Home Office: Häufig keine klaren Regeln und ständige Erreichbarkeit

Für die Untersuchung wurden knapp 500 Personen befragt, die ab April 2020 im Home Office arbeiteten. Das Ergebnis: Eher durchwachsen.

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Wien – Für viele Arbeitnehmer hat sich das mit dem Home Office oft versprochene selbstbestimmte Arbeiten nicht realisiert. Für sie ist etwa die Arbeitszeit selbst nicht klar geregelt, und sie werden auch abseits der vereinbarten Erreichbarkeit regelmäßig kontaktiert. Zum Teil kann auch von ihrem Unternehmen elektronisch kontrolliert werden, wann sie arbeiten, das zeigt eine Erhebung des Instituts für Soziologie an der Uni Wien.

Für die Untersuchung wurden knapp 500 Personen befragt, die ab April 2020 im Home Office arbeiteten. Dabei wurde vielfach eine "unternehmensgesteuerte Entgrenzung der Arbeitszeit" geortet. 40 Prozent der im Home Office-Arbeitenden wurde etwa von ihren Arbeitgeber nicht klar kommuniziert, wann sie erreichbar sein sollen. 41 Prozent gaben an, dass sie auch außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit bzw. üblichen Bürozeiten regelmäßig kontaktiert wurden. Der gleiche Prozentsatz fühlte sich verpflichtet, außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit erreichbar zu sein.

Gefahr der Entgrenzung

Für 53 Prozent war eine Arbeitszeit bzw. Kernarbeitszeit genau festgelegt, 83 Prozent konnten sich aber wenigstens einen Teil selbst flexibel einteilen. "Es kann zum Beispiel sein, dass jemand eine Kernarbeitszeit von 10 bis 15 Uhr hat, aber sich den Rest frei einteilt", so der Soziologe Jörg Flecker. Trotzdem besteht die Gefahr einer Entgrenzung der Arbeit, also ein Ausdehnen über klar festgelegte und begrenzte Arbeitszeiten und über klare Zuständigkeiten hinaus. Für 57 Prozent verteilte sich die Arbeit "von früh bis spät". Damit sei eine klare und verlässliche Trennung zwischen Arbeitszeit und Hausarbeits- und Familienzeit bzw. Freizeit für einen großen Teil der Arbeitnehmer nicht gegeben. Keinen signifikanten Unterschied gab es zwischen Führungskräften und untergeordneten Arbeitnehmern.

"Grenzen der Autonomie" zeigen sich laut Studie auch bei der Kontrolle: Zwar waren 81 Prozent mit Tätigkeiten befasst, bei denen das Arbeitsergebnis zählt und weniger die gearbeitete Zeit. 92 Prozent bestimmten sogar selbst, auf welche Art und Weise sie ihre tägliche Arbeit erledigen. Allerdings kann bei 46 Prozent der Befragten ihre Firma elektronisch prüfen, wann sie arbeiten.

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Dementsprechend waren auch bei weitem nicht alle Befragten der Meinung, dass ihnen das Home Office mehr Selbstbestimmung brachte. Zwar stimmten 61 Prozent dieser Aussage zu, für 36 Prozent war dies aber nicht der Fall.

Soziologe Jörg Flecker

Es braucht klare Vereinbarungen darüber, wann jemand im Home Office erreichbar ist oder nicht. Da sehen wir im Moment eine deutliche Entgrenzung der Arbeit, manche fühlen sich auch verpflichtet, ständig erreichbar zu sein.

Nicht alleingelassen

Eher wenig Infos bekamen die Arbeitnehmer über die gesunde Gestaltung ihres Arbeitsplatzes: Rund ein Drittel gab an, dazu mit Informationen versorgt oder beraten worden zu sein. Doch 47 Prozent ohne technische Unterstützung.

Trotzdem fühlten sich die meisten Arbeitnehmer im Home Office von ihren Chefs nicht alleingelassen. 67 Prozent gaben an, dass sich die Vorgesetzten oder andere Stellen im Unternehmen dafür interessierten, wie sie im Home Office zurechtkommen. (APA)


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