Distance Learning variiert: Schulaufgaben per Post, Kraulen am Skateboard

Seit Dienstag sind die Kinder an Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen im Distance Learning – und das schaut an jeder Schule in Österreich anders aus.

Auch im zweiten Lockdown wurden die Schulen auf Distance learning umgestellt.
© unsplash/Spratt

Wien – Teils läuft der Fernunterricht wie im Frühjahr, an anderen Schulen hat man dagegen technisch deutlich aufgerüstet.

Das betrifft vor allem die AHS-Unterstufe. Dort wurde meist bereits spätestens in der Vorwoche – also vor Verkündung des Lockdowns – mit den konkreten Vorbereitungen begonnen. Wo dies nicht schon ohnehin passiert war, wurden etwa die Schüler auf Microsoft Teams im Lauf der Vorwoche von den letzten Lehrern in ihre Gruppen hinzugefügt.

Online-Stundenplan an meisten Schulen

An manchen Schulen wird mehr oder weniger nach Stundenplan unterrichtet. Schüler, die zur Betreuung an die Schule kommen, können an etwaigen Videokonferenzen per Laptop oder im Informatiksaal per Kopfhörer folgen. Überhaupt war der Ausbau des Online-Liveunterrichts die deutlichste von den Eltern wahrgenommene Änderung. War dieser im ersten Lockdown noch das Steckenpferd von einigen wenigen Pädagogen, sind nun deutlich mehr bis fast alle von daheim aus auch live zu erleben. An den meisten Klassen wurde ein eigener Online-Stundenplan erstellt. An einer Schule gab es sogar Schwimmen online, wo die Schüler als Arbeitsauftrag dann ein Video vom Kraulen oder Rückenschwimmen auf einem Skateboard oder Möbelwagerl hochladen sollten.

Lernplattformen werden häufig genutzt

Deutlich häufiger genutzt werden die diversen Lernplattformen – wobei Microsoft Teams die am häufigsten gewählte Variante ist. Statt Wiederholungen und Übungsblättern bzw. Kommunikation über Moodle und Telefon wie im Frühjahr gibt es also nun einige Stunden-Videokonferenzen in Teams – dazu Hausaufgaben und Arbeitsaufträge für Gruppen, die ebenfalls über die Plattform hochgeladen oder fotografiert und dann abgeschickt werden.

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Offenbar wurden auch die einzelnen Lehrer von ihren Direktionen angehalten, nur bestimmte Kanäle zu verwenden. Das „Zusammenklauben" der Aufgaben von verschiedenen Plattformen und nach dem jeweiligen System des betreffenden Lehrers habe praktisch aufgehört.

Deutlich heterogener sind die Erfahrungen im Volksschulbereich – wobei man auch hier den Schulen deutlich bessere Vorbereitung attestiert. Die Bandbreite des Distance Learning ist aber breiter. Sie reichen vom täglichen Online-Unterricht von zumindest einer Stunde samt Abgabe der Arbeitsaufgaben auf einer Lernplattform und umgehender Korrektur und Rückübermittlung bis zum völligen Verzicht auf digitale Formate.

Zum Teil wurde etwa „nur" ein ausgedruckter Drei-Wochen-Plan mitgegeben, wo für jeden Tag die Aufgaben aus Deutsch und Mathe, manchmal auch aus Lesen aufgelistet wurden. Mittel der Wahl: Kopierte Hefte mit Arbeitsblättern sowie Verweise auf das jeweilige Schulbuch. Umgekehrt erstellen andere Lehrkräfte neben den Arbeitsaufgaben auch kurze Videos zum Arbeitsprogramm des jeweiligen Tages oder filmen Anleitungen für das Lernen der einzelnen Buchstaben für Taferlklassler. Zum Teil gibt es auch vorab vereinbarte wöchentliche Online-Sitzungen zwischen Elternvertretern und Direktion. Arbeitsaufgaben kommen an manchen Schulen wahlweise auch mit der Post, jedenfalls können sie aber auch direkt an der Schule abgeholt bzw. abgegeben werden. Ansonsten geht meist auch Abfotografieren und Hochladen.

Ein Drittel bis Hälfte der Kinder in Volksschulen

Der von den Volksschuleltern am häufigsten genannte Unterschied zum Frühjahr betrifft das Ausmaß der Inanspruchnahme der Betreuung. Waren während dem ersten Lockdown nur ein bis zwei Kinder pro Klasse da, sind es nun doch oft ein Drittel oder die Hälfte. Das liegt zum Teil auch an Kindern mit Förderbedarf, die im Frühjahr als nicht erreichbar galten. Diese können nun von den Direktionen verpflichtet werden, an die Schule zu kommen. In den meisten Fällen korreliert das Ausmaß der angebotenen Online-Live-Formate mit der Inanspruchnahme der Betreuung – und zwar negativ.

Irgendwo dazwischen liegen die Mittelschulen. Dort wird in den meist die technische Ausstattung etwas schlechter eingeschätzt als an den AHS-Unterstufen - trotzdem sind Live-Formate deutlich häufiger als an den Volksschulen. Umgekehrt wird Betreuung oft häufiger in Anspruch genommen als an AHS-Unterstufen. Das dürfte erneut damit zu tun haben, dass Direktoren Schüler mit Förderbedarf an die Schulen holen dürfen - was offenbar auch genutzt wird. (APA)


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