zu Bedenken: "Wir sehen weniger private sondern mehr institutionelle Anleger und die Märkte sind viel liquider als damals."

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2017 hatte es solche Möglichkeiten noch gar nicht gegeben

In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche spezielle Plattformen für Kryptowährungs-Derivate und andere Anlageprodukte etabliert, über die mit Bitcoin & Co gehandelt werden kann. 2017 hatte es solche Möglichkeiten noch gar nicht gegeben. Der Wert der aktuell im Umlauf befindlichen Bitcoin-Futures an der US-Börse CME überschritt vor ein paar Tagen zum ersten Mal seit der Einführung Ende 2017 den Wert von einer Milliarde Dollar. Die Positionen in den wichtigsten Optionsmärkten sind von praktisch Null Anfang 2019 auf mittlerweile vier Milliarden Dollar gestiegen, wie Daten der Analysefirma Skew zeigen.

Parallel dazu haben auch die Gesetzgeber nachgezogen und machen strengere Vorgaben. 2017 gab es für Anleger praktisch keinerlei Schutz vor Betrügern. Außerdem hatten zahlreiche Privatleute durch den Preis-Crash Anfang 2018 Millionen verloren. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin warnte daher eindringlich vor Anlagen in Kryptowährungen.

Geldwäsche immer noch großes Thema

Die strengere Regulierung kann aber nicht alle Kehrseiten der Medaille beseitigen. Bitcoin werden immer noch häufig für Geschäfte im Darknet verwendet, dem für illegale Geschäfte genutzten Teil des Internets. Außerdem kommt es immer wieder zu Hackerangriffen auf Cyber-Plattformen, bei denen digitale Münzen erbeutet werden. Ein großes Thema ist auch Geldwäsche, da mit Kryptowährungen selbst große Summen anonym in sekundenschnelle um die halbe Welt geschickt werden können.

Die Erfinder von Bitcoin hatten vor gut einem Jahrzehnt das Ziel, eine von Zentralbanken unabhängige Währung zu schaffen, die nicht von staatlichen Institutionen gesteuert ist. Daher orientiert sich der Kurs ausschließlich an Angebot und Nachfrage. Geschaffen werden Bitcoin über die Berechnung komplizierter Algorithmen durch Hochleistungschips. In gewissen Abständen werden die Nutzer, die Rechenkapazitäten zu Verfügung stellen, mit neu geschaffenen Bitcoin entlohnt. Maximal können so 21 Millionen Bitcoin geschaffen werden, derzeit gibt es 18,5 Millionen.

"eEuro" und "eDollar" im Aufbau

Die Ankündigung des US-Zahlungsdienstleister Paypal, künftig den Handel von Bitcoin und anderen digitalen Währungen auf ihrer Plattform zu erlauben, sorgte vor ein paar Wochen für großes Aufsehen. Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed arbeiten am Aufbau eines "eEuro" und "eDollar", um damit die Hoheit über ihre jeweilige Landeswährung zu behalten.

Doch trotz aller Fortschritte, bleiben Experten wie Russ Mould, Analyst bei der Kapitalanlagegesellschaft AJ Bell, skeptisch. Es gebe trotz der jüngsten Entwicklungen keinerlei Garantie dafür, dass Bitcoin in großem Umfang als "Geld" zum Bezahlen verwendet werde. Das kontaktlose Bezahlen per Karte oder Handy sei schließlich einfacher und schneller. (APA, Reuters)


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